Nein, wie munter wir doch plötzlich wurden ...
Von
tastifix
Montag 13.04.2020, 11:46
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tastifix
Montag 13.04.2020, 11:46
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Haben Sie gleich mir im heißesten Hochsommer Kinder geboren, ja?? Na, dann wissen Sie ja, wie wahrlich erholsam die Erholung in den Tagen danach bei über dreißig Grad Hitze in einem Krankenzimmer direkt unterm Dach ist.
Wir, meine Mitpatientin und ich, ersticken fast.
„Ist ja nicht mehr auszuhalten!", stöhnt Frau M.
„Eine Zumutung!", bekräftige ich, klettere aus dem Bett und reiße das Fenster weit auf. „Gleich wird`s hier kühler!"
Zu früh gefreut, denn draußen weht kein Lüftchen, kein einziges Blatt rührt sich.
Aufseufzend legen wir uns zum Mittagsschlaf hin. Die Ruhe währt knappe fünf Minuten, dann wird es ausgesprochen unruhig. Ich vernehme nämlich etwas, was mir gar nicht gefällt und Frau M. genauso wenig.
„Haben Sie es auch gehört?", forscht sie verunsichert.
Ja, und deshalb sind wir beide binnen einer Sekunde überhaupt nicht mehr träge, sondern so aufmerksam wie noch nie in den letzten Tagen.
„Vielleicht kommt es ja von draußen?", schlage ich hoffend vor.
Diese Hoffnung ist leider total fehl am Platze, denn die Ursache für jenes Geräusch befindet sich eindeutig in unserem Zimmer.
„Eigenartig!"
Angespannt lauschen wir. Plötzlich herrscht Stille. Eine Stille, die uns mitnichten beruhigt, sondern noch mehr alarmiert. Irgendetwas ist da, aber was und wo?
„Mir wird`s zu bunt! Ich guck nach!!"
Entschlossen krabbele ich bereits zum zweiten Male aus dem Bett und durchforste den ganzen Raum. Selbst unter den beiden Betten suche ich - nichts. Bestimmt sehe ich aus wie eine Witzfigur, so im Nachthemd und auf allen Vieren herum kriechend. Es stört mich nicht die Bohne, die Ungewissheit treibt mich weiter.
„Hoffentlich platzt nicht gerade jetzt eine Schwester und gar der Chefarzt rein!"
Wir stellen uns die Szene vor: Vor deren Augen eine aufgelöste Patientin im Nachtpolter halb unterm Bett ...
Wir lachen.
Doch plötzlich gar nicht mehr. Aus dem Nebenbett quietscht es entsetzt. Prompt zucke ich ebenso entsetzt zusammen.
„Was i..ist ... ?", schicke ich eine Etage höher und linse vorsichtshalber hin.
Frau M. sitzt kerzengerade mit vor Panik weit aufgerissenen Augen in ihrem Bett, mit der einen Hand die Decke umklammernd, mit der anderen zitternd auf den Schrank deutend.
„Dahaah!!", haucht sie.
Ihrer Mimik nach zu urteilen, fällt dort etwas Schreckliches vor und sie, unternehme ich nicht sofort etwas zu ihrer, nein, zu unserer Rettung, gleich in Ohnmacht.
Die nur halb angelehnte Schranktür gibt ihr Geheimnis preis, welches mich noch munterer werden als ohnehin schon, nämlich dermaßen lebhaft, wie ich es mir unter den bestehenden Rekonvaleszenz-Umständen niemals zu erträumen gewagt hätte. Jetzt quiekt es nicht mehr länger allein aus dem Nebenbett, sondern ich beteilige mich daran nach besten Kräften.
„Hab` gar nicht gewusst, dass ich das so toll kann!", denke ich noch und dann nicht mehr allzu viel.
Die Panik hält uns bestens im Griff. Wir sind keiner vernünftigen Überlegung mehr fähig. Um die Wette kreischen wir das ganze Krankenhaus zusammen:
„H..Hiillfe!!"
Unser Gebrüll bringt die gesamte Station in Aufruhr. Fast gleichzeitig stürzen drei Schwestern ins Zimmer und bleiben dann bei unserem Anblick wie angewurzelt stehen. Aus Höflichkeit bemühen sie sich um Fassung, was aber zum Scheitern verurteilt ist. Ihnen bietet sich ein Bild für die Götter: Die eine Patientin hockt angstschlotternd auf dem Boden vor ihrem Bett, die andere ebenso furchtzitternd mit einem Gesicht, als ob soeben ihr der Leibhaftige selber begegnet wäre, im Schneidersitz auf dem ihrigen.
„Haben Sie Schmerzen?", folgt die besorgte, unter mühsam unterdrücktem Lachen vorgebrachte Frage.
Denn offiziell zählen wir ja zu den Kranken. Dagegen benehmen wir uns alles andere als krank, was wir ja just mit erstaunlicher Lebhaftigkeit mehr als eindrücklich beweisen.
„Neeiin!", antworteten wir mit letzter Kraft. „Aber dahaah ... !!"
Wir seelischen Zwillinge strecken beide gleichzeitig unseren anklagenden Zeigefinger gen Schrankwand und versuchen verzweifelt, den dunklen Flecken, der sich dort abzeichnet, per Blick zu hypnotisieren, damit er sich ja nicht von der Stelle rühren soll.
„Ach, wenn`s weiter nichts ist ... Ist ja bloß eine kleine Motte!!", lacht eine der Schwestern, fängt den großen braunen Uhu mit bloßen Händen und befördert ihn mitleidig nach draußen.