Paula und Franz (Teil 1)
Von
Muehlbachhexe1
Samstag 29.12.2018, 22:06 – geändert 30.12.2018, 08:40
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Muehlbachhexe1
Samstag 29.12.2018, 22:06 – geändert 30.12.2018, 08:40
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)Der Frosch im Brunnen, ahnt nichts von der Weite des Meeres
(fernöstlich)
Also, der Statistik nach ist in Deutschland ein jeder fünfte Mann ab 50 Single und die wenigsten sind`s angeblich freiwillig. Und wenn du in`s Internet schaust, oder in die Zeitung, dann glaubst des auch- so viel Kontaktanzeigen wie da drin sind!
Ich mag ja ab und zu die Profile im Internet ganz gern lesen. Aber anfangen tät ich mir nix! Auf keinen Fall!
Ich will ja gar nicht sagen, daß im Internet grundsätzlich kein guter Mann zum finden ist, aber ich selber weiß DREI Mädels, die wo alles gefunden haben, bloß nix G`scheids! Da waren Beziehungsphobiker dabei und Trennungstraumatisierte - wo`s dich fragst, warum die nicht in Behandlung sind - und sowieso die Ehekrüppel, die bloß was für`s Bett suchen. Messies, Geizhälse, peinliche Rampensäue, chronische Lügner, Egomanen, Exzentriker, Neurotiker, Elektriker – echt alles dabei!
Eh klar- wie soll`s auch anders sein - daß die Paula, meine Busenfreundin und Seelenverwandte, eine von denen ist, die voll dem Dreck eine Watsch`n gegeben hat! Gleich zweimal hat sie mit einer Internetbekanntschaft ins Klo gelangt!
Aber eins nach dem andern. Jetzt erzähl ich euch erst einmal, wie des war mit der Paula und dem Franz.
Also, die Paula hat- ist schon eine Zeit lang her – eine Reklamemail von einer Partnerbörse im Postfach gehabt, die wo ihr versprochen hat, daß sie zwei Wochen umsonst in der Börse rumsuchen- und schreiben- und dabei womöglich die große Liebe und das große Glück finden kann.
Der Paula war eh grad langweilig, drum hat sie sich registriert, ein bißl was von sich geschrieben, ein einigermaßen vorteilhaftes Buidl von sich eingestellt und gewartet.
Ich hab ihr aber gleich gesagt, daß des nix bringt!
Paula hab ich gesagt, in unserem Alter sind die besten Männer entweder Verwandte, oder Freunde, oder fest vergeben, oder Pfarrer, oder schwul. In jedem Fall weg und für uns erledigt! Und Deppen laufen dir eh von selber zu , die brauchst nicht auch noch im Internet suchen.
Aber die Paula hört schon aus Prinzip nicht beim erstenmal und überhaupt hat die des Ganze eh bloß als Gaudi gesehn. Viel ist eh nicht passiert und schon gar nix Aufregendes. Und dann auf einmal einmal hat die eine interessante Nachricht in ihrem Postkastl gehabt, - von einem Franz.
Nettes Profil, angenehmes Äußeres, studiert, humorvolle Schreibe, keine Rechtschreibfehler, wohnhaft im nächsten Landkreis. Haut hin!
Die Paula und der Franz haben sich also geschrieben, haben telefoniert, sind ein paarmal zum Essen gegangen und dann hat der Franz die Paula zu sich heim eingeladen. Dabei hat er sie gewarnt, daß es bei ihm ganz furchtbar ausschaut und es ihn gar nicht wundern tät, wenn sie gleich wieder abhaut.
Der Paula ist das seltsam vorgekommen und sie hat zum Franz gesagt, daß er ja dann noch ein bißl aufräumen kann, wenn`s ihn gar so schiniert.
Wie sie dann bei der richtigen Adresse aufgeschlagen ist – ehemaliger Bauernhof, Riesenhaus, Vier Mitparteien, eine davon vom Franz selber bewohnt–war da alles piccobello. Blumen an den Balkonen, Hof gekehrt, Schwimmteich sauber, Rasen gemäht, kein Papierl, kein Nix, alles einwandfrei! Geht doch!
Bis sie in die Wohnung gekommen ist. Mein lieber Herr Gesangsverein!
Da war was los, des mußt gesehen haben. Des glaubst sonst nie!
Also wie beschreib ich das jetzt? Erst einmal muß ich sagen, daß der Franz die Wohnung von seiner Mutter übernommen hat, wie die dort quasi rausgestorben ist. Also gestorben ist die gute Frau eigentlich im Garten- plötzlicher Herztod- aber das tut ja nix zur Sache, vor allem, weil das tragische Ereignis 11 – in Worten ELF – Jahre her war. Und es war noch immer alles genauso wie bei der Mama. ALLES – GENAUSO - KÖNNT`S EUCH DES VORSTELLEN?
Also ich sag`s euch, die Paula hat fast der Schlag getroffen. Ein Wohnzimmer – klaustrophobisch zugeramscht mit Möbeln aus den 70 ern und Kram von nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende. Eine neue gebrauchte Küche war vorhanden- in Einzelteilen- bei Ebay ersteigert und noch nicht aufgebaut. Ein Bad war da, eine Schlafstatt auch, aber viel geputzt ist da auch nicht geworden.
Paula hab ich gesagt, der Franz hat doch eine an der Waffel! Kein Wunder, daß der noch immer, oder schon wieder, auf dem Markt ist! Der Mann kann vier Sprachen und war in der ganzen Welt in den besten Hotels und daheim hat der einen Verhau, daß dich schreckst! Der hat Geld genug für Alles und leistet sich nicht einmal eine Putzfrau. Der kann doch nicht ganz gebacken sein! Paula!!! Türmen!!! Mach einen langen Schuh- weg!
Der Franz hat schon gemerkt, daß die Paula ganz erschüttert war, da hat sie erst gar nix sagen müssen. Drum hat er ihr dann auch gleich einen Kaffee gemacht und derweil die Paula den getrunken hat, hat der Franz die ganze Zeit auf die Paula hingeredet, daß er eh schon lang alles ausräumen und umbauen und neu herrichten will.
Die Paula hat sich langsam wieder einkriegen müssen und hat den Franz gefragt, warum er denn noch nix gemacht, oder wenigstens eine Putzfrau hat. Der Franz hat gemeint, daß er noch keinen richtigen Plan gehabt hat, wie`s werden soll, aber daß es jetzt passen tät, weil die Paula ihre Ideen und ihren Geschmack einbringen könnt. Und eine Putzfrau mag er nicht, weil er niemand fremden in der Wohnung mag! Dabei hat er so hilflos geschaut, daß er der Paula direkt leid getan hat.Und aus dem Haus hätt man echt was machen können!
Alsdann- helfen, retten, bergen! Warum ist die Paula eigentlich nicht bei der Feuerwehr?
Jedenfalls hat sie dem Franz versprochen, daß sie ihm erst einmal die Küche einräumt, wenn der sie aufgebaut hat.
Also hat der Franz die Küche z`ammgeschraubt und die Paula ist angerückt und hat einen geschlagenen Tag dran hingeputzt, an die Möbel und an die Fenster und die Türen. Dann hat sie tagelang abgewaschen und eingeräumt, bis alles nur so geglanzelt hat.
Der Franz war begeistert und die Paula grad so in Schwung, daß sie gleich noch die Speis entrümpelt - ungefähr 30 volle Einmachgläser von vor 1980 - und geputzt hat. Und im Bad hat sie auch noch gewütet!
Und wie das gemacht war, war der Franz der Paula dermaßen dankbar, daß er sie für drei Tage an den Gardasee eingeladen hat. In ein schönes Hotel mit Essen und Trinken und allem.
Muehlbachhexe1