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Wahrlich heldenhaft ...

Von tastifix Mittwoch 22.05.2024, 09:49 – geändert Mittwoch 22.05.2024, 10:45

Selbstverständlich halte ich Geister für einen reinen Humbug, mache mir deshalb auch keine Gedanken um irgendwelche Spukgeschichten und lache mich höchstens kringelig, wenn mir jemand eine solche auftischen will.
´Unselbstverständlich` aber hege ich dennoch Zweifel. Zu viele Geister-Rendezvous sendet die Flimmerkiste, zu viele Berichte über Gespenster geistern durch die Medien oder werden von angeblich Betroffenen starren Blickes und schlotternder Gliedmaßen geschildert. Es wimmelt anscheinend unter den Untoten von weißen Frauen, Rittern ohne Kopf, aber dagegen mit polternd einher scheppernden Fußfesseln ohne und mit Kugeln in mindestens Fußballgröße oder auch nur schwebenden Gestalten, die zum wahrlichen Entzücken uns lebender Erdbewohner laut grölen, rülpsen oder mit genau dem Gegenteil des Letzteren zu beeindrucken versuchen.

Nicht immer sind deren Opfer nach eigener Aussage so couragiert wie die Zwillinge in Oscar Wildes Komödie ´Das Gespenst von Canterville`, die mit einem Eimer kalten Wassers dem ungebetenen und aufdringlichen Gast aus der Geisterwelt einen dermaßen heftigen Schock versetzten, dass dieser schleunigst das Weite suchte. Victoria, die Tochter der Familie, empfand Mitleid und erlöste letztendlich das arme Etwas von seiner bereits Jahrhunderte andauernden Schreckensarbeit.

Jedoch zähle ich da eher zu den Angsthasen der Spezies Mensch. Meine Fantasie spielt mir dann manchmal ausgesprochen fiese Streiche. Vor allem des Abends oder auch nachts, wenn ich allein im Haus bin. Es knackt, ich horche auf, bilde mir ein, eine Tür wäre zugeschlagen worden und erstarre. Klar denke ich nicht an einen Gespensterbesuch, sondern ziehe die Möglichkeit in Betracht, eventuell in den nachfolgenden Minuten von Einbrechern massakriert zu werden.
´Die Haustür habe ich abgeschlossen! Wie sind die bloß rein gekommen??`
Und dann:
´Hoffentlich geht’s wenigstens schnell. Erschossen zu werden ist immer noch angenehmer als sich irgendwo von der Decke zu Tode zu baumeln.`
Doch nichts dergleichen geschieht. Auch dringt kein schwarz maskierter Unhold in mein Zimmer. Garantiert habe ich mich nur getäuscht, lasse mich aufatmend ins Kissen sinken und erkläre mich für bekloppt.

Keine Ahnung, wie lange ich friedlich geschlafen habe! Denn plötzlich schrecke ich auf, hocke erneut hellwach im Bett und lausche. Mit Ohren, fast wie Hasenohren, die sich wegen der räumlichen Gegebenheiten in Haus um -zig Ecken winkeln, versuche ich zur ersehnten Beruhigung die Ursache für die wiederholte Störung der Nachtruhe auszumachen. Leider klingt es diesmal nicht nach Beutefahndern, dagegen auf ganz andere Art bedrohlich, eher unheimlich. Es schlurft die Treppe rauf und runter. Schatten bewegen sich auf den von der Straßenlaterne beleuchteten Wänden und scheinen sich mir langsam zu nähern. Gleichzeitig raschelt es unter meinem Bett, knirscht es am Kleiderschrank, weht die Gardine hin und her.

Dies alles zusammen versetzt mich in panische Alarmbereitschaft. Ich krabbele aus dem Bett und robbe halb darunter, taste mit der Hand den Boden ab - nichts. Umso unheimlicher wird mir, denn ich stehe eindeutig einem Feind gegenüber, der weder sichtbar, noch greifbar und demnach überhaupt nicht einzuschätzen ist. Schon in Schweiß gebadet, bewaffne ich mich kurzentschlossen mit einem Stockschirm und trete den Kontrollgang durchs ganze Haus an, vom Schlafzimmer im Erdgeschoss in den Keller und zurück und danach hoch in die erste Etage. Den Dachboden spare ich aus, dort wohnen Spinnen. Während jener Wanderung auf Gedeih oder Verderb beherrscht mich der doch äußerst unerfreuliche Gedanke:
´Hinter jeder Wand, in jeder Ecke kann das Grauen lauern!`

Prompt umklammere ich den Schirm noch fester, trotz der Todespanik eisern entschlossen, dem Vielleicht-Herrn oder der Frau Gespenst damit eines über die Rübe oder Auch-nicht-Rübe zu hauen. Auf die Idee, dass ich auf den Geist in meinem weißen Nachthemd mit dem unter dem Arm geklemmten Kampfsportgerät selber wie ein Gespenst wirken könnte und er/sie deshalb einen untoten Herzinfarkt erleiden könnte, komme ich gar nicht erst.
Auf Zehenspitzen schleiche ich durch die Räume:
´Überall kann er stehen, sitzen, liegen!`
Die Vorstellung, solch ein eventuell bluttriefendes Monster würde plötzlich vor mir auftauchen, verhilft meiner Ohnehin-schon-Gänsehaut zu einem prächtigen Outfit. Leider oder eher zum Glück kollern mir dagegen keine Fußfesseln ohne oder gar mit einen gruselig stöhnenden, lebhaften Anhang entgegen noch kündigt mir eine Nebelgestalt sämtliche Qualen der Hölle und die alle auf einmal an. Völlig groggy muss ich mir zugeben, dass alles auf dem Mist meiner extrem spukenden Fantasie gewachsen ist und ich mich in meinem also nur scheinbar grölenden, rülpsenden und sonst noch was veranstaltenden Haus total in Sicherheit befinde.

Oder ist es etwa nur an dem, dass sich sämtliche Gespenster bei meinen Anblick, diesem Regenschirmsoldaten mit dem bleichen Gesicht, gewandet in ein kalkweißes Nachthemd und angetan mit neongrünen Filzpantoffeln, vor Schrecken schleunigst verdünnisiert haben??

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