Mein Walnußschiffchen
Von
tastifix
16.06.2024, 08:12 – geändert Mittwoch 26.06.2024, 09:00
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tastifix
16.06.2024, 08:12 – geändert Mittwoch 26.06.2024, 09:00
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Am Tag zuvor hatte ich die Boot besucht und einige riesige Luxusyachten bestaunt. Leider durfte man sie nicht besichtigen. Deren wertvolle Innenausstattung hätte Schaden nehmen können. Es gibt wohl mehr extrem reiche Leute, die sich ein solches Kreuzfahrtschiff leisten können, als ich angenommen hatte.
Doch auch die Schiffe mittlerer Größe und selbst die kleinsten verdienten Beachtung. Sie waren äußert praktisch und obendrein urgemütlich eingerichtet. Fasziniert schaute ich mir alles an.
Unwillkürlich erinnerte ich mich an die von mir schon als Kind geliebten Walnüsse. Mit Begeisterung hatte ich sie zu Hälften geknackt und winzige Segelschiffe gebastelt. Als Masten dienten Streichhölzer. Flicken von Papiertaschentüchern wurden zu Minisegeln. Dann ließ ich Wasser ins Waschbecken laufen und die niedlichen Schiffe darin schaukeln. Am Rande des Beckens brachen sich Wellen von fast 5mm Höhe. Doch die kleinen Boote durchschnitten mit ihrem Kiel die Wogen, ohne zu kentern.
In der Nacht nach dem Besich auf der Boot träumte ich einen wunderschönen Traum:
Ich stand in einem Jachthafen und genoss den Anblick der schicken Luxusliner. Plötzlich entdeckte ich es: Zwischen all den blitzenden Schiffskörpern mogelte sich ein braunes Etwas durch. Es war eines meiner Walnussbötchen, welches die Fantasie in eine kleine Jacht verwandelt hatte. Mit aller Kraft blähte der Wind das Segel und blies mein Traumschiff sicher zur Anlegestelle. Sein Äußeres unterschied sich auffällig von dem der modernen „Kameraden“ und erregte großes Aufsehen bei den Seglern. Deren eigene viel schnittigeren Yachten stahl es eindeutig die Schau. Alle bestaunten es.
Freudig betrat ich das Walnußsschiff. Ja, genau so hatte ich es mir vorgestellt. Die Einrichtung war in dunkelbraunem Holz gehalten, die Sitzecke mit hübschem Polster bezogen. Vor den Fenstern hingen farblich dazu passend nostalgische Vorhänge. Es war die Gemütlichkeit, für die ich schwärmte. Ja, dies war meine Welt, in der ich alles Andere vergaß. Ich zog den Vorhang zurück und blickte durchs Fenster. Es gab den Blick frei bis zur Hafenausfahrt und ließ das weite Meer erahnen. Die Sonne strahlte vom Himmel und das leicht bewegte Wasser glitzerte wie eine Strasse aus Diamanten.
Mich ergriff Fernweh. Auf dieser Diamantenstraße wollte ich in die Weite des scheinbar unendlichen Ozeans hinaus segeln zu mir noch unbekannten Zielen. Das Rauschen des Meeres würde mir gut tun und ich Erholung finden.
Wohin würde es mich treiben?
Was würde ich erleben??
Entrückt sann ich vor mich hin. Erst nach mehreren Minuten fand ich in die Wirklichkeit zurück, hob den Kopf und sah in das Gesicht meines Gegenübers, das all jene Gefühle und Gedanken mit mir teilte.
Dessen war ich mir sicher.