Nikolaus so hieß er wirklich
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Feierabend-Mitglied
Samstag 16.12.2017, 18:21
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Nikolaus versorgte mit seinen Weihnachtsbäumen noch die letzten Häuser der Fünfhundertseelengemeinde und Umgebung. Tagelang war er bewaffnet mit Axt und Säge durch den verschneiten Winterwald gestapft. Er lebte von dem Verkauf der Nadelbäume und gehörte zu dem Ort, wie die Kirche zum Dorf. Wenn er seine rote, verbeulte Pudelmütze aufsetzte, begann die Weihnachtszeit. Mit dabei sein treuer trotteliger Hund, der nur in der Wintersaison zum Einsatz kam und jeden Schneemann mutig anbellte. Die übrige zeit verbrachte Harry, so hieß der Hund, nur fressend und schlafend. Mit der Zeit ähnelte er eher einer dicken, runden Kugel. Harry bewachte nicht Haus und Hof, was er eigentlich tun sollte. Sondern wenn es an der Tür läutete, verschwand er plötzlich blitzschnell unter dem Bett und blieb dort, bis ihn der Hunger übermannte. Heut pfiff der Wind heftig beißend durch die Straßen. Gegen die durchdringende Kälte half nur noch heißer Glühwein, den Nicolaus den ganzen tag über trank. Natürlich als Jägertee getarnt. Mit seinen 1,90 Meter Größe überragte er fast alle seine Bäume Schaut sie also von oben herab an und nach diesem Prinzip verkaufte er sie auch. Die gerade Spitze war ihm das Wichtigste. War eine Seite nicht so dicht bewachsen so war das ein Baum für die Ecke. Fehlten unten herum ein Paar Zeige, dann passten die Geschenke besser drunter. Kein Baum war zu dicht, zu dünn oder schief. Und hatte gar ein Reh daran geknabbert, dann war das ein Glücksbaum, für den er sogar mehr verlangen könnte, wenn er denn wollte. Mit dieser Taktik brachte er jeden Baum an den Mann oder die Frau. Bis auf einen den keiner haben wollte. Müde stapfte er mit dem krakeligen Gewächs auf seinem Schlitten, durch den tiefen Schnee nach Hause zu seiner lieben Frau. Jahre wieder bekam sie den, der alle Makel in sich vereinte. sie hatte sich schon daran gewöhnt und mit viel Geschick dekorierte sie alle Unebenheiten weg.Mit Kugeln in allen Farben, glitzernden Engelchen, Strohsternen und kleinen Glöckchen, die liebte sie besonders. die gaben dem Fest eine besondere Sensibilität, sagte sie jedes Jahr zu ihrem Mann. Da geschah es. Etwas hatte den Harry aus seinen Träumen gerissen. Waren es die Kirchenglocken, die das Weihnachtsfest einläuteten? Sichtlich verwirrt torkelte er ins Wohnzimmer, Richtung Tannenbaum. Das glänzende Gebilde, das da so rumstand, kam ihm nicht ganz geheuer vor. er umrundete den Baum zweimal und brachte ihn schließlich mit jämmerlichem Geheul zu Fall. Plötzlich war es mucksmäuschen still, so wie es am Heiligen Abend auch sein sollte. Nur einzelne Glöckchen schlugen leise klingend aneinander. Harry, voller funkelnden Lametta, glänzte jetzt wie der Weihnachtsbaum. sprachlos staunte Nicolaus über die Bescherung, die ja keine war. Und die liebe Ehefrau war den ganzen Abend damit beschäftigt, die heftigen Wiederstand leistendenden Nadeln aus dem altersmäßig verfilzten Fell zu puhlen. Draußen wirbelten die Schneeflocken unbekümmert weiter, als wäre nichts geschehen. Das Weinnachtsfest konnte also beginnen.