Knapp entkommen
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 18.07.2019, 14:36
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!982 war ich allein 2 Wochen auf Kreta zum Wandern, ich erkundete die Insel zu Fuß, streckenweise per Anhalter, schlief am Strand oder unter Olivenbäumen, bei einem Schäfer inmitten seiner Schafe oder in Bergdörfern bei den Griechen.
Es war mein erster Auslandsaufenthalt, ich konnte nur wenige Brocken englisch, die Reise war nicht allein geplant, aber eine Freundin hat kurz vorher abgsagt.
Da stand ich nun in einer ganz neuen und mir schwer vorstellbaren Situation und mein Abendteuer begann. Nicht ohne Angst und Zweifel.....
Herzrasen, Flugangst und mit dem Gefühl, ausgesetzt zu sein stand ich in Heraklion auf dem Flughafen. Bei einem griechischen Salat und Kaffee verbrachte ich eine Stunde, redete mir gut zu und nahm mir vor, mich für alles zu öffnen, zu vertrauen auf mein Sein und mit offenem Herzen und wachem Geist diese Zeit zu erleben.
Es war wunderbar, die meiste Zeit wanderte ich allein, habe die Gastfreundschaft der Griechen als wohltuend erlebt und während dieser 14 Tage nur gute und bereichernde Erfahrungen gemacht. Die meditärane Landschaft, die sternenklaren Nächte in Olivenhainen, die Luft, das Meer und die Einsamkeit hatten eine wichtige und prägende Langzeitwirkung auf mich.
Energiegeladen und glücklich kam ich zurück nach Berlin, erzählte meinen Töchtern davon und wir planten sofort 3 Wochen später eine solchen Urlaub zu dritt, allerdings diesmal mit einem einfachen Quartier.
Ich wählte einen Ort im Süden, ich hatte ihn kennengelernt, es gab dort noch kein elektrisches Licht, alles ganz einfach, nur in der kleinen Taverne einen Generator.
Meine Töchter waren total begeistert, aber dieser Urlaub verlief so ganz anders. Im Ort gab es viele Handwerker, die gerade Strom anschlossen und bereits am 2.Abend verliebte sich meine 17 jährige Große in einen Griechen, der dort auf Montage war. Tschüss Mama und weg war sie und fuhr mit Jimmy mit dem Mofa in eine kleine Bucht und kam erst um Mitternacht nach Hause. Ich war in großer Sorge, aber sie lachte und meinte , er holt sie am nächsten Abend ab und sie fahren wieder dort hin.
Am nächsten Tag sprach mich ein alter deutscher Mann an, er konnte auch Griechisch und sagte sehr eindringlich: "Mutter, bring deine Tochter in Sicherheit, ich habe ein Gespräch mitangehört, die Griechen treffen sich am Abend mit Jimmy in der Bucht und nehmen sich deine Tochter vor.
Ein ernstes Gespräch mit meiner Großen war völlig sinnlos, sie lachte mich aus. Meine Gedanken überschlugen sich, die Mädels gingen baden und ich fasste einen Plan.
Als Jimmy abends kam lud ich ihn ein, mit uns was zu trinken um ihn kennenzulernen und meine Tochter trank fröhlich mit. Absichtlich aber vorsichtig machte ich sie so betrunken, dass sie nicht mehr auf das Mofa steigen konnte und ich vertröstete Jimmy auf den nächsten Abend. Als sie tief schlief packte ich all unsere Sachen zusammen, nahm ihren Ausweis an mich und wir nahmen den ersten Bus um 6 Uhr, um den Ort zu verlassen. Meine Große tobte, schrie, weigerte sich mitzukommen, trottete aber heulend hinter uns her.
Eine Stunde über die Berge, dann hielt der Bus in einem kleinen Ort am Meer, dort nahm ich für uns ein Zimmer und als ich allein war heulte ich vor Erleichterung. 3 Tage sprach meine Tochter kein Wort mit mir, schaute mich giftig an und aß nur das Allernotwendigste.
Ich ließ sie in Ruhe, thematisierte es nicht, sondern vertraute auf die Zeit, auf das Meer, auf die ganze wunderbare Natur und so fing sie sich wieder, machte schüchterne Annährungsversuche und öffnete sich schließlich für einen Urlaub mit der "bösen Mutter" und der 14 jährigen Schwester.
Dann hatten wir eine wunderbare Zeit miteinander und im September, nach 37 Jahren fährt sie allein mit ihren 5 Kindern noch einmal dahin, weil sie diese herrliche Insel einfach ihren Kindern zeigen und selbst noch einmal entdecken möchte. Meine Große ist eine sehr starke und stolze Frau, sie wollte mit mir nie über die damalige Situation sprechen und ich schwieg auch.