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Nun hält das müde Land verdiente Rast

Von Muehlbachhexe1 Freitag 30.11.2018, 19:49 – geändert Samstag 01.12.2018, 07:57

Mein Vater hat dieses Gedicht während seiner Internierung als Gleisarbeiter beim Bauzug 1947 geschrieben und ich finde es so schön und kraftvoll, dass ich es gerne teilen möchte:

Nun hält das müde Land verdiente Last
der Rauhreif glitzert an den Leitungsdrähten
und schweigend trägt der Wald die weiße Last
der Weg wird mühsam in den Schnee getreten.

Wir schreiten Mann an Mann mit schwerem Gang
ein jeder sucht des Anderen tiefe Spuren,
es mahnet hell uns Kirchenglockenklang
von irgendwo, aus den verschneiten Fluren.

Im Schnee geborgen ruht die junge Saat,
sie träumt von Lenz und Licht und heißen Tagen,
von Sensenklang bei sommerlicher Mahd,
von vollbelad`nen Erntewagen.

Vom Sturm zersplittert ragt ein Fichtenstamm,
umkreist von einer Schar verscheuchter Dohlen,
wir stehen tief gebeugt am Schienenstrang
zieh`n aus dem Schnee die schweren Eichenbohlen.

Nun fällt das Licht bezaubernd in den Schnee
es blitzt und flimmert auf der Sonnenseite,
hoch aus dem Forste bricht ein hungernd Reh,
verharrt- und füchtet rasch dann in die Weite.

Wir steh`n in harter Fron am Schienenstrang
es dröhnt durchs Tal vom harten Hammerschlage,
doch in dem wechselvollen Arbeitsgang
entflieh`n die Stunden rasch ins Grau der Tage.

Nun hält das müde Land verdiente Rast,
es spendet noch im Schlummer Kraft und Segen
und schweigend trägt der Wald die weiße Last
im Dämmer leis, der dunklen Nacht entgegen.

(Autor: Hans Heuschneider) Muehlbachhexe1

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