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Liebe

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 23.08.2023, 18:32

Heute weiß ich, dass es meine erste Liebe war...

Ferienfreizeit 60er Jahre, Jugendherberge im Harz, ich war 13, fast 14 Jahre jung.
Gleich am ersten Tag kamen wir, mehrere Jungen und Mädchen aus dem Ruhrgebiet, während eines ersten, kleinen Erkundungsgangs an der Oder, einem kleinen Flüsschen, vorbei. Zwei für den Geschmack von uns Mädels sehr gut aussehende Jungen, etwa gleich alt wie wir, vielleicht etwas älter, beschäftigten sich mit irgendetwas unten am Wasser. Wir standen über ihnen auf einer Brücke und schauten zu. Einer der Jungen sah zu uns hoch, mein und sein Blick begegneten sich. Wie von einem Blitzschlag getroffen schaute ich schnell weg, konnte doch nicht anders, musste wieder hinsehen. Ihm ging es scheinbar ebenso......wir mussten lachen. Ein kribbeliges, ganz warmes Gefühl machte sich in mir breit. Wortfetzen der anderen drangen an mein Ohr, habe nicht mehr alles mit bekommen, ich weiß nur noch, dass es um die Frage ging, wo unsere Gruppe untergekommen ist.

Seitdem kamen die Beiden täglich von Bad Lauterberg im Tal zur Jugendherberge hoch. Manchmal kam auch nur einer, der, den ich so sehr mochte, der mit den braunen, grün gesprenkelten Augen, der mit den dunklen, kurz geschnittenen Locken, die manchmal im Sonnenlicht dunkelbraun, fast schwarz glänzten.
Jede Wanderung, jede Unternehmung machte er mit, er hatte auch Ferien. Manchmal war er ganz kühn, schaute mich von der Seite an, ich spürte es genau, nahm ganz schnell meine Hand. Ein anderes Mal griff er sofort zu, seine Hand umschloss warm und wohlig meine. Täglich gingen wir gemeinsam mit der Gruppe mit.......und waren doch für uns.
Regelmäßig vor dem Abendessen ging er nach Hause, und ich war mir gewiss, dass er am nächsten Tag wieder da war.

Vorletzter Tag
Er war merkwürdig. Wir konnten endlich mal ohne die Gruppe in die Stadt. Hand in Hand bummelten wir durch die Straßen, einige Geschäfte. K. kaufte mir als Abschiedsgeschenk ein kleines, kuscheliges Bärchen. Als er es mir schenkte, war er wieder da, dieser beklemmende Gedanke ans Abreisen, ich hatte ihn bis dahin erfolgreich verdrängt.
K. lud mich danach in ein kleines Eiscafe ein. Wir setzten uns in den hinteren Raum, in dem wir ungestört waren. Es war ganz still, unsere Hände lagen auf dem Tisch, wir hielten uns fest. Ich weiß noch genau, dass ich mich kaum getraut habe, das Eis zu schlucken, es kam mir so laut vor......

Abreise
K. stand am nächsten Morgen natürlich am Bus. Nach dem Gepäck verstauen ging es auf einmal ganz schnell. K. gab mir einen Kuss auf die Wange (der erste!), wir hatten beide Tränen in den Augen, "Ich schreib dir", und das Wissen, dass wir uns wahrscheinlich nie wiedersehen.....
Ich habe vom Harz bis ins Ruhrgebiet (da wohnte ich) geweint, und das ist eine Strecke.

Heute weiß ich warum.......

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