Oh du fröhliche, oh du selige...
Von ehemaliges Mitglied Samstag 10.11.2018, 21:20
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Ja, es weihnachtet wieder sehr. In den Kaufhäusern schon seit Ende September. Was ich ja für viel zu früh halte. Die Kinder kommen ja ganz durcheinander.
Wisst ihr noch wie es in eurer Kindheit an Weihnachten zu Hause war?
Bei uns begann, zu der Zeit als ich Kind war, Weihnachten erst nach Sankt Martin.
Wenn unsere Mutter von der Adventszeit sprach, dann wussten wir dass es nicht mehr lange dauert, und Sankt Nikolaus und das Christkind kommen zu uns herab.
Plätzchen wurden gebacken, zum einen bei uns in der Küche, und auch das Christkind im Himmel hatte den Ofen gut gestochert, denn der Himmel war am Abend und am Morgen ganz rot.
Der Adventskalender wurde, ab dem ersten Dezember, jeden Tag um eine Süßigkeit erleichtert, bis der Heiligabend kam und das größte Kläppchen geöffnet werden durfte.
Vieles geheimnisvolles fand in der Adventszeit statt.
Wir Kinder mussten oft in unsere Zimmer gehen, und durften erst nach einer Weile wieder herauskommen. Das Schlafzimmer der Eltern war eine Tabu-Zone und wehe wir kamen der Tür zu nahe, dann gab es schon ermahnende Blicke.
Auch wurden die Erwachsenen immer hektischer und verschwörerischer, je mehr Kläppchen auf dem Adventskalender geöffnet waren.
Einkäufe wurden gemacht und in die große Gefriertruhe verstaut.
Der Onkel sprach von seinem Nikolaus-Knobeln, und dass er eine Gans gewonnen habe, die er uns mitbringen wolle.
Mutter schickte unseren Vater den Baum holen, aber nicht zu früh sonst nadelt er, und nicht so einen teuren; und die Diskussionen darüber, was für ein Baum, eine Blautanne, eine Fichte oder doch lieber eine Nordmann-Tanne, obwohl die doch viel teurer war.
Welche hält besser die trockene Luft aus und nadelt nicht zu sehr?
Wir Kinder bastelten zusammen mit der Großtante Weihnachtssterne aus Stroh, und überlegten uns, was das Christkind uns wohl bringen mochte: die gewünschte Puppe oder doch einen neuen Schlitten, und da waren ja noch die schönen Schuhe, und die Schleife für das Haar.
Na, und dann kamen endlich die Weihnachtsferien, dann konnte es nicht mehr lange dauern, und ehe man sich versah, kamen sie die besonders aufregenden Tage. Es wurde gebacken oder gekocht, überall in der Wohnung roch es nach Plätzchen und Gänsebraten.
Ja, es war heiliger Abend geworden. Mutter schickte mich noch schnell etwas Vergessenes ein zu kaufen. Überall hörte man die Wünsche für eine frohe Weihnacht und besinnliche Tage.
Vater und Mutter schmückten im Nachmittag den Weihnachtsbaum, eine Nordmann-Tanne ist es geworden. Während dessen beschäftige die Großtante uns mit aufräumen, oder dass wir in den frisch gefallenen Schnee spielen gehen sollten.
Am Abend gab es bei uns traditionsgemäß schlesische Weißwurst mit Kartoffelsalat; die Gans war für den ersten Weihnachtstag, dazu einen Schmorbraten, denn wir erwarteten Gäste; Muttis Familie kam wie in jedem Jahr.
Nach dem Essen mussten wir Kinder uns um das schmutzige Geschirr kümmern, und durften die Küche nicht verlassen. Erst als alles fertig aufgeräumt war, wurde die Tür geöffnet und wir erwarteten gespannt die leise beginnende Weihnachtsmusik, und das Glöckchen, das uns in das Wohnzimmer rief.
Die Türe öffnete sich und wie sahen wir erstaunt auf die hell brennenden Lichter am Tannenbaum und die wunderschön, in buntem Papier verpackten Geschenke. Erst ein Gedicht und dann ein Weihnachtslied mussten wir vortragen, dann erst durften wir die Geschenke auspacken.
Da fällt mir doch mein Lieblingsgedicht ein, das ich einmal für den Weihnachtsabend gelernt hatte:
"Von draus', vom Walde komm' ich her; ich muss euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein blitzen; und droben aus dem Himmelstor schaut mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so wandert durch finsteren Tann, spricht mich mit sanfter Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, " alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan, Alt und Junge sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn. Und morgen flieg ich hinab auf Erden, denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "Oh lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist; ich soll nur noch in diese Stadt, wo's eitel gute Kinder hat."
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier; denn Äpfel, Nüss' und Mandelkern fressen fromme Kinder gern."
"Hast auch die Rute, du bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute die ist hier! Doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht; so geh mit Gott mein treuer Knecht!"
"Von draus, vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's herinnen find! Sind's gute Kind, sind's böse Kind?"
…und riecht ihr es schon, den Duft nach Mandelplätzchen, Marzipan und Gänsebraten…und spürt ihr schon den Zauber, der sich langsam ausbreitet und von der bevorstehenden hohen Zeit spricht. Bald ist es wieder soweit…dauert gar nicht mehr lange und die Musik und auch das Glöckchen werden wieder erklingen.
In meinem Herzen ist es nie verstummt, weiß ich doch Christ ist geboren.
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