Mir fällt gerade ein...
Von
Rilo59
Samstag 10.11.2018, 18:02
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Rilo59
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Der zugefrorene Bombenweiher.
Ich war damals glaube ich 11 oder 12 Jahre alt. Seit ein paar Tagen war es frostig kalt
und meine handschuhlosen Hände froren erbärmlich, als ich mit der um die Schulter hängenden Zeitungstasche zu meinen Kunden unterwegs war, um ihnen die Siegener Zeitung zu bringen. Den größten Teil hatte ich schon verteilt und es war so gegen 16:00 Uhr, als ich an den mit Wasser gefüllten Bombenweiher kam, der am Rande von Altenseelbach lag. Da wir, wie schon erwähnt, Winter hatten, war der Tümpel zugefroren, was mich zu einer Rutschpartie animierte.
Die Zeitungstasche um die Schulter hängend, holte ich Anlauf, um rutschend die Mitte des Tümpels zu erreichen. Während des rutschens wackelte das Eis schon sehr verdächtig und als ich zum Stehen kam, hörte ich zuerst ein leises Knirschen, was sehr schnell an Lautstärke zunahm. Ich hielt krampfhaft die Luft an, musste aber feststellen, dass das nichts nutzte, denn das Eis begann zu schaukeln und dann ging es abwärts und Sekunden später stand ich bis fast zum Bauchnabel in eiskaltem Wasser.
Das Schlimme an der ganzen Chose war, dass die Zeitungen nun alle pitschenass waren, denn die Tasche war fast ganz im Wasser verschwunden. Mich packte das kalte Grausen, denn meine Kunden warteten schon seit langem ungeduldig auf ihre Lektüre.
Ich muss noch erwähnen, das ich die Eisschicht, die Gott sei dank nicht so dick war, mit der Faust kaputtschlagen musste, um wieder ans Ufer zu kommen.
Ich bin dann erbärmlich frierend und bibbernd mit der nun ungemein schwereren Tasche zu meiner etwa 500 m entfernt wohnenden Oma getrottet und habe ihr meine Geschichte erzählt. Keiner hatte soviel Verständnis für meine Missetaten, wie meine liebe Oma, die Emma hies. Wir haben dann die Zeitungen vorsichtig aus der Tasche genommen und auseinandergefaltet. Die einzelnen Blätter hingen dann eine weile später kreuz und quer auf der Wäscheleine in der Küche. Auch meine Hose, Hemd, Unterhose, Socken und Pullover hingen auf der Wäscheleine. In einer Decke eingewickelt, auf dem Sofa neben dem Ofen sitzend, warteten wir darauf, dass die Blätter endlich trocken waren. Im Gleichklang der über dem Sofa hängenden großen Pendeluhr, tickten die Sekunden dahin und reihten sich zu Minuten und Stunden. Das Feuer im Ofen knisterte vor sich hin, als Oma einen Ofenring von der Herdplatte entfernte. Sofort verbreitete der Feuerschein ein herrliches Lichtspiel und tauchte die Küche in ein flackerndes warmes Licht. Derweil waren die ersten Kunden, schon leicht erbost, bei meinen Eltern vorstellig, um zu fragen, wo denn die Zeitung bliebe. Meine Eltern konnten keine Antwort geben, denn sie wussten ja von nichts. In Omas Küche waren mittlerweile sämtliche Fensterscheiben beschlagen, was darauf hindeutete, das der Trockenvorgang Fortschritte machte. Ein oder zwei Stunden später waren die Zeitungsblätter tatsächlich trocken, auch wenn sie, weil nun wellig nicht mehr ganz so gut aussahen. Zum Glück hatten die Blätter Seitennummern, was beim Zusammenlegen sehr hilfreich war. So wurde Zeitung für Zeitung wieder zusammengelegt und man kann sich vorstellen, dass die Lektüre nun um ein vielfaches dicker war als vorher.
Als wir es dann doch geschafft hatten sie wieder in die nun auch trockene Tasche zu packen und es draußen nun schon dunkel war, zog ich los, um dem Rest meiner Kunden die längst überfälligen Zeitungen zu bringen.
Man kann sich sicher vorstellen, was ich einen Tag später zu hören bekam und den betroffenen Kunden erzählen musste, wie es zu den welligen Zeitungen gekommen war. Gott sei Dank hatte ich bei den meisten Kunden einen Stein im Brett und so hat man mir meinen Fauxpas schnell verziehen.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!