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Nur-Frau

Von tastifix Montag 27.04.2020, 12:56

Selbstverständlich weiß ich aus der biblischen Geschichte, dass wir bloß ein Mischmaschdrumherum um die siebente Rippe der Männer, jener wichtigsten Geschöpfe Gottes, sind. Nur ein Mischmaschdrumherum, aber ...

Immerhin wusste sich schon damals Eva im Paradies eine der gottgewollten Eigenschaften ihres Adams zunutze zu machen und wickelte ihn um den Finger. Adam war, wie die meisten Männer, ein Schleckermaul. Also pflückte Eva einen Apfel und hielt ihn dem Liebsten unter die Nase. Der ließ Gottes Vorschriften Vorschriften sein und genoss ihn ohne jegliche Bedenken wegen der deswegen zu erwartenden Strafe. Bestimmt hatte jenes ranghöchste Haupt der Schöpfung nicht ausreichend viele seiner zudem noch relativ ungenutzten grauen Zellen aktiviert, um zuvor zu überlegen, welche Folgen es für die Zukunft haben könnte.

Gottes Urteil war fürchterlich. Er verbannte die Beiden aus dem Paradies und sie hatten sich fortan auif der Erde zu plagen. Zudem bestimmte er noch etwas, was ihm die weibliche Hälfte seiner Geschöpfe im Laufe der Jahrhunderte im zunehmenden Maße verübelte: Wir Nur-Frauen sollten dem Mann gehorchen und hätten obendrein unter Schmerzen die Kinder zu gebären, derweil die Herren der Schöpfung nach Belieben kommandieren und sogar malträtieren durften. Außerdem bleiben alle wichtigen Entscheidungen allein ihnen vorbehalten. Uns stand kein Mitsprache- und erst recht kein Widerspruchsrecht zu.

Lange Zeit änderte sich daran kaum etwas. Endlich in der Antike tat sich was. Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet wir Nur-Frauen spannen die Fäden im Hintergrund. Einige von uns dirigierten sogar die Weltgeschichte als Geliebte der Herrscher und Könige. Und/oder bestiegen tatsächlich selber den Thron. Man gedenke Kleopatra, Königin von Ägypten (69-30 v.Chr.). Von ´das Weib sei dem Manne untertan` hielt die so gar nichts. Kommandierte so und so herum und letztendlich auch den armen Caesar.

Später im Mittelalter gewannen manche Burgfräuleins oder Prinzessinnen an Einfluss und reizten die Männerwelt so erfolgreich, dass jene daraufhin ganz besonders reizend war und infolge nach ihrer Pfeife tanzte. Die Herren der Schöpfung fielen nämlich auf die mannigfachen Tricks der Damenwelt nur zu gerne nur zu oft herein. So setzte das schwache Geschlecht sie auf so gar nicht schwache Weise konnte das schwache Geschlecht auf nicht ganz schwache oft mit ihrer Mithilfe sein Ziel verfolgen und die eigenen Vorstellungen von der Welt Wirklichkeit werden lassen.

Als Frau an der Spitze sei Elizabeth I (1533-1603), Königin von England, erwähnt. Die baute die anglikanische Kirche aus und bekämpfte mutig Katholiken und Puritaner. Doch zu ihrer Schande ließ sie sich dazu hinreißen, eine andere Frau, nämlich ihre Gegenspielerin Maria Stuart, umbringen zu lassen, nur weil Maria eine übermächtige Gegenreformation nach Schottland gebracht hatte, die dabei war, auf England überzugreifen.

Weiterhin kämpften wir Frauen energisch um die Gleichberechtigung, drängten uns immer mehr in den Vordergrund, nicht nur innerhalb des Hauses, sondern auch im öffentlichen Leben. Das Mehr an Gehirn, auf das die Männerwelt ja mit Vehemenz bestand, war wohl doch nicht ausschlaggebend für Intelligenz, Leistungsfähigkeit und daraus resultierendem Erfolg. Wir haben zwar weniger im Oberstübchen, aber das, was wir haben, wiegt anscheinend doppelt. Wieder einmal beweist sich:
„Nicht die Quantität macht`s, sondern die Qualität zählt!“
Dem möchte ich unbedingt zustimmen.

Heutzutage geben die Männer, zähneknirschend oder aber auch erstaunlich wohlwollend, zu, dass die Zeiten des schwachen Weibes endgültig vorbei sind. In allen Bereichen des öffentlichen Lebens lockern wir Frauen mit Charme das Arbeitsklima auf, bringen Frische und Strahlen in die muffigen Büros mit den noch muffigeren, weil missmutig scheinbar vor sich hin schuftenden Männern und beflügeln deren Geist. Die stürzen sich mit vermehrter Anstrengung in die Pflichten, um uns zu beweisen, dass sie uns aber zumindest doch noch das Wasser reichen können. Das Gegenteil würden sie nicht eingestehen, denn dies würde zu sehr an der Mannesehre kratzen. Denn wir Frasuen sind, was sie immer wieder gerne anführen, ja aus ihrer siebenten Rippe entstanden.

Tja, aber: Mittlerweile bekleiden wir Direktoren- und Ministerposten oder regieren sogar ein Königreich wie Elisabeth II in England. Und ernten deswegen tatsächlich sehr oft Anerkennung und Bewunderung von den Herren der Schöpfung. Die meisten haben nämlich endlich eingesehen, dass ihnen dadurch bestimmt deswegen kein Zacken aus der männlichen Krone verloren geht, ganz im Gegenteil.

Doch gibt es immer noch welche, die diese Entwicklung missbilligen, uns Frauen ziemlich irritiert beäugen, weil wir elegant und mehr oder weniger mühevoll die Karriereleiter hoch klettern. Eine siebente Rippe ... und so kess? Es schlägt in Missgunst um oder gar in Wut. Denn:
Die Nur-Frau avancierte zunächst zu Frau, dann noch
zur Sogar-Frau, steht nun überall ihren Mann und macht jenen Uneinsichtigen vielerorts die Führungsposten strittig. Nein, so nicht!

Die Supergeschöpfe Gottes sehen ihre Vormachtsstellung ernstlich bedroht und knurren sauer. Die Fronten verhärten sich. Sie, sie seien doch die Krone allen Seins. Vergeblich: Wir einstigen Nur-Frauen erweisen uns als taktisch äußerst klug und zudem ausgesprochen tüchtig. Und die Kinder bekommen wir auch noch so nebenbei!!

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