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"Kommt mit mir auf die Reise..."

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 29.10.2019, 14:39

Eine Pättkestour durch meine Heimat.
Wir bewegten uns dazu nicht nur auf Schusters Rappen, sondern viel per Pedes durch die Landschaft.
Unsere kleine Reise begann am Hauptbahnhof in Oelde, wo einer nach dem anderen eintrudelte.
Helga und Hans haben sich zusammengetan um angenehmer zu Reisen, das Comtesschen hat sich kurzfristig entschlossen mit Carin anzukommen, die natürlich als Erstes nach einem anständigen Kaffee rief, da es im Zug wahrlich nur Plempe gab. Christel kam zusammen mit mir an und hat mir etwas bei den Vorbereitungen geholfen.
Wolfgang hat nach einer Möglichkeit gesucht, sein Boot mitzubringen; bis Hamm-Datteln über den Kanal wäre er gekommen. In die Ems-Auen bei Rheda-Wiedenbrück hätte er es sicher nicht geschafft, schon wegen des Tiefganges.
Udo hatte sich verspätet, weil er unterwegs so fasziniert von der Landschaft und den vereinzelten Wasserschlösschen war, dass er schon vorab Ausstieg um einiges zu fotografieren.
Wir waren nun alle komplett und dem Wetter entsprechend gut gekleidet. Es war nicht ganz so sonnig und der Tag versprach Regen, aber wir wollten uns nicht davon abbringen lassen.
Da alle im Zug lange gesessen hatten, ging es erstmal ca. 1 km zu Fuß in die Landesgartenschau von Oelde, die ihre Tore 2001 zum ersten Mal geöffnet hatte.
Vorbei an Blumenrabatten und Pavillons, einem künstlichen und einem natürlichen Bachlauf, entlang an dem See, mit dem sich selbst füllenden und auch lehrenden Brunnen, hin zur alten Wassermühle, wo wir an Stehtischen eine kleine Pause einlegten. Da alle schon lange Unterwegs waren, wollte ich ihnen die Gelegenheit zu einem Imbiss und der heiß begehrten Plempe geben. Christel hatte mir fleißig geholfen die Schnittchen zu machen, und war auch sehr geübt darin, die Prosecco Flaschen zu öffnen.
Während wir noch schnabulierten, kam der hiesige Fahrradhändler und brachte uns die geliehenen Drahtesel. Er half unseren Männern dabei, die Sättel in der richtigen Höhe einzustellen, und dann gab es erstmal ein Gruppenbild.
Wir setzten unsere Tour fort auf den Fahrrädern und ließen die Gartenschau hinter uns, vorbei an Teichen und Wildgehege. Über Feldwege und Hauptstraße, durch den Wald hin nach Diestedde. Dort besuchten wir, dass alte Wasserschloss Krassenstein, das an dem Flüsschen Liese steht. Das Schloss war früher einstmals dem Burggrafen zu Stromberg zugehörig, kam aber dann, durch Heirat, in den Besitz derer von Wendt, denen das Schlösschen noch Heute gehört. Von Krassenstein aus, und der Udo konnte nicht an sich halten mit seinem Fotografieren, ging es weiter über ausgedehnte Feldwege und Wald hin nach Sünnighausen an die Forellenteiche. Dort wurde eine kleine Rast gemacht, denn der Besitzer bot an, den selbst gefangen Fisch zu grillen. Hans ließ sich dies nicht zweimal sagen und auch Wolfgang schien diese Aussicht gut zu gefallen. Während er die Angel warf, skizzierte Hans der Maler ihn als nächstes, mögliches Motiv.
Die Damen schauten dem Ganzen erwartungsvoll zu, besprachen den bereits gefahrenen Weg, tranken einen Kaffee und warteten auf den gegrillten Fisch mit Knoblauch-Baguette und Kräuterbutter.

Nach dem Mahl stiegen wir, etwas träger vom Essen, wieder auf unsere Drahtesel und fuhren über Hügelketten und Seitenstraßen nach Stromberg. Weites Land tat sich ihnen überall auf. Aber, wie waren sie erstaunt als sich, nach einem verdeckten Rundweg, vor uns die Landschaft öffnete, und es gab ein Ah und Oh, denn die Felder standen gut im Getreide und die ersten Rapsblüten waren zu sehen. Auch die Obstplantagen freuten sich über eine üppige Blütenpracht und so wird es im Herbst hoffentlich wieder eine gute Pflaumenernte geben, wofür Stromberg auch über die Grenzen hinaus bekannt ist. Nicht nur, denn die Stromberger Pflaume hat ein europäisches Gütesiegel bekommen und nur sie darf sich auch ‚Stromberger Pflaume‘ nennen.
Die Strasse ein Stück wie eine Allee gehalten, schauten wir über die Ebene meines Heimatortes, die ich als Unterstromberg kenne. In Oberstromberg thronte weit sichtbar die Wallfahrtskirche, die Kreuzkirche; zu dieser hin wollte ich die Mannschaft führen. Die Kreuzkirche wurde ca. 1207 als „major ecclesia in castro“, also in die Burg gebaut und war von Anfang an eine Wallfahrtskirche, da sie in ihrem Kreuz ein Stück des Balkens verewigt hat, der zum Kreuz Jesu Christi gehörte, dessen versilbertes Abbild auf diesem Kreuz, einem jedem Pilger entgegen schaut. Das Kreuz wurde über die Jahrhunderte mehrfach gestohlen und glücklicherweise immer wieder aufgefunden. Zudem liegt die Kreuzkirche auf einer Linie mit anderen Kirchen und Klöstern der Umgebung, die von Karl dem Großen bereits gegründet wurden. z. B. die Abtei in Liesborn, die er auf seinem Weg nach Paderborn gründete.
Die ersten beklagten ihren Bobbes, der sich anfühlte als hätte sie ein Wolf gebissen, also gingen wir ein Stück zu Fuß, die Strasse hinauf. Vorbei an Fachwerkhäusern kamen wir zur Burgstrasse, von der aus wir gut den Paulusturm sehen konnten, der uns als treuer, alter Wachturm erstmal den Zugang und Blick auf die alte Burganlage verwehrte.
Die Burganlage stand einstmals an einer strategisch günstigen Stelle, da auf einem Höhenzug der Beckumer Berge (150 m ü. Mss.), die weite Sicht ins Land, die ankommenden Feinde sehr schnell auszumachen waren.
Die erste Urkundliche Erwähnung der Burg und der Burggrafen war zu 1177, anlässlich der Kaiserwahl; obschon die Burg viel länger gestanden haben muss. Bereits zu Widukinds Zeiten, denn Stromberg gehörte einst dem Sachsenland an, und hieß mit keltischem Namen Strongberge.
Dies freute besonders Helga und Hans, denn ich bin gewissermaßen eine Landsmännin, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Die Geschichte besagt, dass an dem Platz, an dem die Kreuzkirche steht, einstmals ein heidnischer Gebetsplatz war und noch heute wird auf dem großen Rasenplatz hinter der Kirche traditionsgemäß das Osterfeuer als erstes angezündet.
Von diesem Platz aus, hat man einen wunderschönen Blick, weit in das Paderborner Land hinein. Bis nach Erwitte oder die Zementwerke in Geseke ist der Blick. Im Süden Strombergs geht der Blick bis an den Haarstrang und dem Teutoburger Wald. Bei ganz klarem Wetter, und mit Hilfe eines Feldstechers, sieht man sogar das Herrmanns Denkmal.
Stromberg wird als Luftkurort bezeichnet und war lange Zeit nur eine Titularstadt, jedoch, ob seines schönen Blickes und der Idylle des Örtchens auch über Jahre ein Gold Dorf bei dem Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.
An dem Burghof angekommen, wurden wir von dem Burggrafen in historischem Kostüm begrüßt. Er bot uns zum Willkommen einen echten Stromberger Bärenfang an, der von einer hiesigen Brauerei bis über die Grenzen hinaus bekannt gemacht wurde.

Danach lud ich alle, auch zur Erholung in den Burggrafen ein, da die Besichtigung der Burganlage nicht weitergehen konnte, denn die Burgbühne mit ihren Laienschauspielern probten auf den Stufen der Kreuzkirche ihr Abendstück „Die Schöne und der Schelm“ eine Komödie von Nikolay von Gortschakov.
Das Hotel „Zum Burggrafen“ hat sich gerade in den letzten 10 sehr gut entwickelt. In dem dazugehörigen Restaurant und ruhten wir uns alle, zum allgemeinen Vergnügen, bei Plempe, Prosecco, Stromberger Schnaps und einem guten Essen aus.

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