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Krümelchen und die Eule (1)

Von tastifix 19.12.2021, 12:13 – geändert 19.12.2021, 14:37

Krümelchen, der Lebkuchenmann, lag mit vielen anderen Plätzchen zusammen, die das kleine Mädchen selber gebacken hatte, in einer hübschen Schale auf dem Kinderzimmertisch. Ein paar schauten aus wie kleine Prinzen und Prinzessinnen, aber ein Schloss zu fertigen war der Kleinen zu schwierig gewesen. Krümelchen dagegen trug sogar einen roten Mantel mit vier bunten Smartie-Knöpfen. Am besten gefiel ihm der dritte Knopf. Es schwärmte nämlich für Blau und der war dunkelblau.

Weil an jenem Tag sonst nichts Spannendes passierte, schlief die Kleine abends recht früh ein. In Träumen werden selbst Plätzchen manchmal lebendig und möchten etwas unternehmen. So auch Krümelchen. Noch ein wenig unsicher hob es erst den einen, dann auch den zweiten Arm.
„Ist ja cool!“
Mutiger geworden strampelte es begeistert mit den Beinen.
„Draußen solls so schön sein. Das guck ich mir an!“
Fix kletterte es aus der Schale, vom Tisch herunter, lief aus dem Zimmer, die Treppe hinunter, aus dem Haus und in den Garten. Mit großen Augen sah es auf die kunterbunte Wiese. Auf der wuchsen zwischen Apfelbäumen Blumen in allen Größen und Farben. Klar, dass ihm die mit den niedlichen blauen Blüten besonders gut gefielen. Sanft streichelte es über die Blütenblättchen. Dankbar streckten ihm die Blumen das Köpfchen entgegen. Krümelchen lachte froh und sprang dann übermütig kreuz und quer durch das Gras bis hin zum Zaun.

Vor dem Gartentor blieb es stehen. Durch dieses Tor gelangte man besonders schnell zu einem nahe gelegenen Wald.
„Und wie krieg ich das auf?“
Um an die Klinke heranzureichen, musste Krümelchen am Zaun hoch klettern. Oben verschnaufte es kurz.
„Nanu, das Tor ist gar nicht zu! Ist nur angelehnt!!“
Erleichtert schob Krümelchen es weiter auf, stieg wieder hinunter, lief hindurch und wanderte in den Wald. Staunend bewunderte es die riesigen Bäume mit den grünen Laubdächern. Kurz darauf entdeckte es einen Teich. Dessen Wasser blitzte nämlich silbrig durch die niedrigen Büsche am Wegesrand. Auf ihm schwammen Mama Ente, Papa Ente und vier Junge, die schon flink hin- und her paddelten. Krümelchen schaute ihrem lustigen Treiben eine Weile zu. Danach wanderte es weiter, vorbei an blühenden Sträuchern und vielen winzigen Pilzen ringsum, die stolz ihre hübschen Schirme vorzeigten. Den Anblick genoss Krümelchen, aber noch mehr freute es sich über die fröhliche Lieder zwitschernden Vögel über ihm in den Bäumen.

Wieder einmal streifte sein Blick umher, als sich in der Ferne etwas am Wegesrand bewegte. Neugierig schlich Krümelchen langsam näher. Bald schon war ein schneeweißes Schwänzchen zu erkennen. Ein niedlicher Hase saß dort und mümmelte vor sich hin.
„Er hat bestimmt etwas Leckeres gefunden!“
Krümelchen aber hatte keinen Hunger und ging seines Weges. Nach einer Weile stand es vor einem kleinen See. Es wehte kein Wind, das Wasser lag völlig ruhig da und Krümelchen konnte sich darin spiegeln. Stolz wollte es seinen tollen Mantel bewundern, doch erschrak heftig. Anstatt auf den hübschen, blauen Knopf sah es auf ein hässliches Loch. Ausgerechnet seinen Lieblingsknopf hatte es verloren. Entsetzt durchwühlte Krümelchen das Laub, doch dort lag er nicht. Traurig hockte es sich hin und begann zu weinen:
„Mein schöner Knopf! Ich will den wieder haben!“

Immer lauter jammerte es und schließlich so laut, dass es bestimmt alle Tiere, die umstehenden Bäume und auch die kleinen Pilze mitbekamen. Ein Vogel, der in der Nähe gesessen hatte, flog besorgt herbei, um nachzusehen ,wer denn dort so sehr schluchzte. Krümelchen erschrak heftig, als der dann neben ihm landete. Noch nie hatte es einen solch großen Vogel gesehen.
´H..Hoffentlich futtert d..der keine Plätzchen!`
Der Vogel merkte, dass Krümelchen Angst hatte.
„Keine Sorge! Hab gerade ´ne Maus verspeist und bin pappsatt!“
Erleichtert wagte Krümelchen zu fragen:
„Wer bist Du denn?“
„Eine Eule. Ich heiße Gripsy und Du?“
„Ich bin Krümelchen, ein Lebkuchenplätzchen.“
Nun erzählte Krümelchen Gripsy alles und vor allem, dass es sein Lieblingsknopf weg war.
„Hier ist er nirgends!“, schluckte es.
„Du“, meinte Gripsy. „Ich hab ´ne Idee! Wir suchen gemeinsam!“
„Gripsy, mir tun aber die Beine so weh vom langen Wandern!“
Die Eule überlegte:
„Weißt Du was? Du ruhst Dich hier aus und ich flieg ´rum und suche ihn!“
„Danke, Gripsy!!“
Erschöpft lehnte sich Krümelchen gegen einen Baumstamm und die Eule flatterte davon.

„Krümelchen ist über die Wiese gehüpft. Also guck ich dort nach!“
Bis dorthin brauchte sie nur wenige Flügelschläge. Aufmerksam starrte Gripsy nach unten. Eigentlich entging ihren scharfen Eulenaugen so schnell nichts. Doch zunächst entdeckte sie nichts. Sie wollte schon aufgeben, als ihr plötzlich etwas blitzendes Rundes im Gras auffiel.
„Gibts ja gar nicht! Da ist er ja!!“
Fix pickte sie ihn auf und flog eilig zurück zu Krümelchen, das vor Erschöpfung fest eingeschlafen fen war ...

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