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Oohaah!!

Von tastifix Samstag 10.02.2018, 13:04

Das Treffen mit seiner Clique ist ein voller Erfolg gewesen. Wolfgang hat sich bestens amüsiert. Gelöster Stimmung will er sich auf den Heimweg machen und setzt sich ins Auto. Aus dem Radio säuselt Schmalzmusik. Wolfgangs Gedanken fliegen in höhere Sphären. Bevor er startet, träumt er, eine Melodie summend, noch ein wenig vor sich hin. Das spärliche Laternenlicht taucht alles in ein diffuses Licht und lässt es ein wenig unheimlich erscheinen. Plötzlich aufschreckend, späht Wolfgang angestrengt zu einem Haus auf der rechten Straßenseite. "Hääh? Da hat sich doch etwas bewegt!" Sein Blick kontrolliert die Umrisse der umstehenden Bäume und Sträucher. Nichts. Er hat sich wohl getäuscht. Gerade will er sich wieder der Erinnerung an eine bestimmte junge Dame hingeben, da stutzt er ein zweites Mal: "Da, schon wieder!" Um sie nicht etwa zu verlieren, vergräbt er die junge Frau zur Sicherheit im tiefstem Winkel seines entflammten Herzens. - - - Dann aber starrt er wie hypnotisiert auf den riesigen Schatten zwischen den zwei Laubbäumen, der zuerst ein wenig hin und her schaukelt, dann verhält und schließlich aus dem Schwarz der einbrechenden Nacht ins Licht der Laternen tritt. Fassungslos vor Schrecken umklammert Wolfgang das Lenkrad. "Das gibt es nicht!", flüstert er. Dort geht eindeutig ein gewaltiger Jemand spazieren. Ein Koloss, der aber ganz woanders hingehört. Wolfgang greift mit zitternden Händen sein Handy und ruft die Polizei an. Nebenbei wirft er noch einen raschen Blick auf seine Armbanduhr. "Erst 19 Uhr. Für Spuk also viel zu früh!" - - - Nach dem vierten Freiton meldet sich der diensthabende Polizist. Er klingt reiflich genervt. "Hier Polizeiwachtmeister Kunz. Womit kann ich ... ?" "Wenn ich dem das erzähle, flippt der aus!“, sagt sich Wolfgang. "Wagner, guten Abend. Ich stehe hier auf der Landstraße, etwa einen Kilometer vor Hahnstadt." "Haben Se nen Platten?", kommt ihm der Grüne zuvor. Sehr viel anderes kann abends um diese Zeit wohl nicht der Grund sein, seine gemütliche Lesestunde auf dem Revier zu stören. "Nein, also: Es ist nämlich so", setzt Wolfgang an, nun doch in einem unsichereren, kläglichen Tonfall. "Verraten Se mal endlich, was los ist!", brummt sein akustisches Gegenüber. - - - Um dem Stotterheini am anderen Ende der Leitung etwas auf die Sprünge zu helfen, unterbreitet er ihm mehrere Vorschläge: "Haben Se sich verfranst oder nen Unfall oder jeht es Ihnen ansonsten nicht jut?" ´Unfall` oder ´ansonsten nicht jut` hieße Einsatz und endgültiges Ende der Schmökerstunde. Leider stellt sich in der nächsten Minute heraus, dass er seinen Krimi vorläufig vergessen muss. "Das Letztere!", stöhnt ihm der Anrufer entgegen. "Was fehlt Ihnen denn?", forscht der Freund und Helfer aller Menschen besorgt und spricht plötzlich astreines Hochdeutsch. "Hier l... läuft ein E...Elefant rum!", japst Wolfgang. "Bitte?? Hören Se mal: Wollen Se mir verarschen?" Der Grüne ist schwer sauer. Von Hochdeutsch kann keine Rede mehr sein. Laut schnauft er seine Empörung in die Muschel. "Glauben Sie mir doch. Bitte!!", fleht Wolfgang halb verzweifelt. - - - Sein Gegenüber verliert die Geduld: "Sind Se bescheuert? Wat hat man Ihnen denn ins Glas gemixt?" "Ich will Sie bestimmt nicht veräppeln. Hier steht tatsächlich einer!", jammert Wolfgang. "Se wissen hoffentlich, dass dat ne saftige Klage gibt, wenn Se so weiter quasseln!", schreit der wütende Hüter des Gesetzes. Vor Zorn sträuben sich ihm die Nackenhaare. Fast am Boden zerstört, setzt Wolfgang alles auf eine Karte. "Oh Gott, er kommt auf mich zu ... Jetzt spielt der mit meinen Scheibenwischern. Hilfe!!" "Dieser Typ ist völlig durchgeknallt. Da muss ich hin!", sagt sich der Grüne. Vor dem Schreibtisch stoppt er plötzlich. Auf dem liegt noch die Einkaufstüte. Ein ganzes Bund Karotten sind darin. Elefanten mögen die. Das weiß er aus der Schule und vom letzten Zoobesuch. „Jetzt spinn` ich auch schon!“, murmelt Wachtmeister Kunz, schüttelt über sich selbst den Kopf und angelt sich die Karotten. Schnell spurtet er zum Wagen und fährt gen Hahnstadt. - - - Auf Wolfgangs Stirn haben sich Schweißtropfen gebildet, ihm klappern die Zähne und zittern die Hände. Mehr und mehr schrumpft er auf seinem Sitz zusammen. Am liebsten würde er sich unterm Lenkrad auf den Boden hocken. Halb nach unten gerutscht ist er schon. Nun harrt er ängstlich der Dinge, die noch auf ihn zukommen könnten. Knapp über seinem Kopf knackt es verdächtig an der Windschutzscheibe. Der zweite Scheibenwischer muss dran glauben. Begeistert schleudert der Elefant den tollen Stock mit dem Rüssel temperamentvoll hin und her und trompetet dabei fröhlich. Es dröhnt gewaltig und trägt in der Dunkelheit keinesfalls dazu bei, jemanden mutiger werden zu lassen. Hypnotisiert beobachtet Wolfgang den ungebetenen Gast. „Spiel bloß weiter! Hauptsache, nicht mit meinen Armen und Beinen!" - - - Wie unter Zwang betrachtet er das Riesenvieh genauer, von ganz unten langsam die Beine rauf und dann immer höher. Irgendetwas kommt ihm spanisch vor. Dessen Trampelwerkzeuge nehmen einfach kein Ende, der fette Bauch hätte jeden Diätlebensmittelhersteller jubeln lassen und dazu noch diese wahnsinnig langen Stoßzähne …Völlig fasziniert vergisst Wolfgang darüber fast seine Furcht. Solch einen gewaltigen Elefantenkopf hat er nie zuvor gesehen. Ihm wird ganz eigenartig. „Das ist doch nie im Leben ein ... ??“ Weiter zu denken verbietet er sich. Es wäre zu schädlich für seine Nerven. - - - Währenddessen wirbeln Polizeiwachtmeister Kunz gleich mehrere Ideen im Kopf herum, was er diesem offensichtlichen Irren entgegen schleudern wird. „Entweder hat der eine Meise unterm Pony und ist aus einem Irrenhaus entwischt oder der hat mindestens zehn Schnäpse intus! Auf jeden Fall gehört er aus dem Verkehr gezogen.“ Auf die genannte Landstraße einbiegend, braucht er nur noch wenige Minuten, bis er in dem schummrigen Laternenlicht zuerst das Auto und dann, zunächst nur schemenhaft, einen riesenhaften Koloss erkennt. „Ach, du meine Fresse!“ Er bremst abrupt. „De Wagner hat doch keenen Knall. Dat is ja woll ...“ Fassungslos verfolgt auch er das Elefanten-Scheibenwischer-Spiel. ´Bösartig wirkt dat Vieh nich!`, stellt er fest. - - - Wachtmeister Kunz sammelt blitzschnell seine Gedanken, so dass sogar ein ganzer Plan dabei raus springt. „Ob der wohl ´ne Möhre mag?“ Nun heißt es Mut zu beweisen. Entschlossen greift er sich das Gemüse und steigt betont langsam aus dem Wagen. Denn der Elefant darf sich nicht erschrecken. Sonst könnte es fatale Folgen für Kunz` Gesundheit haben. Schritt für Schritt nähert er sich ihm, wedelt ihm dabei mit den Möhren vor dem Rüssel herum und kann Den massigen Körper, die mächtigen Beine ... .Um den Kopf ansehen zu können, muss er den seinen weit in den Nacken legen. Entsetzt betrachtet er dessen extra langen Stoßzähne. „Dat Vieh is jar keen Elefant. Dat is nen Mammut!“, röchelt er leichenblass. Die Möhren plumpsen auf den Boden. Bevor es um ihn Nacht wird, fragt sich Kunz noch: „W...wer hat dat denn bloß aufjetaut?“ Er sackt in sich zusammen. Wolfgang hat seine letzten Worte vernommen und hält es für klüger, sich ebenfalls in den Schlaf zu verabschieden. - - - Das Mammut interessieren die beiden Menschlein nicht die Bohne. Dieses Urzeitwesen lässt sich stattdessen die neuzeitlichen Möhren schmecken..

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