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Öfter mal was Neues

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 11.07.2018, 11:45 – geändert Mittwoch 11.07.2018, 11:49

Es soll ja Frauen geben, die gern zum Friseur gehen, Liese gehört nicht dazu. Allein der Geruch nach parfümierten Shampoos und Haarspray bereitet ihr Unwohlsein.. Aber manchmal ist es eben unumgänglich.

Also nichts wie hin, ehe sie es sich anders überlegt.

Ihre nicht gerade gute Laune scheint ihr Marion, die Friseurin, anzusehen, sie begrüßt Liese ohne jeden Enthusiasmus und deutet fast gelangweilt auf einen freien Stuhl.
„Wie immer?“ fragt sie routinemäßig und unterdrückt ein Gähnen.

„Nein, diesmal nicht“, hört Liese sich urplötzlich wild entschlossen sagen, „ heute will ich mal so richtig aus der Art schlagen. Streichholzkurz und saharablond bitte“. Marion ist regelrecht erschrocken wird aber schlagartig richtig munter.

Und sie tobt sich aus. Sie wäscht und frottiert, sie schnibbelt und pinselt, wäscht wieder und schnibbelt nach, was das Zeug hält. Liese wagt aus lauter Angst vor der eigenen Courage gar nicht, ihre Augen zu öffnen. Selbst beim Föhnen hält sie sie geschlossen.
Als Marion fertig ist, und Liese dann endlich in den Spiegel schaut, kriegt sie große Augen. DAS soll wirklich sie sein?
Beschwingt verlässt sie den Salon, nicht ohne Marion ein für ihre Verhältnisse fürstliches Trinkgeld zu hinterlassen, denn sie ist mit dem Ergebnis mehr als nur zufrieden.

„Hallo, schöne Frau, haben Sie heute schon was vor, oder darf ich Sie zum Essen einladen?“ fragt sie der Metzger, bei dem sie noch einkauft. Sonst hat er immer nur knapp Guten Tag, darf's auch etwas mehr sein und Auf Wiedersehen gesagt.

Der Bäcker nebenan, der Liese sonst auch immer ignoriert, bietet ihr seine Besuchercouch an, für den Fall, dass es nach seiner Einladung zu einem gemeinsamen Konzertbesuch später werden sollte.

Überwältigt verlässt Liese das Geschäft, natürlich nicht ohne draußen noch einmal staunend und wohlgefällig in die Schaufensterscheibe zu blicken.
Frohgemut setzt sie den Heimweg fort. Als die beiden Bauarbeiter, die gerade das Nachbarhaus verklinkern, anerkennend hinter ihr her pfeifen, winkt sie verwegen und übermütig zurück.

Lieses Nachbar, der gerade den Müll rausbringt, macht ihr einen Heiratsantrag und will die Flitterwochen mit ihr auf den Seychellen verbringen. Als Liese lächelnd und bedauernd ablehne, ist er untröstlich und droht, sich umzubringen.

Jetzt ist Liese aber mal gespannt auf die Reaktion ihres Liebsten. Bisher hat er ihre Friseurbesuche gar nicht bemerkt, ebenso wie ihr pubertierender Sohn, der, wenn sie erwähnte, dass sie beim Friseur war, sich allenfalls gelangweilt dazu herab ließ zu fragen: „Ach ja, und warum bist Du nicht drangekommen?“
Auf dem Weg in ihre Wohnung überlegt Liese schon mal, was sie denn diesmal auf diese Unverschämtheit antworten soll.

Und während der Liebste noch ungläubig schaut und sich in die Wange kneift, um sicher zu sein, dass er nicht träumt, sagt der Junior: „Horst, das kostet dich mindestens ein neues Fahrrad, damit ich Mama nicht erzähle, dass du eine neue Flamme hast.“

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