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Massage vom Feinsten

Von tastifix Dienstag 31.07.2018, 14:28

Zum ersten Male in der Türkei, wohnten wir in einem First-Class-Hotel mit allem Drum und Dran. Es war fast eine Stadt für sich, bot alles, was das Herz begehrte. Dazu zählte auch ein luxuriös ausgestatteter Massagesalon im Untergeschoss. Dort empfingen uns gleich drei Masseure auf einmal. Einer von ihnen geleitete uns zu einer gemütlichen Sitzecke. Die Preislisten über sämtlichen Massagen lagen schon parat. Alles kostete zwischen 49 und 120 Euro. Nachdrücklich versuchte ein Masseur uns alles aufzureden, was es an tollen Sonderangeboten gab und betonte, wie sehr dies und das anzuraten war.
„Massage X kostet statt 90 Euro heut nur 60 Euro! Und die andere nur ...“ Doch er biss bei uns auf Granit. Wir entschieden uns für die sanfte Thai-Massage mit Peeling und Maske sowie eine medizinische Ganzkörpermassage mit ebenfalls einer Maske. Unserem Betreuer war klar, dass wir nicht umzustimmen waren. so beorderte er uns in die Dampfsauna (40 -50 Grad heiß). Eine Viertelstunde mussten wir schwitzen. Bereits nach zehn Minuten gab ich auf:
„Ich kann nicht mehr. Ich will hier raus!“
Im selben Augenblick öffnete der ewig grinsende Mann die Tür, fragte fürsorglich nach, ob alles okay wäre und wir nickten brav. Nun noch mit zwei sympathischen Thaimädchen im Schlepptau, die noch charmanter lächelten als er selber, führte er uns in den Saal, in dem das Ganze vor sich gehen sollte. Der helle Raum war ringsum mit einem eleganten Arkadengang ausgestattet, in mit Mosaiken geschmückten Nischen unter den Rundbögen ruhten auf niedrigen Podesten kleine Waschbecken. Das Podest bot Sitzplatz für zwei Personen. Mitten im Raum stand ein Riesenmosaikrondell. Das eine Mädchen breitete am Rand der Steinplatte so eine Art Geschirrtuch - genauso winzig und ebenso dünn - aus und forderte mich in Zeichensprache auf, mich darauf zu legen. Ich spürte sämtliche Knochen. Mit einem Handschuh rubbelte es mich ab, deckte mich danach mit Schaum zu und massierte mich. Das fand ich noch recht angenehm … Ein paar Minuten später bedeutete das Mädchen mir, ich sollte mich aufsetzen. Sie trippelte zum Waschbecken und kehrte mit zwei Blechschüsseln zurück. Ehe ich überhaupt wusste, wie mir geschah, klatschte mir ein Schwall kalten Wassers ins Gesicht und über den ganzen Körper. Nach Luft schnappend machte ich dem Girl gerade noch rechtzeitig klar, sie sollte bitte meinen Kopf verschonen, was sie denn auch tat. Danach trocknete sie mich ab.
Die Mädchen führten uns in einen Ruheraum, in dem wir uns, in flauschige Bademäntel gehüllt, erleichtert auf die Liege sinken ließen. Doch kaum hatten wir es uns ein wenig gemütlich gemacht und den obligatorischen Schluck Tee genossen, scheuchten sie uns schon wieder hoch.
„Hääh, ich dachte, wir sollen uns hier ausruhen!“

Eskortiert vom Masseur und den beiden Thais landeten wir in einem recht kleinen, im asiatischen Stil eingerichteten Zimmer. Mittig standen zwei schmale, hohe Liegen. Mühsam erkletterte ich die eine. Mein Freund hatte es leichter, er war viel größer. Am Kopfende befand sich ein großes Loch. Gehorsam drehte ich mich auf den Bauch, steckte den Kopf in das Loch und winkelte nach Anweisung die Arme an. Die ausgiebige Massage dann genoss ich so sehr, dass ich fast dabei eingeschlafen wäre, wenn da nicht ...Wohl in der Annahme, zwei jetzt äußerst zufriedene Gäste vor sich zu haben, bearbeiteten sie nun unsere Psyche. Der Masseur postierte sich zwischen die Liegen, erklärte eindrucksvoll gestikulierend, was im Besonderen womit behandelt werden könnte und um dem noch Nachdruck zu verleihen, drückte ihm dabei eines der Mädchen an der Wirbelsäule herum. Aber der Zirkus beeindruckte uns kein bisschen. Pech gehabt - wir blieben stur.

Wir durften uns erheben, wieder in die Bademäntel hüllen und wanderten zum zweiten Male in den besagten Ruheraum. Diesmal durften wir tatsächlich etwas länger verweilen. Doch nach dieser Verschnaufpause stellten sich die Thaimädchen ans Kopfende der Liegen, in der Hand eine Schale voll undefinierbarer, wenig Vertrauen erweckenden Paste. Einen Balken davon pappten sie uns auf Stirn, einen auf Nase, einen aufs Kinn und einen auf jede Wange. Das war alles. Dann zogen sich die Mädchen auf leisen Sohlen zurück. Das Zeug sollte ja erst mal wirken. Mit dem sicheren Gefühl, dass irgendwas ziemlich falsch lief, schielte ich zur anderen Liege und bekam prompt nen Lachkrampf:
„Huuch! Was haben die denn mit dir angestellt?“
Wie eine Gesichtsmaske auszusehen hatte, wusste ich: So jedenfalls nicht!! Wir ähnelten beide eher den Indianern aus ´Schuh des Manitou`:
„Weißte was? Wir werden hier veräppelt! Wenn wir uns noch weitere Behandlungen hätten aufschwatzen lassen, dann würden sie uns behandeln wie den Kaiser von China. Haben wir aber nicht und das hier ist die Rechnung dafür!“
Masken - auch die in Mikroausführung - werden hart und spannen. Nach zehn Minuten erschien zum Glück zwar das uns bereits vertraute Kleeblatt, doch es verkniff sich bei unserem Anblick nicht einmal mehr das Grinsen. Und dann leisteten sie sich das I-Tüpfelchen der Unverschämtheit: Süßlich lächelnd wies mir eine junge Frau den Weg zum Waschraum:
„Waschen Sie es mit heißem Wasser wieder ab!“
´Hääh, wieso denn ich?? Wäre doch eigentlich deren Aufgabe!`

Verwirrt tappte ich ins Dunkle. Im Waschraum brannte nämlich kein Licht, Ohne Licht aber fand ich den Schalter nicht.
„Huuch!“
Wieder erschien Prinzessin Lächelndes Wesen, knipste einmal kurz und verdünnisierte sich so lautlos, wie sie gekommen war. Diskretion ist alles. Somit bot sich mir nun das äußerst zweifelhafte Vergnügen, meine Spinat-Indianerkriegsbemalung im Spiegel zu bewundern, doch hielt sich die Bewunderung dafür sehr in Grenzen:
„Himmel hilf! Hoffentlich krieg ich die Pampe wieder runter!“
Handtücher oder Waschlappen entdeckte ich nirgends. Not macht bekanntlich erfinderisch. An der Wand hing ein Papiertuchspender, die Tücher darin grün, genau passend zur Pampe in meinem Gesicht. Es tröstete keinesfalls. Wütend griff ich mir eines, durchnässte es und rubbelte damit auf der Pseudo-Maske herum. So ganz allmählich bröckelte das Zeug. Zwar wischte ich mir dabei dummerweise das grässliche Grün auch in die Haare, jedoch, wie ich dann triumphierend bemerkte, noch viel ausgiebiger in den Ärmel des vom Hotel geliehenen Bademantels.
„Rache ist grün!“
Allmählich verwandelte sich das giftgrüne Balken-Gemälde in ein pastellgrünes Aquarell, das sich in anmutigen Schlieren im ganzen Gesicht verteilte. Ich rieb noch dreimal hin und her. Danach war ich den Spinat endlich los und hatte mein normales Outfit wieder. Das lebende Massagesalon-Inventar besaß tatsächlich die Keckheit, nachzufragen, welche Behandlung denn vielleicht bei einem weiteren Male ...
´Das fehlte noch. Nie wieder!!`





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