Ostereier
Von
tastifix
Mittwoch 12.04.2023, 15:18 – geändert Donnerstag 13.04.2023, 09:40
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tastifix
Mittwoch 12.04.2023, 15:18 – geändert Donnerstag 13.04.2023, 09:40
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Tja, wie es zu Ostern so üblich ist, schaute ich überall auf Schokohasen, Schokotafeln und klar, auf große Überraschungseier.
Doch vor das Vergnügen kommt bekanntlich die Pflicht und die bestand darin, möglichst viel der auf der Tafel stehenden vier Kuchen und der doppelstöckigen Zitronentorte zu verspeisen. Wir Erwachsenen machten uns also über die Kuchen her, die Kinder über die Muffins. Bereits nach dem zweiten Stück guckten die Ersten ein wenig betrübt, zwei weitere Stücke später wich die betrübte eher einer fast verzweifelten Miene.
"Mögt Ihr noch was?"
"Mama, ich kann nicht mehr!"
"Mama, ich platz gleich!"
Weil sie immer lauter stöhnten, zerfloss ich vor Mitleid, hob die Tafel auf und beorderte sie in den Garten.
´Ist doch sehr eigenartig, die Lautäußerungen der Fast-Unpässlichkeit sind nicht mehr zu vernehmen!`
Die Kinder waren auf einmal wieder putzmunter und wendeten fast jedes Efeublatt am Zaun zweimal um. Irgendwie doch blöd vom Osterhasen, die Eier so doll zu verstecken.
"Da, unter dem Busch!"
"Und ich hab eines im Bambus gefunden!"
Sie sammelten fleissig ein und bewunderten dabei auch ihre Osterkörbchen, die die älteste Enkelin selber gebastelt hatte, sogar mit Henkelchen. Die drei Minis waren hochzufrieden mit der Ausbeute und wir Großeltern gleichfalls, denn auch wir bekamen ein solches Körbchen. In meinem fand ich ein Ei, das meine Tochter zusammen mit ihrer Kleinen in deren Lieblingsfarben Lila und Rosa bemalt hatte. Wunderschön sah es aus.
Nun, wir zählten und zählten, waren uns dessen ziemlich sicher, die einfachen Rechenarten, vor allem das Addieren, noch nicht verlernt zu haben und guckten plötzlich ähnlich wie nach dem Kuchengelage.
"Gibts ja gar nicht! Die haste selber versteckt! Musste doch wiederfinden!"
Der Großvater kam sich wohl reichlich blöd vor, steckte den Kopf so weit als möglich ins Bambuslaub, damit wir nicht sehen sollten, wie verlegen er wurde.
"Das kann nicht sein! Da sind die nicht!"
"Hmmm ..., meinte ich.
jetzt klärten uns die Kleinen auf. Hätte ja sein können, dass die Papis, Mamis, die Omi und der Opi eben doch nicht mehr richt zählen konnten.
"Omi, da fehlen zwei Eier!"
"Opi, guck doch mal dort nach!"
Opi tat,wie ihm geheißen und fand wieder nichts.
"Boah, wenn wir die nicht finden, dann stinkt es irgendwann so!!", stellte mein Enkel fest und hielt sich sicherheitshalber schon jetzt die Nase zu.
Unwillkürlich dachte ich an ein Erlebnis vor ein paar Jahren, als sich gleichfalls eines der Eier erfolgreich versteckt hielt. Der Osterhase hatte ganze Arbeit geleistet. Genau wie jetzt hatten wir fast den Garten umgegraben und nichts entdeckt, nur ein Stück glänzender Einwickelfolie, die wohl mal ein Überraschungsei geziert hatte. Nach fast einer Stunde hatten wir die Suche aufgegeben. Allerdings bewegten uns den Rest des Nachmittags ungute Gefühle.
Einige Wochen später bekam meine Jüngste, als sie bei uns war, Besuch vom Hundekind ihrer Freundin, einem kleinen, sehr pfiffigen Mops, der sich vom ersten Moment an hundewohl bei uns fühlte und also zunehmend kecker auch sämtliche Ecken des Gartens begutachtete. Niedlich war es, wie er neben mir stand und zuschaute, wie ich versuchte, der Laubberge Frau zu werden. Vielleicht wollte er sogar mithelfen - Laub raschelt ja so schön - und er schnüffelte eifrig herum.
Plötzlich schien mir der kleine Kerl ziemlich aufgeregt zu sein, sein Näschen zitterte. Er begann zu buddeln und siehe da, dort lag tatsächlich das vermisste Ei, das nun eklig vor sich hin miefte. Selbstverständlich hatte ich das Vierbeinerchen über den Klee gelobt und war nur froh, dass es nicht etwa von dem Zeug gefressen hatte.
"Du", sagte ich nun zu meiner Tochter, "es wird höchste Zeit, dass er uns mal wieder besucht!!"
Wir lachten.