Mein Teddy ist weg
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Feierabend-Mitglied
Freitag 02.08.2019, 13:12
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Miriam kam heulend in den Kindergarten. "Ich hab meinen Teddy verloren und ohne ihn kann ich nicht einschlafen und jetzt ist er ganz alleine und ich kann nicht mehr auf ihn aufpassen."
"Hör endlich auf zu weinen, wir kaufen Morgen einen Neuen," sagte Mama. " Ich will keinen Neuen, Ich will meinen Teddy, weil, der kennt mich und ich habe ihn lieb".
Damals hatten die Kinder nur ein oder zwei Kuscheltiere, zu denen sie eine enge Beziehung aufbauten. Heute sind die Kinderzimmer voll mit diversen Stofftieren, die von Oma's, Tanten und Freunden mitgebracht werden und so werden daraus keine vertrauten Begleiter und Freunde mehr. Erwachsene sollten sich mal fragen, woher die Bindungslosigkeit und die Aggressionen ihrer Zwerge oft kommen.
Zurück zu Miriam... der Bär war im Bus liegen geblieben, Fundbüro brachte keinen Erfolg und alles trösten führte nur zu neuen Tränen und Wutausbrüchen.
Es gab damals in Berlin drei große Teddygeschäfte und ich fragte Miriam, ob wir dort alle mal hinfahren wollen, um zu gucken, ob der Bär vielleicht dorthin gelaufen ist, weil er dann nicht mehr allein ist. Und nachts ist es kalt und dunkel und niemand hält ihn im Arm.
Miriam strahlte.... auh ja, vielleicht finden wir ihn, und so fuhren wir am nächsten Tag mit Einverständnis der Mutter los.
In diesem Geschäft gab es unzählige Bären in allen Größen und Farben, ich erzählte der Verkäuferin den Kummer meiner Kleinen und fragte, ob wir uns Zeit nehmen dürfen, uns umzusehen. Meine Zwerge bekamen noch einige liebevolle Anweisungen bezüglich Lautstärke und Anfassen, es war eine echte Herausforderung mit 15 Kindern. Oft reichte es, ihnen die H.and auf die Schulter zu legen.
Miriam ging in Zeitlupe an den Regalen vorbei, hochkonzentriert, stumm, es dauerte eine ganze Stunde. Dann kam sie zu mir und weinte. "Er ist nicht hier, ich hab' alle Bären genau angeguckt."
"Morgen fahren wir in einen anderen Laden", versuchte ich zu trösten. Und das taten wir auch.
Aber auch dort hatten wir keinen Erfolg und Miriams Verzweiflung nahm zu. Die enge Bindung, die die Kleine zu ihrem Bär hatte rührte mich sehr und ich wusste nicht, wie ich das auflösen konnte.
Im dritten Geschäft angekommen nahm meine Zuversicht ab, aber ich wollte nichts unversucht lassen. Ganz still ging sie durch den Laden.... nach einer halben Stunde ein Schrei: "Gitti, Gitti,ich habe ihn gefunden, er sieht etwas anders aus, viel heller und ganz sauber, vielleicht hat er gebadet. Aber seine Augen sind die selben und er hat mich erkannt und gelacht, aber das konnte nur ich hören. Darf ich ihn in den Arm nehmen?"
Die nette Verkäuferin strahlte meine Kleine an, nahm den Bär und legte ihn Miriam in den Arm. "Gitti, er riecht auch anders, aber er hat ja gebadet und dann rieche ich auch immer anders, sagt Mama!"
So ein glückliches Kindergesicht rührte mein Herz zu Tränen und alle Kinder freuten sich und nun war die Lautstärke nicht mehr zu bremsen. Ich bat meine beiden Praktikantinnen, mit den Zwergen schön mal vor die Tür zu gehen. Miriam vorneweg, sie presste den Teddy fest an sich und sprach mit ihm. Ich wollte den Bär nicht in ihrer Gegenwart bezahlen, denn er gehörte ihr ja schon.
Was für ein schöner Tag, alle Kinder waren mit Miriam froh, die Mama glücklich und ich erschöpft und voller Liebe, die mich noch einige Zeit begleitete. Es ist so wichtig, dass wir Kinder in ihrem Schmerz ernst nehmen.