Nie mehr allein
Von
tastifix
Montag 04.01.2021, 12:51
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
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tastifix
Montag 04.01.2021, 12:51
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Zitternd vor Kälte guckt Hase Hoppel mürrisch über die weite Wiese bis zum Wald und dann hinauf zu den Bäumen am Hang. Auf den Pflanzen am Boden und genauso über den Zweigen in der Höhe liegt ein hauchdünner, im gleißenden Sonnenlicht strahlend weiß glitzernder Schleier.
„Gestern hats ganz feste geregnet, nachts wars dann bitterkalt und all das Wasser ist zu Eis geworden.“
Damit ihm die Pfoten nicht abfrieren, hopst Hoppel in hohen Sprüngen bis zu seinem Lieblingsbaum am Waldrand. Der hat ihn während des heißen Sommers mit der prächtigen Laubkrone immer vor der sengenden Sonne geschützt. Völlig außer Atem lehnt sich Hoppel gegen den Stamm.
„Puuh, war das anstrengend. - Ach, selbst das Hopsen ist langweilig so alleine!“
Auf einmal vernimmt er eine zarte Stimme, so hell wie eine Glocke.
„He, du da unten!“
Die Löffel spitzend lugt Hoppel forschend umher, entdeckt jedoch niemanden. Schon will er die Suche aufgeben, als er zufällig auf einen Zweig guckt, der direkt über seinem Kopf hängt.
´Dort bewegt sich etwas!`
Aufgeregt trommelt er mit den Pfoten auf dem Boden herum.
„Halloo! Ich sitz` vorne an der Zweigspitze. - Siehst du mich jetzt?“
Der Hase erspäht ein winziges Etwas, das im leichten Wind hin- und her schaukelt. Es ist genauso weiß wie all das Weiß ringsherum.
„Überrascht, wiiee?“
„Bist Du ... etwa ein Eiskristall?“
„Erraten! Und Du ein Hase, ja?“
„Stimmt, ich wohne hier auf der Wiese! - Hast Du auch einen Namen?“
„Ich werde Blinky gerufen.“
„Und ich heiße Hoppel.“
„Und was machst Du so den ganzen Tag, Blinky?“
„Machen?? Ein Raureifkristall zu sein ist schrecklich langweilig! Immer nur hier zu sitzen und weiter gar nichts unternehmen zu können ...“
„Hm!“, meint Hoppel. „Ohne Spielkameraden ist es hier unten genauso blöd!“
Die Beiden mustern sich nachdenklich. Plötzlich hat der Hasen eine Idee:
„Blinky, ich weiß was. Au ja, das wird spannend!“
„Was denn?“
„Wir wandern gemeinsam durch die Welt!“
„Kannste vergessen, Hoppel. Ich kann hier nicht weg!“
„Das denkst aber nur Du ... !“
Der Hase streicht mit seinem Maul über die Zweigspitze. Im nächsten Moment sitzt das Eiskristall in Hoppels Fell und friert sofort an einem der Haare fest.
„Klirr, ist das toll. Endlich mal runter von dem doofen Ast!“
Sie überlegen, wo die Reise hin gehen soll. Warme Gegenden kommen nicht in Frage, denn dort würde Blinky sofort schmelzen. Also entscheiden sie sich für den langen Marsch ins Gebirge. Weil Blinky bislang ja nur Hoppels Wiese und die umstehenden Bäume gekannt hat, fragt es dem Hasen unterwegs regelrechte Löcher in den Bauch.
„Was ist das denn? Kann man damit was machen?“
Hoppel erklärt und erklärt geduldig. Zudem erzählt er dem staunenden Blinky von seinen Abenteuern als Hasenkind, als er noch bei den Eltern und Geschwistern gelebt hat. Darunter ist auch viel Lustiges und die Zwei kichern oft.
Je höher sie kommen, umso kälter wird es und umso wohler fühlt sich das Eiskristall. Bald schlängelt sich der Wanderweg steil am Berg entlang.
„Hoffentlich haben wir die Kletterei bald hinter uns!“, schnauft Hoppel.
Wieder biegen sie wie so oft um eine Kurve. Diesmal aber finden sie sich auf einer abgelegenen Bergwiese wieder, auf der sie auch einen kleinen Teich entdecken. Ringsumher an den Hängen wachsen vereinzelte Buschgruppen.
„Schön ist es hier!“, meint Hoppel.
„Aber bald wird es Frühling und wärmer. Was wird dann aus mir?“, fragt Blinky bange.
„Keine Angst!“, lacht Hoppel. „Wir steigen noch weiter hoch bis zu den Büschen dort droben. Da liegt immer Schnee und dort gibt es bestimmt einen gemütlichen Platz für dich."
Der Vorschlag gefällt Blinky. Doch dann klirrt es traurig:
„Ohne Dich werde ich mich wieder sehr allein fühlen!“
Hoppel blickt Blinky lieb an:
„Nein, wirst Du nicht! Ich lass Dich nicht im Stich, sondern werd` Dich jeden Tag besuchen!“
Das Eiskristall strahlt.
Auf Blinky wartet ein glückliches Dasein im ewigen Eis und Hoppel darf sogar einen eigenen Teich sein Eigen nennen. Und sie haben einander, denn sie sind Freunde geworden. Beide werden nie mehr einsam sein.