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Wo bekommt man ...? Bei Senor Wunnebar in Spanien

Von tastifix Donnerstag 27.06.2019, 19:59 – geändert Donnerstag 27.06.2019, 20:20

Das Essen im Hotel entspricht nur zum Teil unseren Vorstellungen. Deshalb sehen wir uns mittags nach einem kleinen Imbiss um. Etwa hundert Meter weiter werden wir fündig. Beim Lesen des Restaurantnamens fühlen wir uns eigenartig heimisch: ´Bottroper Treff.` Zwar ist es ein Mini-Treff mit nur sechs Tischen, aber dafür mit einem 107-bener Bildschirm an der Wand. Über den flimmert, kommentiert in deutscher Sprache, die Olympiade.

Wir sinken auf die gemütlichen Rattanstühle und schielen auf die Speisekarte. Eigentlich sollten wir ausschließlich spanische Gerichte kosten … Doch die Versuchung ist zu groß: Die Speisekarte präsentiert sich nämlich als ein wahrer Menü-Engel und lockt mit deftiger deutscher Hausmannskost.
„Die führen sogar Kartoffelsalat!!"
Cool! Bei der Affenhitze von weit über 30 Grad werde mich daran erfrischen.

Schon tänzelt der Wirt heran.
„Junge Frau (ähem!), junger Mann (ähem,ähem!!). Was möchten Sie essen?"
„Bockwurst mit Kartoffelsalat!"
„Wunnebar! Kartoffelsalat macht Mama selber und Oma!“
Er wirft Kusshände in Richtung der Theke. Überhaupt redet er mit Händen und Füßen und zudem ohne Pause.
Wir möchten uns so gern in Ruhe unterhalten, allein gönnt er uns dafür keine Chance.
„Mama bella, macht alles frisch. Große Hotels - Essen nicht gut, aber wir machen alles selber, alles frisch ... Oma und Mama!"
Wir nicken und sehnen den Kartoffelsalat herbei.

Zehn Minuten später bringt er das Besteck und die Servietten:
„Wunnebar! Junge Frau, junger Mann. Bitteschön!"
Wir danken.
Dann kommt dieses Modelwerk der Kochkunst. Der Wirt hat wirklich nicht zuviel versprochen. Der Salat ist hervorragend.
„Der ist prima!"
„Ich habe ja gesagt: Mama und Oma alles selber, frisch, nicht wie in Hotelküche. Wunnebar"
„Der ist leckerer als so manch ein Kartoffelsalat in Deutschland!!"
Der Wirt flippt fast aus vor Stolz und betont nochmals, wie wunnnebar alles sei: Wir wunnebar, Speisekarte wunnebar und vor allem Mama und Oma.
„Ich seit bereits 39 Jahren in der Gastronomie. Alles frisch, wunnebar!"
„Wir kommen morgen wieder!"
„Wuunnebaar!!"

Am nächsten Tag erkennt er uns schon von weitem und empfängt uns mit ausgebreiteten Armen.
„Aah, junge Frau! Aah, junger Mann! Alles gut?"
Fürsorglich blickt er uns in die Augen. Eilig bestätigen wir ihm, dass es uns hervorragend geht. Wir hoffen, so den Redeschwall ein wenig abkürzen und dann etwas eher den köstlichen Salat genießen zu können. Doch da haben wir Senor Wunnebar, wie wir ihn jetzt nennen, beträchtlich unterschätzt. Der ist nämlich nicht zu bremsen und verwickelt uns in ein tiefsinniges Gespräch. Eher ein mehr als temperamentvolles Solo und die Tiefsinnigkeit springt vom 10000 m-Lauf auf dem Bildschirm zum zu erwartenden Kartoffelsalat und wieder zurück.
„Aah! Wunnebar: Eine Medaille! - Junge Frau, junger Mann, Kartoffelsalat kommt gleich. Mama macht alles selber, Oma auch, mhmm! Wunnebarr!"
Die Kusshände nehmen kein Ende. Ich bin heilfroh, dass er mich damit verschont.

Auch diesmal schmeckt es vorzüglich. Auch diesmal zeigen wir unsere Begeisterung deswegen.
„Also wirklich:Einfach toll!!!"
Mit diesem Lob haben wir Senor Wunnebar in sein Element befördert. Er legt los:
"Wunnebaaar, aah, sag` ich doch! Alles frisch, alles selber, Mama, Oma, prima, Hotel nicht gut! - Ich arbeite bereits seit 39 Jahren in der Gastronomie ... Einfach wunnebaaaar!!!"

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