Mode von damals.
Von
Fiddigeigei
Freitag 27.09.2019, 12:07
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Fiddigeigei
Freitag 27.09.2019, 12:07
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Ich setze damit die Geschichte mit dem Hut aus Krepp- Papier von Andrea mit einem weiteren improvisierten Kleidungsstück der Damenwelt von damals fort.
Eine Geschichte, die von Lederhosen, Strümpfen und Nylons handelt!
Wir wohnten damals-es ist schon lange her- in einem uralten Haus, welches 3 Stockwerke hoch war. Für uns Kinder gab es dort eine einmalige Riesenrutsche. Das antike Geländer im Treppenhaus war mindestens 30cm breit und lud uns zur unbeschwerten Abfahrten ein.
Morgens , ob zur Schule, oder nachmittags zum Spielen, das Geländer bot die schnellste Art um in Sekundenschnelle an der Haupteingangstüre zu landen.
Natürlich war das strengstens untersagt, aber wir haben uns einen Teufel darum geschert.
Die Jungs, oder die Lausbuebe wie wir genannt wurden hatten werktäglich eine so genannte Seppel- Hose an. Das war eine kurze Lederhose, aus denen wie während und nach der Kriegszeit üblich, mangels fehlender Fressalien zwei sehnige Bubenbeine herausragten( Mc Donald gabs noch nicht) . Die Füße waren ohne Schuhe und abgehärtet.
Gerne bestrich ich meinen Lederhosenboden noch mit Talk oder Melkfett ein, und mit Hilfe dieses frühen Dopingmittels konnte ich meine Rutschgeschwindigkeiten so steigern, dass ich bei meinen Kameraden bereits zu einer Boblegende avisierte.
Im Winter, wenn es gar nicht mehr anders möglich schien mussten wir der mütterlichen Sorgen gehorchend, lange Strümpfe anlegen. Diese selbstgestrickten Folterinstrument kratzten fürchterlich und was noch schlimmer war man trug eine Art von Strumpfhalter, an die dann mit Hilfe zweier Strapsbänder die Selbstgestrickten daran hinter sollten zu rutschen. Bei manchen Kameraden wurde die Halterung einfach mittels Einmachgummi gelöst.
Aber schlimmer noch war die Demütigung die man durch diese Beinkleidung erdulden musste. Die Mädchen kichernden, wenn sie uns so sahen, denn bei ihnen war das alles verdeckt durch die damals züchtigen langen Kleidchen bzw. Kittelschürzen.
Was uns Männer heute beim Anblick eines Damenbeines, welches mit Nylons bekleidet und diese wiederum durch romantische Strapse gehalten werden, mit Verzückungen erfüllt und in den Wahnsinn treibt (Der Blaue Engel mit Marlene Dietrich), war diese Beinbedeckung für uns damals ein absoluter Supergau.
Deshalb war unsere erste Amtshandlung- sobald wir aus dem Blickfeld der Mütter waren: Strümpfe runter rollen und wenn wir noch so bibberten! Blöd wars aber immer noch, da die Strapse sichtbar aus der Lederhose bammelten. Die Einmachgummiträger hatten es da viel besser.
Damals in der nylonlosen Zeit hatte die Damenwelt riesige Probleme an solche durchsichtigen und doch verhüllenden zarten Gebilde zu kommen. Wir lebten in der Französischen Besatzungszone und da sah es mit Nylons verdammt mau aus.
Meine Mutter und ihr Kaffekränzchen- Zichorienkaffee mit gerösteten Eicheln aufgepeppt gabs- wussten sich zu helfen. Eines Tages kam eine der Freundinnen mit einem Fläschchen an, in dem sich ein Gebräu aus eingekochten Walnussschalen befand.
Wir Gofen (Kinder) wurden vor die Türe geschickt um zu melden, sollten sich Wesen männlichen Geschlechtes nähern. Die jungen Frauen schmierten sich die Füße und die Beine bis zum Ende der selben mit der Walnusslösung ein. Danach zog eine, die eine besonders ruhigen Hand hatte die Naht mit einem schwarzen Stift auf die abgetönte Haut.
Dank meines jungendlichen Alters konnte ich die Wirkung dieser Walnussnylons auf die Physis der Männerwelt nicht nachvollziehen und es ist mir auch nicht klar, was bei einer Waschung der so bemalten Beine passierte.
Später dann als es Nylons gab ( Sie waren noch sehr teuer) , prüften die Damen bei ihren Freunden zuerst die Rauheit der Hände. Denn, wenn man eine Laufmasche erzeugte, bekam man den Laufpass.
Nylon Strumpfhosen sind doof !
Carlos
Grusslos!