Lillis Traumkleid
Von
tastifix
Donnerstag 03.12.2020, 20:02
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tastifix
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Es ist Anfang Januar und bitterkalt. Lillis Zimmerfenster schmücken Eisblumen. In wenigen Tagen wird sie Geburtstag haben und möchte ihn mit ihren Freundinnen feiern. Obwohl sich die Kleine darauf freut, ist sie ein wenig traurig.
„Die Anderen bekommen bestimmt neue schöne Kleider. Nur ich nicht ... “
Lilli schluckt. Die Familie ist arm und deshalb wird sie das alte tragen.
„Der eine Ärmel hat gar schon ein Loch gehabt. Ich hab geweint. Mama hat mich getröstet und das Loch sofort wieder gestopft!“
Aber selbst der Gedanke an die liebe Mutter vermag Lillis Kummer nicht zu lindern. Bedrückt schaut sie auf die in der Wintersonne am Fenster glitzernden Eisblumen.
´Es sieht aus wie im Märchen!`
Fasziniert betrachtet Lilli das zierliche kristallene Naturgemälde. Die Blumen schimmern in allen Regenbogenfarben und die winzigen Blätter winken ihr zu.
´Quatsch, das bilde ich mir nur ein!`
Sie kneift die Augen zu und blinzelt dann zögerlich erneut aufs Fenster. Noch immer wiegen sich die Blumen anmutig hin und her, nach wie vor neigen sich die Blüten dem Mädchen grüßend entgegen. Verwirrt knickst die Kleine artig.
Plötzlich spürt sie einen Windhauch und es raschelt leise. Neben ihrem Fuß steht ein winziges Mädchen mit blütenweißen Locken und zwei hauchzarten Flügeln.
´Sie sehen aus wie die Eisblumenblätter!`
„Wer bist du denn?“, stottert Lilli.
„Ich bin die Eisblumenelfe Siri!“
Siri lächelt Lilli lieb an.
„Und du?“
„Ich heiße Lilli!“
„Aber weshalb ... ?"
„Du möchtest wissen, warum ich hier bin, stimmt`s?“
Lilli nickt.
„Immer, wenn ein braves Menschenkind traurig ist oder wenn es sich nach etwas sehr sehnt, dürfen wir Elfen Gestalt annehmen und ihm helfen. - Na, worum geht es?“
Über Lillis Gesicht huscht ein Schatten und es rinnt ihr eine kleine Träne übers Gesicht.
„Wein` doch nicht! Was wünscht Du Dir denn?“
Siri flattert auf Lillis Schulter. Mit den winzigen Händen streichelt sie zärtlich über deren Wange. Es tröstet und Lilli fasst Mut:
„Ich hab bald Geburtstag. Meine Freundinnen kommen mich besuchen. Die tragen dann bestimmt hübsche Kleider. Aber ich hab nur ein altes. Ich hätte so gerne auch ein neues ... “
Die letzten Worte hat sie nur noch geflüstert. Aber Siri versteht sie trotzdem, denn Lilli ist ein sehr liebes Kind und die Eisblumenelfen verstehen solche Kinder auch fast ohne Worte.
„Lilli, ich werde dir helfen!“
Es hört sich an, als ob jemand fröhlich singen würde.
„Wie denn nur?“
„Nicht so ungeduldig!“, schüttelt Siri lachend den weißen Lockenkopf. „Vertrau mir einfach!“
Ja, Lilli vertraut ihr. Sie hat das Elfenmädchen sofort gut leiden können.
Siri schwirrt zurück auf die Fensterscheibe in ihre Eisblumenwelt und erzählt den anderen Eisblumen über Lillis Kummer.
„Selbstverständlich helfen wir ihr!“, sind sie sich einig und murmeln einen Zauberspruch:
„Wir eilen zu Hilfe geschwind,
Lilli, dem lieben Kind!“
Sie verwandeln sich in Elfenmädchen und sehen nun fast genauso aus wie Siri, denn sie sind Schwestern. Sie schweben auf den Balkon der Wohnung. Dort sammeln sie so viel Schnee, wie sie in den Händen tragen können. Eilig schwirrt die Schar ins Kinderzimmer zu Lilli, der vor Staunen der Mund offen stehen bleibt. Mitten auf dem buntem Teppich vor Lillis Bett häufen die Elfen einen kleinen Schneehügel an. Danach fassen sie sich an den Händen und wieder murmeln sie einen kurzen Zauberspruch:
"Ein Kleid aus Seide so fein,
fein wie für eine Prinzessin,
so soll es sein!"
Plötzlich durchstrahlt Licht in allen Farben des Regenbogens den Raum. Die Elfenmädchen sind verschwunden und auch von dem Schnee ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen liegt dort das schönste rosa Kleid, das Lilli je gesehen hat. Auf dem Brusttäschchen entdeckt sie das Bild eines Mädchens. Es zeigt ihre Elfenfreundin Siri.