Paula und Johann Teil 1
Von
Muehlbachhexe1
03.02.2019, 19:40 – geändert 03.02.2019, 20:16
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Muehlbachhexe1
03.02.2019, 19:40 – geändert 03.02.2019, 20:16
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„Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe“
Also, der Johann heißt eigentlich gar nicht Johann und seine Frau heißt auch nicht Agathe, das ist bloß wegen dem Datenschutz, weil die Geschichte nämlich echt wahr ist!
Der Johann und die Agathe –hört sich direkt an wie ein Volksmusikduo, gell, und g`schieht denen grad recht –also, die sind seit 45 Jahren miteinander verheiratet und teilen seitdem Haus, Tisch und sonst noch alle mögliche, bloß das Bett teilen sie schon lang nimmer.
Wenn man weiß, dass die Agathe den Johann jahrelang mit anderen Männern beschissen hat, kann man schon verstehen, dass dem Johann irgendwann der Appetit auf seine Gattin vergangen ist.
Scheiden lassen und ausziehen ist nicht gegangen, weil der Johann auf seine zwei halbwüchsigen Buben hat Rücksicht nehmen müssen, wo doch jeder weiß, dass alle Scheidungskinder depressiv und drogenabhängig werden, und das hat er natürlich nicht wollen. Und weil die Agathe das Haus in die Ehe mitgebracht- und deswegen das Sagen hat –und nicht wollen hat, dass der Johann ein eigenes Zimmer kriegt, ist er halt vom Doppelbett auf die Wohnzimmercouch umgesiedelt, damit ihm die Agathe wenigstens in der Nacht nicht mehr so auf der Pelle liegt.
Er hat ja auch gemeint, dass er da drauf, also auf der Couch, nur bis zum Abitur seiner Buben durchhalten muss, aber dann sind die an die Uni und da hat er auch wieder nicht die Fliege gemacht, weil sie das am Ende vielleicht so mitgenommen hätte, dass sie noch das ganze Studium vermasselt hätten. Und wie sie dann fertig waren mit der Studiererei – dass keiner seinen Doktor gemacht hat, also dafür kann der Johann aber echt nix -haben sie geheiratet und Kinder gekriegt – oder anders rum - und Haus gebaut und da hat der Johann schon gleich gar nicht mehr wegkönnen, weil er natürlich an den Häusern fest mitgebaut hat.
Und so geht es die ganze Zeit, immer ist irgendwas anderes und wenn sonst nix ist, dann ist der Johann krank!
Ist ja auch kein Wunder, dass ihn der ganze Stress mit der Seinen psychisch fertig gemacht hat und er deswegen Schwierigkeiten mit der Pumpe hat und mit dem Darm und allem. Und weil das ja noch nicht langt, hat er auch noch alle möglichen Knochen operieren lassen müssen. Normal hält das keine Sau aus, was der Johann aushalten muss, und da kann man schon verstehen, dass er keine neue Aufregung mehr braucht und froh ist, dass er seine Couch hat und manchmal seine Ruhe!
Die Agathe hat den Johann zwar nimmer als Liebhaber gebraucht, aber als Hausmeister und Chauffeur hat sie ihn gern behalten, das doppelte Bett und den Status einer ehrbaren Ehefrau auch. Dafür kocht sie aber für den Johann, wäscht und bügelt und man kann jetzt über sie sagen was man will, aber den (Johann) Haushalt hat sie im Griff. Und wenn sie dem Johann zu stark auf die Nerven geht, haut der einfach ab in seine baufällige Kleinimmobilie, die er sich vor 10 Jahren oder so als Ausweichbleibe gekauft hat. Da kann er wenigstens ab und zu tun wie er meint.
Jetzt wird sich der Eine oder Andere vielleicht schon fragen, was denn die Paula damit zu tun hat, wenn doch die schlechtere Hälfte vom Johann Agathe heißt! Ich meine halt, man muss schon ein bißl das Rundrum kennen, wenn man die ganze Geschichte verstehen will und jetzt kommt auch die Paula ins Spiel!
Ich kenn die Paula schon mein ganzes Leben und meistens komm ich auch gut aus mit ihr, bloß mit ihrem fragwürdigen Männergeschmack geht sie mir auf die Nerven. Es kann doch nicht sein, dass man immer wieder mit todsicherem Griff voll in`s Klo langt, oder? Dabei weiß die Paula ganz genau, dass sie die männlichen Problemfälle direkt anzieht und nicht EINEN der seelischen Krüppel hat retten können, die sie hat retten wollen. Und dass sie nach jeder Nullnummer gemeint hat, dass sie gescheiter geworden wär! Aber wenn dann wieder einer kommt, der ihr grad den richtigen Schmarrn erzählt, weiß die Paula natürlich gleich, dass DER diesmal kein solchener Depp ist wie die andern, und haut sich volles Rohr ins nächste Elend.
Sie ist halt himmelschreiend naiv und gnadenlos optimistisch, die Paula, da kannst nix machen!
Den Johann jedenfalls hat sie über so ein Internetforum kennen gelernt. Die Zwei haben ein bißl hin und her geschrieben und zack, ist er eines Tages direkt in ihren Laden marschiert und hat gleich mit dem baggern angefangen. In dem Forum hat er behauptet, dass er “getrennt lebt” und weil die Paula das natürlich geglaubt- und der Johann ihr schon gefallen hat, war sie durchaus motiviert, ihm näher zu kommen. Aber wie sie dann ein bißl nachgebohrt und ziemlich schnell mitbekommen hat, dass da noch keine aufgeräumten Verhältnisse waren und weil sie zufällig gar keine Lust auf ein neues Schlamassel gehabt hat, hat sie lieber gleich wieder den Hut drauf hauen wollen, solange noch Zeit war.
Das hat der Johann aber überhaupt nicht auf dem Plan gehabt und sich mächtig ins Zeug gelegt und der Paula anvertraut, dass er die werte Gemahlin so was von dick hat und ihr, also der Paula, versprochen, dass er jetzt aber wirklich und schnellstmöglich von daheim ausziehen wird, dass geschieden auch gleich ist und dass er aus dem Ausweichquartier zügig ein kuscheliges Heim basteln wird. Und wie die Paula noch immer gezweifelt hat, hat er ihr einen ganz überschaubaren Zeitrahmen vorgelegt und ihr versprochen, dass sie sich noch wundern wird. Das hat sie sich dann auch, aber anders als sie es gemeint hat, aber das kommt erst noch später!
Ich hab der Paula direkt einen Vogel gezeigt und mit ihr noch ein ernstes Wörtchen reden wollen, aber die Paula hat geflissentlich weggeschaut und gar nimmer zugehört, weil die Hormone ihr schon das Hirn total vernebelt haben und bei ihr damit quasi Hopfen und Malz verloren war.
Nicht einmal die baufällige Kleinimmobilie hat sie geschreckt, weil der Johann ja versprochen hat, dass er ganz schnell umbauen will und dann alles ganz toll wird. Sein Hauptquartier hat er zwar noch bei der Agathe gehabt, aber immer wenn ihn die auslassen hat, ist er zur Paula und zur Ruine gefahren und hat ihr- also der Paula, nicht der Ruine-immer Blumen mitgebracht und den Kaffee ans Bett. Und für die Zukunft haben sie ganz viele Pläne gemacht dann hat der Johann der Paula feierlich den Schlüssel zur Kleinimmobilie überreicht und gesagt, dass sie jetzt da herinnen für immer daheim ist und schalten und walten kann wie sie will. Es hat zwar noch nix zum schalten und walten gegeben, aber die Paula war drüber ganz aus dem Häusl (ha,ha, ha- der ist gut, gell? Wo`s doch grad drum geht, dass sie drin ist, im Häusl!), also die war hin und weg, des glaubst gar nicht!
Der Johann hat die Paula auch allen ihren künftigen Nachbarn vorgestellt und die haben sich gefreut und die Paula gleich herzlich in ihre Dorfgemeinschaft aufgenommen. Freilich haben die auch gemeint, dass das Gemäuer- nicht grad der Schandfleck im Dorf, aber auch nicht weit weg davon – jetzt zügig hergerichtet wird, damit der Johann und die Paula da bald (an)ständig wohnen können. Und die Paula hat den Johann mit in ihr Dorf, zu ihrer Familie und in ihre Stammkneipen geschleppt und überall vorgestellt und da haben sich wieder alle gefreut, weil die Paula jetzt endlich was G`scheid`s hat.