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Nachtschicht

Von Muehlbachhexe1 Mittwoch 16.01.2019, 22:48 – geändert 03.02.2019, 19:24

Auf den Tag genau vor 70 Jahren, hat mein Vater, ein heimatvertriebener Bauer und nach dem Krieg ein paar Jahre bei der Eisenbahn als Schwellenleger arbeitend, dieses Gedicht verfasst.

Kühl steigen die Nebel aus einsamen Talen
der Tag ist verklommen im blutroten Schein.
Die Ruhe verachtend, mit Warnungssignalen,
fährt eilends der Zug in die Nacht hinein.

Am Ziele. Es weichen die nächtlichen Schatten,
dem taghell flutenden Scheinwerferlicht.
In Erde und Stein greifen knirschen die Spaten,
die Männer beginnen die nächtliche Schicht.

Ganz nahe fließt murmelnd ein Bach durch die Wiesen,
nun hebt sich des Mondes schimmerndes Rad.
Der Kirchturm, gleich eines wachenden Riesen,
ragt hoch inmitten der schlummernden Stadt.

Das Echo hallt wider aus nachtdunklem Grunde,
als ob es die Geister zu Hilfe rief.
Doch alle sind eins und meistern die Stunde,
die sehnigen Arme eisern am Griff.

Die Zangen heben mit greifenden Zähnen,
die schwankende Last und legen sie.
Der Motor brummt und die Schläge dröhnen
vereint zu gewaltiger Symphonie.

Im Rhythmus der Arbeit verschwinden die Schranken,
die ganze Kolonne ein Körper, ein Hirn,
das gemeinsame Ziel- die gleichen Gedanken-
und der Nachtwind nimmt kühlend den Schweiß von der Stirn.

Sie halten durch bis zum letzten Schlage,
in nimmermüdem, rastlosen Fleiß,
dann kehren sie heim und am frühen Tage
fährt brausend der Zug übers neue Gleis.

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