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Patschi und Löffel

Von tastifix Dienstag 17.03.2020, 12:02

Auf einer wunderschönen Blumenwiese kamen zwei Hasenkinder zur Welt ...

Eines Tages während des ersten Ausfluges ohne ihre Eltern trafen sie sich. Sie beschnupperten einander und mochten sich sofort gut leiden. Es waren ein Mädchen und ein Junge. Das Hasenmädchen hieß Patschi und der Hasenjunge Löffel. ´Patschi` wurde so gerufen, weil es so gerne mit den Pfoten auf dem Boden herum trommelte und dabei machte es jedes Mal laut ´patsch`. Löffel wurde so genannt, weil er besonders lange Ohren hatte, eben richtige Löffel.

Die Zwei schwärmten für dieselben Hasenkinderspiele wie Nachlaufen oder Verstecken, tobten den halben Tag gemeinsam umher und zankten sich nie. - Patschi und Löffel wuchsen heran und besuchten die Hasenschule. Nach wie vor liefen sie stets Pfote in Pfote. War ein fremder Hasenjunge böse zu Patschi, gab Löffel ihm eine Ohrfeige, dass dem Hören und Sehen verging und er Haken schlagend Reißaus nahm. Ärgerte jemand Löffel, wurde Patschi wütend und verteidigte ihren Freund. Die Beiden lernten, dass ein Hasenleben nicht nur ausgesprochen schön, sondern leider auch sehr gefährlich ist. Vor großen Raubvögeln, dem Fuchs, den Hunden und noch mehr vor den Jägern hieß es auf der Hut zu sein. Jene Menschen waren mit Flinten unterwegs. Bollerten die los, dann war größte Vorsicht angesagt. Viele der jungen unerfahrenen Häschen starben, bevor sie richtig gelebt hatten.

Patschi und Löffel waren sehr fleißige Schulkinder, spitzten aufmerksam die langen Ohren und merkten sich jedes Wort. Doch es gab genauso Schönes zu berichten: Lehrer ´Schnupper` erzählte viel Lustiges und die Kleinen kicherten oft. Außerdem verriet er ihnen, dass auf den benachbarten Äckern leckere Möhren und Salatköpfe wuchsen. Diese Köstlichkeiten waren genauso oft in den Gärten der Menschen zu finden, denn die aßen gleichfalls gerne Salat und Möhren. -

Hasen werden schnell erwachsen. Patschi war ein bildhübsches Hasenmädchen und Löffel ein ebenso schöner junger Hasenmann geworden. Inzwischen unternahmen sie bereits lange Ausflüge, die sie weit weg von zu Hause führten. Eines Tages, sie stromerten gerade durch einen kleinen Wald, hörten sie in der Nähe ein Schnaufen.
„Was ist das denn?“, fragte Patschi ängstlich.
„Keine Ahnung!“, antwortete Löffel verunsichert.
Sie witterten Gefahr und duckten sich vorsichtshalber platt ins hohe Gras. Zu ihrem großen Schrecken wurde das Schnaufen immer lauter. Löffel wagte einen Blick nach oben und erstarrte. Einige Meter entfernt stand einer ihrer Todfeinde, ein Fuchs. Der hatte sie offensichtlich bereits gerochen, wartete nur noch auf den günstigen Moment, sich die leckere Mahlzeit zu schnappen und schlich rasch näher.
„Löffel, ich will nicht gefressen werden!“
Patschi drängte sich eng an ihn.
„Patschi, du, ich hab eine Idee. Rühre dich nicht von der Stelle, ja?“
„Was hast du vor?“, zitterte seine Freundin.

Löffel schwieg dazu, nahm allen Mut zusammen und stellte sich auf die vor Furcht wackelnden Beine.
´Der darf meine süße Patschi nicht kriegen! Den lenke ich ab!` Er spurtete los, brachte sich nicht etwa in Sicherheit, sondern hopste direkt auf den Fuchs zu. Der leckte sich bei seinem Anblick das Maul und setzte zum Sprung an. Patschi in ihrem Versteck war halbtot vor Angst. Trotzdem schielte sie aus den Augenwinkeln hinter Löffel her.
„Nein, nicht meinen Löffel!!“
Löffel jedoch war ein kluger Hase, der in der Schule stets gut aufgepasst hatte und wusste, dass er viel wendiger war als der grobe Klotz dort vor ihm.
„Du wirst dich noch wundern!“, brummelte er, wetzte los und schlug einen Hacken nach dem anderen.
Mit heraushängender Zunge raste der Fuchs hinterdrein, nach rechts, nach links, geradeaus und wieder zurück. Immer dann, wenn der Räuber Löffel fast erreicht hatte, sprang der mit einem hohen Satz zur Seite. Schließlich, als der Hase ihm ein weiteres Mal vor der Schnauze herum getanzt und dann wie ein Blitz verschwunden war, gab der verwirrte, vom Jagen erschöpfte Fuchs auf. Keuchend stand er dort. Bestimmt ärgerte er sich bestimmt maßlos, dass ihm der fette Braten wohl nicht vergönnt war. Als er sich wieder ein wenig von der Anstrengung erholt hatte, schlich er zurück in den Wald und kroch in seinen Bau, um einen Mittagsschlaf zu halten.

Löffel aber war putzmunter und obendrein sehr stolz. Er hatte seiner Patschi und sich selber das Leben gerettet.
„Wie lieb ich sie habe!!“, fuhr es ihm durch den Kopf, als er dann endlich bei Patschi eintraf.
„Löffel, Dir ist nichts passiert. Ich bin ja so glücklich!!“, begrüßte ihn das Hasenmädchen.
„Heute frag ich sie ...“, nahm sich Löffel vor.
Aber zuvor wollte er noch ein schönes Geschenk besorgen.
„Patschi, bin gleich wieder da!“, strahlte er sie an und war weg.
Patschis Herz klopfte. Irgendwie spürte sie, dass etwas Wunderbares geschehen würde. Sie behielt Recht. Ein paar Minuten später hoppelte Löffel mit stolzgeschwellter Brust heran. Im Maul trug er eine wunderschöne Möhre.
„Patschii?“
„Jahaah?“, kam es leise zurück.
„Hast du mich lieb?“
Oh ja, da brauchte Patschi kein bisschen erst zu überlegen.
„Sogar ganz doll!“
Löffel legte die Möhre zu Patschis Pfoten:
„Patschi, willst du meine Frau werden?“
Statt einer Antwort erntete er einen stürmischen Nasenkuss. Eilig hoppelte das Liebespaar nachhause, damit alle anderen Hasen erfahren sollten, dass die Beiden zusammenbleiben würden.

In den nachfolgenden Tagen bereitete eine Gruppe von Hasen alles für die Feier vor. Die Höhle in einem der umstehenden Bäume diente als Festsaal. Die Hausfrauen knüpften lange Girlanden aus bunten Blumen und verzierten damit den Eingang. Auf einem Baumstumpf davor wurden Möhren und frische Salatblätter angeboten. Der freie Platz vor dem Baum diente als Tanzfläche. Das eilig herbei geholte Grillenorchester spielte romantische Melodien.

Dann erschien das Brautpaar. Patschi trug ein Salatblatt-Rüschenkleid mit einer Möhrenscheibenbrosche und sah umwerfend aus. Löffel hatte einen leuchtend orangefarbenen Möhren-Smoking gewählt mit einem dazu passenden Stock-Zylinder, der mit einer Möhre geschmückt war. Auch er sah toll aus. Die Beiden gaben sich einen besonders zärtlichen Kuss. Jetzt waren sie ein Paar … Dann hopsten sie verliebt einen Walzer. Die anderen Hasen freuten sich mit ihnen und sie feierten bis zum Einbruch der Dunkelheit. Nachdem sich am Abend alle Gäste auf den Heimweg gemacht hatten, legten sich Patschi und Löffel erschöpft in ihr Hasenbett. Dicht aneinander geschmiegt, schlummerten sie glücklich ein.

Seitdem ist ein ganzes Jahr vergangen. Wieder einmal ist es Sommer und auf den Wiesen spielt der Hasennachwuchs. Ob wohl Patschis und Löffels Kinder dabei sind? Fragt sie doch mal!

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