Paula und Robert
Von
Muehlbachhexe1
Donnerstag 29.11.2018, 21:34 – geändert Donnerstag 29.11.2018, 21:35
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Muehlbachhexe1
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Paulas Liebesdramas gehen weiter:
„Ein Frosch"
Die Stimm ist groß, der Mann ist klein
was Nähe nichts, hat ferne Schein.“
(Friedrich von Logan)
Wie die Paula grad mit ihrer Scheidung beschäftigt war und eigentlich gar keinen Kopf für einen neuen Mann gehabt hat, ist ihr pfeilgrad der Robert über den Weg gelaufen.
In echt jetzt- buchstäblich!
Also, die Paula war bei einer Fortbildung für Sportler, oben, im Fränkischen.
Vereinswesen und Organisation und allsowas halt, aber wenn man als echter Sportler dastehen will, muß man, eh klar, noch vor Tau und Tag und Frühstück, mehr oder weniger leichtfüßig durch die umliegenden Wälder rennen.
Die Paula ist auch gerannt- aber mehr bei den weniger Leichtfüßigen und ist irgendwann direkt vor dem schneidig anpretschendem Robert als stehendes Hindernis aufgetaucht. Der hat grad noch bremsen können, einen Blick auf sie geworfen und sich danach direkt an ihre Fersen geheftet, also jetzt in übertragenem Sinn!
Er hat ihr gleich erzählt, daß er noch verheiratet ist, aber ganz, ganz unglücklich und daß er weg will von seiner Frau und raus aus dem Haus das ihr gehört und wo die Schwiegereltern auch noch mit drin sind und er eh nix zu sagen hat. Aber haben tut er mit seiner Frau, der Rosi, schon lang nix mehr und die Trennung ist, also für ihn, beschlossene Sache. Eid drauf!
Da hat ihn die Paula aber schon gefragt, wann er das denn durchziehen will und warum er noch im Haus wohnt, und da hat der Robert gemeint, daß trennen erst in zwei Jahren geht, wenn der Bub Abitur hat und studiert. So lang muß er, der Robert, noch durchhalten bei der Rosi und den Schwiegereltern und dem Buben seine heile Welt erhalten. Das hat dann die Paula auch wieder verstanden.
Meine Güte Paula, hab ich gesagt, das ist doch der abgeschmackteste Scheiß , den glaubt doch keine alte Sau mehr.
Aber die Paula – die heilige Einfalt – die hat das echt noch geglaubt, weil sie sich blöderweise gleich in den Kerl verliebt hat, und, wie ich schon erwähnt hab, in dem nämlichen Zustand sämtliche Hirnfunktionen einstellt!
Aber in`s Zeug gelegt hat sich der Robert- sagenhaft!
Der hat die Paula angerufen und Blumen geschickt und Cassetten mit Liebesliedern. Und Liebesbriefe hat der geschrieben- da hat es der Paula die Tränen in die Augen getrieben , so schön war`n die! Und voller Zukunftspläne und ohne Rechtschreibfehler, was für die Geschichte vielleicht nicht so wichtig ist, für die Paula aber grundsätzlich schon!
Der Robert hat aber leider auch mit Frau und Kind in Urlaub fahren müssen und zu Silvester in die Berge - wegen der heilen Welt für den Bub, wie die Paula ja weiß. Das hat die Paula schon gebeutelt, aber wie der Robert zum Trost dafür mit ihr zwei Tage an den Starnberger See gefahren ist, da war die Paula gleich wieder zufrieden.
Also ich sag`s ja nicht gern, aber sogar ich selber hab dem Robert zunehmend seine ernsten Absichten abgenommen und bin gar nimmer besonders mißtrauisch gewesen.
Die Paula hat dann aus ihrem geschiedenen Haus ausziehen wollen und da ist dem Robert eingefallen, daß sich die Paula ja gleich eine Wohnung in seiner Nähe suchen kann, weil sie sich dann viel öfter sehen können und die zwei Jahre dann auch viel besser zum aushalten sind. Und nach der Trennung können sie dann in eine gemeinsame Wohnung ziehen und alles.
Ach so, ja, der Robert hat übrigens drei Autostunden weit weg von der Paula, in Oberbayern, gewohnt.
Also, ich war ja zuerst maximal unterzeugt von der Idee, aber die Paula hat meine Zweifel überhaupt nicht hören wollen und schnell ihr Herz in beide Hände- und die Sache umgehend in Angriff genommen.
Sie hat dann auch gleich eine schöne, völlig überteuerte Wohnung und eine grottenöde, unterirdisch bezahlte Arbeit als Kassenkraft gefunden, sich ein paar Ikea-Möbel gekauft, dazu Tassen, Teller und Teelichter und ihre Lieblingsbücher eingepackt.
Der Robert hat der Paula gleich gesagt, daß er ihr dabei, also beim Suchen und beim Umziehen, leider nicht helfen kann, weil die Rosi auch sonst noch früh genug von der ganzen Chose erfahren tät. Außerdem waren grad schon wieder Ferien und der Robert mit Familie unterwegs in Südfrankreich. Aber die Paula hat ja dankenswerterweise auf Familie und Freunde zurückgreifen können!
Und wie die alle so beim packeln sind und die Paula bloß noch eine Woche Galgenfrist bis zu ihrer Auswanderung in`s Oberbayrische gehabt hat, kriegt sie einen Brief vom Robert.
Zuerst hat sie sich über die Post noch gefreut, aber nach den ersten Zeilen nimmer lang!
Der Robert hat der Paula nämlich geschrieben, daß er kalte Füße gekriegt hat. Also nicht so direkt, aber, daß er sich die Sache mit der Paula doch noch einmal überlegt hat und es lieber noch einmal mit der Rosi probieren will, wegen dem Haus und dem Geld und dem Kind und was sonst noch so alles dranhängt. Und daß er zwar die Paula“ nicht dran hindern kann, daß sie sich in der oberbayrischen Idylle niederläßt“ - grad so, als hätt SIE sich aufgedrängt und tät ihn stalken - aber daß wohl klar ist, daß er wegen der neuen Sachlage keinen Kontakt mehr zu ihr haben will!
Mein lieber Schwan! Die Paula hat ja normalerweise einen stabilen Kreislauf, aber nach DER Lektüre hat sie sich glatt auf`s Laminat setzen- und den Kopf zwischen die Knie drücken müssen. So schlecht war`s der!
Ich selber war so verdattert, daß mir gar nix mehr eingefallen ist, außer daß ich so eine Wut gehabt hab auf den Vollkoffer, des kannst dir gar nicht vorstellen.
Paula hab ich gesagt, ich kopier jetzt alle Briefe und Cassetten und schick sie der Rosi, damit die, wahrscheinlich ahnungslose, Frau erfährt, mit welchem armseligen Würschtl sie verheiratet ist und der Paula ihr Sohn hat sich vorgestellt, wie er dem Robert, wenn er ihn erwischt, ans Knie bieselt! Aber die Paula hat das nicht wollen, also weder das schicken noch das bieseln - weil, an der Situation war eh nix zu ändern und sie hat den Volldeppen bloß noch vergessen wollen.
Aber weil die Paula einen Arbeits- und einen Mietvertrag unterschrieben gehabt hat und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk ist, ist sie dann planmäßig mit ihrem schwedischen Mobiliar abgereist und hat sich in den Voralpen neu installiert.
Ein Jahr hat sie es ausgehalten im schönen Pfaffenwinkel und kurz bevor sie vor Heimweh krepiert ist, haben dieselben Leute, die sie hingepackelt haben, sie wieder hergepackelt, damit sie wieder da ist, wo sie hingehört.
Die Paula war zwar sowas von froh, wie sie wieder daheim war, aber ich sag euch was-
bereut hat sie die Aktion trotzdem nicht.
Da könnt`s ihr jetzt mit den Köpfen schütteln und die Augen rollen, aber wenn die Paula nicht ihrem Herzen gefolgt wär, hätt sie immer das Gefühl gehabt, daß sie dem Glück keine Chance gegeben hat, und so weiß sie sicher, daß sie nix versäumt hat.
Das Rumgefische im Froschteich hat damit also noch kein Ende gehabt und deswegen
folgt noch eine Fortsetzung!
Muehlbachhexe1