Manches lerne ich nicht mehr.....
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Feierabend-Mitglied
Samstag 25.03.2023, 16:20
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Zum Glück habe ich zwei Töchter, die mit meinem Unvermögen liebevoll umgehen und ihre Berufswahl entsprechend ausgerichtet haben.
Nach einer Beziehungstrennung 1977 hatte ich beschlossen, mein Wohnzimmer zu renovieren und zu streichen. Um nicht in eine Depression zu fallen, besorgte ich alle notwendigen Materialien und beschloss, es in der Nacht zu tun, da ich ja tagsüber arbeiten musste und am Wochenende für die Kinder Zeit haben wollte. Für einen Handwerker fehlte das nötige Geld. Wie diese Nacht ablief, das will ich euch ersparen, aber früh um 5 Uhr war ich mit dem Gröbsten fertig, machte Frühstück und weckte meine Mädchen. Ihren Blick ins Wohnzimmer, dann zu mir und wie sie sich gegenseitig ansahen, das werde ich nie vergessen. Sie nahmen mich liebevoll in den Arm, ihre Augen drückten eher Mitleid aus, sie sagten, “Mama, du hast es wenigstens versucht.” Sie gingen zur Schule und ich zur Arbeit.
Am Abend bereiteten sie das Abendessen vor und wollten mit mir reden, sie waren 13 und 10 Jahre alt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, sah ja selbst, wie stümperhaft es aussah, aber es war nicht mehr zu ändern. Im Gespräch trösteten sie mich und organisierten den Vater eine Freundin, der das Ganze, so gut wie möglich für wenig Geld ausbesserte. Beide Töchter hatten nach meinem missglückten Versuch beschlossen, ein Handwerk zu lernen. Die Große wurde Malerin und Tapeziererin, die jüngere Tochter wurde Tischlerin. Etwa 5 Jahre später wurden von den Beiden sämtliche Handwerkerarbeiten von ihnen übernommen, ich beteiligte mich nur noch an Hilfsdiensten. Sie hatten sich während ihrer Ausbildung vieles angeeignet und sind mir eine große Hilfe bis zum heutigen Tag. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell, kreativ und professionell sie mir zur Seite stehen.
Später machten sie Fachabitur und studierten Sozialpädagogik, beide arbeiten noch heute in diesem Beruf. Sämtliche Renovierungsarbeiten bei mir und in ihren eigenen Wohnungen erledigen sie selbst. Da mir auch in vielen technischen Bereichen die Fähigkeiten fehlen sind sie mir eine große Hilfe. Eine weitere Unfähigkeit von mir liegt darin, dass ich keine Gebrauchsanleitungen lesen kann, d. h. ich kann sie lesen, aber mein Gehirn ist nicht in der Lage, das Gelesene in Taten umzusetzen. Darüber bin ich oft verzweifelt. Kaufe ich mir ein neues Elektrogerät, dann dauert es einige Zeit, bis ich nach kläglichen Versuchen aufgebe und schüchtern eine meiner Töchter anrufe.
Immer kommt lachend die Frage: “Was für ein Gerät hast du dir gekauft und wann brauchst du es?” bis zum heutigen Tag kann ich mit diesem Unvermögen schlecht umgehen und bin dankbar, dass meine Töchter mir gern helfen, ein bisschen spotten dürfen sie dabei auch. Sie sagen oft:"Mama, du hast ganz andere Talente, du kannst wunderbar organisieren , hast mit Kindern ein gutes Händchen, schreibst Gedichte und Geschichten, bist und warst immer für uns da, viele dieser Anekdoten werden deine Enkel noch erzählen."