Kinderreise mit 10 Kindern 3-4 Jahre alt - 1987
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Feierabend-Mitglied
Samstag 08.07.2023, 23:03
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1987 arbeitete ich in einer Kindertagesstätte als Leiterin. Ich plante mit den Eltern eine 10 tägige Bahnreise auf einen Bauernhof nach Einbeck. Der Bahnhof in Einbeck ist seit Jahren stillgelegt, die nächste Ausstiegsmöglichkeit gab es erst 40 km weiter.
Für eine Gruppe von 10 Kindern im Alter von 3-4 Jahren war es schwierig mit Gepäck und so kleinen Kindern in einen Bus umzusteigen und zurückzufahren.
Da mich ja immer das scheinbar Unmöglche besonders reizt ging ich in ein Reisebüro, trug meinen Fall vor und fragte, ob es möglch ist, dass der ICE in Einbeck für die Gruppe mal zum Aussteigen anhalten kann. Man lachte mich aus und schüttelte fassungslos den Kopf. Das wollte ich so nicht hinnehmen. Ich setzte mich also mit den Kindern hin, wir entwarfen ein Plakat mit den Fotos und den Handabdrücken der Kinder, ich machte ein Gedicht dazu und das schickten wir an den Bundesbahnpräsidenten Herrn Herrman nach Hannover.
Nach einer Woche bekam ich einen Anruf, persönlich von ihm: "Hallo. hier ist der liebe Onkel Herrmann aus Hannover, wie haben uns riesig über das Plakat gefreut, ich habe es rahmen lassen und es hängt jetzt über meinem Schreibtisch. Selbstverständlich werde ich dafür sorgen, dass der ICE in Einbeck einen Sonderstop einlegt. Tag und Uhrzeit müssen wir noch absprechen"
Ich war sprachlos und unsere Eltern auch.
Dann ging es an dem geplanten Tag los. Die Kinder waren voller Abenteuerlust, die Eltern im Trennungsschmerz.
Eine halbe Stunde vor Einbeck begannen wir, 2 Praktikanten und ich, zusammenzupacken und sagte dem Zugbegleiter Bescheid, dass der Zug in Einbeck hält. Lautes Lachen und er bot mir eine Wette an. Wenn der Zug außerplanmäßig hält bekäme ich 20.-DM, wenn er durchfährt muss ich 20.-DM an ihn zahlen. Er war seiner Sache hundertprozentig sicher, und ich grinste nur.
Der Zug hielt in Einbeck, die Ortspresse war informiert und vor Ort, ein langer roter Teppich war über die Schienen bis zu dem verfallenen Bahnhofsgebäude gelegt und die Zwerge wurden mit ihren kleinen Rucksäcken aus dem Zug gehoben und zum Gebäude geführt. Dann noch die Koffer ausgeladen, viele Fotos mit dem Bürgermeister und Ortsbewohnern entstanden, die dann in der heimischen Presse veröffentlich wurden. Und viele Fahrgäste guckten lachend aus den Fenstern.
Man hatte für uns zwei sauber ausgespritzte Viehwagen organisiert und so fuhren wir mit großem Hallo und laut singend auf den Bauernhof.
Es war eine tolle Zeit für Großstadtkinder, die noch nie Bahn gefahren waren und die kleinen Mäuse durften täglch mit Mama oder Papa telefonieren.
Die Rückreise war auch genau so organisiert. In Berlin bekam ich von den Eltern eine Sondergratifikation von 100.-DM und nach einer Woche die Information, dass die Kinder um vieles selbständiger geworden sind.
Das hat mir wieder einmal gezeigt, dass es sich lohnt, das Unmögliche zu versuchen. Später habe ich mit meinen Gruppen noch mehrere solcher scheinbar nicht machbaren Aktionen durchgeführt.