Ich, Knödel, soll mich eingewöhnen
Von
tastifix
Donnerstag 16.07.2020, 14:17 – geändert Samstag 18.07.2020, 20:25
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
Donnerstag 16.07.2020, 14:17 – geändert Samstag 18.07.2020, 20:25
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Angekommen in unserem Stadtteil, verfrachtete mich mein neues Frauchen für den Rest des Weges zurück in den Weidenkorb, den ihr, wie sie mir viel später mal erzählte, ihre Älteste extra als Ersatzbabytrage für mich geliehen hatte.
„Ein Federgewicht bist du aber nicht!”
´Na, was denkst du denn? Werd doch mal nen großer Hund! - ´Hm, vielleicht können Menschen ja nicht so weit denken?`
Darüber dachte ich dann doch noch etwas länger nach.
Zu Hause stellte Frauchen mich mit Weidenkorb oder eher Weidenkorb mit mir in der Diele ab.
„Geschafft!”, stöhnte sie.
Plötzlich standen ein großer und vier kleine Menschen um mich rum und quiekten laut. Wohl vor Freude, dass ich endlich da war. War ja auch kein Wunder, so süß, wie ich aussehe. Trotzdem blieb ich lieber im Korb sitzen, denn in dem fühlte ich mich noch sicherer als in dieser fremden Umgebung. Außerdem machts ja auch Spaß, mal einfach nur rum zu hocken. Damit sie aber nicht so enttäuscht sein sollten, guckte ich sie ganz besonders drollig an.
"Ach, Knödelchen! Du bist ja soo süß!"
`Prima, die sind ja hin und weg von mir!`
In Frauchens Schlafzimmer stand ein schickes Hundebett für mich, gepolstert mit einer weichen Kuscheldecke mit vielen hübschen Kauknochen drauf.
´Sie weiß, was wir Waulis wollen!`
Bedenkt: Das war ein sehr großes Lob.
Naja, ich saß also dort und guckte mir Frauchens Welpen an. Sie hatte gleich vier davon. Also vier Ersatzschwestern für mich.
"Knödelchen, komm doch mal mit. Wir haben auch ganz viel Spielzeug ..."
"Vor allem viele Bälle!!", meinte die Älteste.
Damit eroberte sie mein Hundekinderherz im Sturm. Ihres hatte ich ja sowieso schon geklaut. Es war übrigens das Einzige, was wir Hunde auf jedenfall klauen durften und sollten. Bei Anderem gabs allerdings Schimpfe. Wusste ich noch von meinem Ziehpapa, dem Züchter.
" Also, der zählt zum Glück nicht zu denen, die bereits am ersten Tag die Wohnung umräumen!", hörte ich Frauchen sagen.
Ganz bestimmt sogar nicht. Das hatte meine Mama mir beigebracht, dass man sowas nicht tat. Nein, ich würd lieber noch auf der Decke sitzen bleiben und einfach so tun, als ob ich unbedingt auf die Kauknochen aufpassen wollte.
´Vielleicht mögen ja Menschenkinder die auch?`
Das Risiko ging ich nicht ein, waren doch jetzt meine!
Selbst noch ne Weile später rührte ich mich von dort nicht weg. Mein Menschenrudel dachte wohl, ich hätte immer noch Angst davor, mal alles zu durchschnuppern und wollten mir Mut machen. Der große Mensch `Papa` zupfte vorsichtig an der Decke. Ihm zuliebe, damit er nicht noch geknickt sein sollte, rückte ich mal eben die Pfoten neu zurecht.
´Das reicht bestimmt aus, damit er fröhlich bleibt!`
Zur Sicherheit blinzelte ich sie weiterhin lieb an. Schön, sie lachten ja!
„Meine Güte! Wie machen wir ihm bloß klar ,dass er sich hier wohlfühlen soll?"
Und dann hatten sie tatsächlich ne tolle Idee! Deren Welpen `Kinder` holten einen Napf mit Wasser. Um ihnen eine Freude zu mache und, weil ich ziemlich durstig war, leerte ich ihn fix. Aber vielleicht wars auch ein bisschen zu fix, denn die trugen sofort neues Wasser herbei.
`Vielleicht meinen die, ich würd` sonst verdursten?`
Gerührt deswegen, trank ich den auch schnell leer und immer stand dann sofort neues vor mir. Damit sie dann möglichst glücklich werden sollten, schlappte, ich, der kleinen Prinz vom Scheitel bis zur Sohle, Wasser bis fast zum Umfallen und musste in den darauf folgenden Stunden dauernd aufs Klo.
Das konnte ich leider nicht verhindern. Aber auch so wollte ich alle zwei Stunden raus.
Vor allem nachts schien Frauchen davon begeistert zu sein. Wenn sie mal nicht sofort aus ihrem Oberhauptkörbchen sprang, machte ich so lange Radau, bis es sie dermaßen nervte, dass sie endlich aufstand.
´Eigenartig, sie läuft ja so wackelnd. Ob sie auch noch nicht gelernt hat, wie man richtig rum trappst?`
Wenigstens deshalb brauchte ich mir dann nicht mehr lange Sorgen zu machen. Ich war ja ein sehr schlaues Hundekind und merkte recht schnell, dass sie das machte, weil sie gar nicht richtig wach war. Rücksichtsvoll, wie ich war, beeilte ich mich deswegen stets mit Pippi und Häufchen und zog sie fürsorglich an der Leine nach Hause zurück.
Bei Mistwetter wäre ich am liebsten daheim aufs Menschenklo gegangen. Aber das war verboten.
´Vielleicht haben die Angst, wenn ich dort oben drauf sitzen würde, dass mir plötzlich schwindlig wird und ich runter plumpse?`
Ein weiteres Mal war ich ganz gerührt:
´Wau, seid Ihr lieb!!`
Zu hause dann wieder in meinem tollen Korb, schielte ich noch kurz zu Frauchen und überlegte:
´Soll ich ihr besser ein Schlafliedchen vor bellen?`
Doch zu Frauchens Glück war ich dafür viel zu müde, drehte mich vor Wonne schmatzend einmal um mich selber und war auch schon eingeschlafen.
Am nächsten Morgen hat Frauchen mir dann gesagt, dass sie so traurig gewesen war, weil sie selber das erst viel später geschafft hat.
"Knödelchen, das ist soo ungerecht!"
Hm, allzuviel wusste ich dazu nicht zu bellen. Naja, ´ungerecht` würde sie mir bestimmt irgendwann noch erklären.