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Mein kleines I-Mädchen

Von tastifix Dienstag 17.09.2019, 18:39 – geändert Mittwoch 18.09.2019, 21:35

Als ich meine Enkelin kennen lernte, flüsterte ich ihr ins Ohr.
„Du, wenn Du größer bist, bringt Omi Dir das Tanzen bei!“
Sie meinte:
„Eö!“
Ich wertete es als Zustimmung.

Mit noch nicht 2 Jahren zeigte sich ihre ausgeprägte soziale Ader und sie regte sich furchtbar auf, als ein armes Auto mit nur noch drei Rädern hilflos in der Luft baumelte und an dem gearbeitet wurde:
„Auto einfach putt gemacht!!“
Meine Erklärung, das Auto bekäme einen neuen Reifen, hätte ich mir sparen können.

Als sie 3 Jahre war und durch die Kita tobte, erlebte sie die erste Kinderliebe ihres Lebens und ich diese in allen Enzelheiten mit. Strahlend eröffnete sie mir:
„Omihiih, ich bin so richtig verknallt!“
„Warum magst Du ihn denn?“
„Er macht genauso gern Blödsinn wie ich!“
´Ahah!`
Diese Liebe hielt, bis sie denn fast 5 Jahre war. Leider fand sie dann ein Ende, denn ihr Schwarm wurde eingeschult. Ich werde nie vergessen, wie sie abends im Bett lag und bitterlich weinte.

Die Beziehung zwischen uns ist sehr eng. Nun ist sie nach den Ferien ebenfalls Schulkind geworden. Die Schultüte hatten ihre Mama, sie und ich gemeinsam beklebt und bemalt. In der Tüte fanden sich nur Kleinigkeiten. Darunter auch sechs Radiergummis, aber ganz besondere. Auf jedem prangte das Bild eines winzigen Faultieres, das von ihr begeistert begrüßt wurde. Von mir bekam sie noch eine kleine Stoff-Fledermaus. „Fledi“ ist seitdem immer mit von der Partie.

Das schönste Geschenk machte ihr ihre Mutter: Ein eigenes Telefon. Schon am nächsten Morgen bimmelte es in der Früh:
„Ich wollte nur wissen, ob es klappt!“
Beim nächsten Anruf, dann gegen Abend:
„Omihiih, ich hab schon die Nummern selber gespeichert, deine Nummer auch. Jetzt kann ich dich immer anrufen!!“
„Wie schön. Da freue ich mich aber!!“

Ein paar Tage lang hörte ich nichts. Doch dann meldete sie sich wieder. Es wurde das längste bisherige Gespräch. Zunächst schilderte sie mir genauestens, was sie so in der Schule lernt und dass es ihr ganz doll viel Spaß mache und es sei ja alles so einfach … Sie fand und fand kein Ende.
Derweil schaute ich auf die Uhr.
„Wann gehst Du denn heut ins Bett?“
„Gleich, aber ich muss Dir noch etwas erzählen.
„Was denn …?“
„Omihiin, ich hab schon eine neue Freundin!“
Es überraschte mich überhaupt nicht, denn sie ist eher extrovertiert.
„Du, das finde ich toll!“

„So, jetzt wird’s aber Zeit für Dich!“
„Ja. Omihiih, sofort! Aber ich muss dir noch etwa ganz Wichtiges sagen. Omihiih, bei mir wackelt ein Backenzahn, nur bei mir, bei keinem anderen Erstklässler, sondern nur bei den Älteren …!“
Da an dem war, fühlte sie sich sicherlich schon als halb Ältere. Ich schmunzelte insgeheim.
„Gratuliere! Prima! - So, Kleines, jetzt ist aber Schluss und schlaf schön!“
„Du auch, Omi! Tschühüüs!“

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