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Motte Möttchen

Von tastifix Dienstag 18.07.2023, 07:46 – geändert Dienstag 18.07.2023, 08:00

„Wow, bin ich hübsch!“
Motte Möttchen war gerade erst zu einer richtigen Motte geworden. Aber nicht zu einem fetten braunen Uhu, sondern sie war winzig und toll schlank.
„Cool!“
Stolz musterte sie ihre grazilen, fast durchsichtigen Flügel.
„Jetzt guck ich mir die Welt an!“
Möttchen flatterte los, übers weite Feld und die Wiese bis zur nahe gelegenen Menschenstadt. Ja, die war ihr Ziel. Sie wusste nämlich, dass es dort mehr als genügend Futter für solch kleine Motten wie sie gab. Mehr, als sie in ihrem kurzen Leben würde fressen können.
„Ich muss nur nen bisschen vorsichtig sein! - Also: Wer nichts wagt, gewinnt nix!"
Sie war eben eine recht kesse kleine Motte.

Eine kurze Weile später schon flatterte sie durchs geöffnete Fenster eines Hauses in ein Zimmer, sah sich um und entdeckte denn auch die ersehnte Mottenspeisekammer. Sie war extrem groß ausgefallen.
„Wer die Wahl hat, hat die Qual!“
Ausnahmsweise gefiel Möttchen die Aussicht, sich denn quälen zu müssen, sehr.

Möttchen hörte Schritte und versteckte sich rasch im Buchregal. Gespannt wartete sie ab, was wohl passieren würde. Ein junges Mädchen betrat den Raum. Es war fast so hübsch gekleidet wie Möttchen - nur ohne Flügel und nach Menschenmode.
„Oh, lecker sieht deren Fell aus. Ob sie wohl gleich zur Vorratskammer geht?“
Begeistert schaute Möttchen dann zu, wie das Mädchen deren Tür öffnrte.
„Ooh!“
Soviel schickes Futter auf einmal hatte Möttchen noch nie gesehen.
„Muss dann aufpassen, dass ich nicht zu dick werde!“
Motten besitzen ja leider, anders als die Menschen, keine Handys. Sonst hätte Möttchen ihre Kameradinnen daheim zu einer Fressparty eingeladen.

Das Mädchen entschied sich für ein weit schwingendes Kleid.
„So gefall` ich ihm bestimmt, wenn wir gleich tanzen!“
´Tanzen!?`, dachte Möttchen.´Au ja, das machen wir Motten auch so gerne. Am liebsten immer un helle Lampen ´rum! - Müssen wir nur aufpassen, dass wir uns die Flügel nicht ansengen!"

Das junge Mädchen guckte derweil, kurz vor sich hin träumend, in den Spiegel. Dann verließ es munter trällernd das Zimmer. Die Schranktür zuzuklappen, hatte es vergessen.
„Na, jetzt schlag mir den Bauch voll!“
Möttchen flog hinein und prüfte das Angebot.
„Schmatz, alles aus leckerer Baumwolle und Wolle!“
Besonders schick fand Möttchen eine Bluse mit schönen Lochmustern.
„Hihi! Da fällts gar nicht auf, wenn da gleich noch mehr Löcher drin sind. Echt praktisch!!“
Sie begann zu fressen und bald sah man auf fast genauso viele Löcher wie Stoff.
„Mehr, noooch mehr … !!“

Möttchen vergaß alle Vorsicht und futterte drauflos. Aber so vollgefressen konnte sie nicht mehr weg flattern. Ermattet blieb sie unter dem Kragen hocken, denn selbst das Krabbeln strengte nun zu sehr an.
„Mist!“
Immer lauter klopfte das winzige Mottenherz. Allerdings nicht mehr vor Wonne. Erstens war ihr inzwischen arg übel und außerdem bekam sie Angst.
„Ob ich hier je wieder raus komme?“
Es war ja niemand da, der ihr hätte helfen können.

Spätabends kam das Mädchen zurück. Es war wohl ein tolles Treffen gewesen, es strahlte. Fröhlich streifte es den Schlafanzug über und wollte das schöne Kleid in den Schrank zurück hängen. Im nächsten Moment entdeckte es das Malheur. Ausgerechnet ihre Lieblingsbluse hatte es erwischt.
„Mamaaa ...“
Die Mutter eilte erschrocken herbei.
„Mama, guck` mal, meine Bluse! - War bestimmt ne Motte!!“
„Da sitzt sie ja, unterm Kragen!“
„Igitt!!“
Eigentlich liebten diese beiden Menschen Tiere, aber die Wut und der Ekel überwogen. Es ging sehr schnell. Möttchen bezahlte ihren Übermut mit dem Leben.

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