Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

8 9

Meine Winterreise : Die Rettung und Teil IV

Von Jungfrau75 07.06.2020, 11:29 – geändert Donnerstag 11.06.2020, 17:03

Ja, ganz allein im spanischen Krankenhaus, sich in keiner Weise verständigen können, nicht wissen, was sie mit einem gemacht haben, Schmerzen und Schmerzmittel, völlig veränderte Lebensgewohnheiten...
Das war schon ein "Hammer", doch die "Rettung" nahte - von unerwarteter Seite !
Als ich noch unglücklich aufgrund der verworrenen Situation nach Lösungen suchte - mit einem uralten Rollator war das Toilettenproblem immerhin gelöst : ich brauchte nicht auf den "Schieber" zu warten und die mehr oder minder vergrällte Schwester, sondern konnte selber gehen - welch ein Glück !

Nach der ersten Zeit "strenger Bettruhe"- sonst heilt der Schnitt nicht !(immerhin 30 cm lang)! - durfte ich nun langsam über die Toilette hinaus auf dem Flur spazieren gehen - etwas anstößig mit manchmal entblößtem Hintern, hatte ja ein OP-Hemd an, was wie das tägliche gründliche Waschen von Kopf bis Fuß, Bettwäsche-Wechsel und nach Verlangen sogar Schüssel zum Zähneputzen, täglich gewechselt wurde - grinste ich auch die Schwestern an, die sich ein Lachen oft nicht verbeißen konnten !
Ja, mit meinem schiefen Bein (OP-Folge und durch Luxationen verstärkt) und witziger Bekleidung, dazu noch meine rote Jacke um die Taille geschlungen, war ich sicher ein Anblick zum Kichern, wie ich da mühsam den Flur entlangstakte ...
Und dann das Essen...Spätes Frühstück : ein Becher Kaffee, ein weißes Brötchen, was ich gegen einen schlappen Mehrkorntoast tauschte, weil meine Zähne (nur noch einer zum Beißen!) nach der Narkose-Behandlung noch nicht kleinkriegten, Marmelade, Butter...
Mittags warm , Fisch oder Fleisch, mit Gemüse und Soße, und umgekehrt abends nochmal, was ich meistens nicht so runterkriegte, aber schmackhaft und auf jeden Fall genug !
Alles gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht ! Gewischt wurde auch jeden Tag, und bis auf einzelne Male auch gekommen, wenn ich klingelte - natürlich nie ohne Grund !
Ein Corona-Test am Anfang, man wußte ,da, woher ich kam, gab es so gut wie keine Fälle ! In ein paar Tagen sollte ich entlassen werden...
Um dann mit meinem Freund die Tour per Auto nach Deutschland anzutreten...

Da kam die Rettung ganz unerwartet !
Meine Kinder (immerhin 6) hatten sich zu einem "Chat" zusammengeschlossen und beratschlagt, wie man dieser verrückten und verunglückten Mutter helfen könnte !
Ein Schwiegersohn fand die Lösung : über die Krankenkasse können Privat-Patienten mit einem kleinen Jet von Spanien nach Deutschland "rückgeholt" werden, selbstverständlich von Krankenhaus zu Krankenhaus, um dort eine angemessenere und bessere medizinische Versorgung zu bekommen !
Ich wollte in die Endo-Klinik in Hamburg, die mich nach meinen OPs (künstliche Hüftgelenke) seit 20 Jahren betreute.
Nach einem spektakulären Flug landeten wir auf dem Flughafen (Wartezeiten bei Ab- und Anflug ca 2 Stunden!) und nach längerer Zeit (meine "Crew von Betreuer und 2 Piloten mußte warten und konnte nicht nach Köln zurück!) wurde ich wie auch bisher liegend im "Service-Wagen" bis zum Krankenhaus gebracht ! Mit den netten jungen Männern hatte ich viel Spaß !
Es war nicht die verlangte Endo-Klinik !
Natürlich protestierte ich, kramte alle Argumente heraus und drohte : "Ich pinkele Euch den Wagen voll, habe es seit dem Morgen nicht gekonnt!" - nützte nichts, ich würde nur von der in Altona gebauten "Asklepius"-Klinik aufgenommen, aufgrund von...eine Begründung hörte ich auch vom Chefarzt am nächsten Tag nicht !
Später erfuhr ich, dass das vom "OP-Stau" von 300 Patienten gebeutelte Endo-Krankenhaus sich geweigert hatte, mich möglichen Infektionsherd ("Corona"!) aus Spanien aufzunehmen !
Das merkte ich sofort auch in diesem Krankenhaus : welche Gnade, mich aufzunehmen und wieder Wartezeit...bis ich die Toilette anmahnte...alles nur, weil ich ja Privatpatientin war...
Corona- Tests ohne Ende (insgesamt 5mal), und nicht so liebevoll wie im Fernsehen ("Ja, der Würgereiz muss sein, ist ja auch in ihrem Interesse!") und meine Nase zum Bluten gebracht...
Dann bezog ich auch mein Zimmer - immerhin in der "Privarabteilung und Einbett- ").Auch wenn ich darauf aufmerksam machte, dass ich nur 2-Bett-Zimmer in meiner Kassen-Vereinbarung hätte...ich dachte dann, wegen Corona...Leider ein Irrtum !
Kein Essen (war ja nach 19 Uhr!), wie gut, dass ich meinen netten "Flug-Begleiter" um das zweite Brötchen gebeten hatte, eigentlich seins, aber er war am Abnehmen!, und genügend Wasser hatte er mir auch gegeben,mein Mund war völlig ausgetrocknet (hatte zu viel geredet). Aber Röntgen !!!
Ja, so ging das dann weiter : keine Betreuung, nur notgedrungene Handlungen : Blutabnahme, Tests usw, der Nachtdienst brachte eine zweite Decke, weil ich durchgeschwitzt war und fror...auch den notwendigen Rollator (Gottseidank!).

Am nächsten Tag, Freitag vor Pfingsten : Umzug in ein anderes Zimmer ("das wird ihnen sonst zu teuer!"), Chefarztvisite !
Da kam es raus : "Ja, das können wir bei Ihnen auch machen, einen Gelenkwechsel !"
Das wollte ich doch nicht ! Sondern, wie von der Endo im Jahr vorher vorgeschlagen, nur Verbesserungen am vorhandenen, noch guten Gelenk !
Nachgefragt, wie das ohne Verkürzung meines ohnehin schon 5cm kürzeren
Beins durch die erste OP, gehen könnte, redete er etwas herum : nein, dafür könne er nicht garantieren (Gespräch hier reduziert!). Und wie ich dann laufen solle mit einem dann etwa 10cm kürzeren Bein ?! ...
Essen : ein Frass, nicht genießbar, schließlich sogar ein Schimmelfleck auf der abendlichen Brotscheibe! (dokumentiert mit Handy!)
Keine weitere Betreuung : keine Waschungen, kein Bettzeugwechsel nach der Nacht, keine Frage nach Hilfe (Zähneputzen?) !!! Alles, wenn ich klingelte fast mit Zähneknirschen ! Sch...auf die Privatklasse, das war alles in Spanien viel besser !
Als ich dann langsam wütend und auch mal laut wurde, ich vertrug die Schmerzmittel , Prontoprazol + Ibuprofen nicht, kriegte aber erst nach ziemlich unverschämter Äußerung der Schwester mein Paracetamol am vorletzten Tag!

Die Beschwerde auf den Schimmelfleck zeigte Wirkung : Essen mindestens optisch leicht verbessert !
Als ich dann durcksickern ließ, dass ich mich nicht für "operationsfähig" hielte, schließlich hatte ich in der Zwischenzeit 10kg abgenommen, dazu über Bekannte einen Beratungstermin in der "Endo", wurde ich kurzerhand entlassen und dorthin transportiert !
Der Schnitt, noch mit Klammern aus Spanien versehen und nur durch beherztes Eingreifen der Nachtschwester etwas gekühlt, sei "ambulant behandelbar" !
In der Hoffnung, dass die "Endo" mich aufnehmen und das Weitere veranlassen würde (OP), machte ich dort eine Reihe von Stationen (Beratung, Behandlung Schnitt, Terminvergabe, Reha) mit, jetzt sagte ich natürlich nicht nein : das war ja mein Expertenteam, und das war eben das, was möglich war !
Leider Termin erst in 1 Monat ! Wie sollte das denn gehen ?

Hilfe kam nochmal von der Familie : mein großer Sohn aus München holte mich in Hamburg mit dem Auto ab und brachte mich nach Hause !
Und unterwegs musste sich der arme Kerl meinen ausführlichen Bericht über meiner Abenteuer auf der "Spanischen Winterreise" anhören...

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Meine Winterreise : Die Rettung und Teil IV