Ich stelle euch mal das jetzt vor:
Von ehemaliges Mitglied 17.02.2019, 20:43
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Also nur einen klitzekleinen Ausschnitt. Wenn, liebe 100lakritze , das hier nicht her passt, lösche ich es selbstverständlich. Ich fand aber nix, die Schreibwerkstatt ist geschlossen und Gedicht ist es nicht, Geschichte eigentlich auch nicht.
Ich sitze seit Monaten an einem Buch, das so heißen wird:
Lass mich mit einem Kamel Lambada tanzen!
Keine Bange, all die derzeit über 300 Seiten kommen hier nicht hinein. Mich interessiert, ob ich die Sprache so verwende, dass man mir folgen mag.
Aus meinem Tagebuch: (das lasse ich so, wie ich damals schrieb)
Mit Marion, sie war gerade mitten in der Chemotherapie, walkte ich durch den Schlosspark. Wir treffen uns dort, weil es Bänke zum Ausruhen gibt, die wir dafür selten nutzen, eher als Zielvorgabe, weil es Toiletten gibt und die Möglichkeit, notfalls die Erste-Hilfe zu rufen, was noch nie notwendig war. Das zur Erläuterung.
Wir walkten also mit unseren Stöcken durch den Schlosspark. Marion mit Tupfern in der Nase, da aufgrund der Chemo ihre Nase mitunter lief wie ein Wasserfall und das Naseputzen mit den Stöcken in den Händen doch sehr umständlich war. Sie zog energisch los und blieb urplötzlich stehen. Ich stockte. Hatte ich sie überfordert?
»Ist was? Geht es dir nicht gut?« fragte ich besorgt. Sie sah mich lächelnd an, setzte den einen Fuß behutsam ab und meinte: »Schau, ein Gänseblümchen.«
Gemeinsam bestaunten wir es, als hätten wir ein Edelweiß mitten im Park entdeckt.
....
Wann macht etwas Sinn und wann ist es hanebüchener Unsinn?
Ich hatte sehr oft den Eindruck, dass meine Wünsche und mein Tun während der langen Therapie, ganz besonders in der sehr harten Chemo- und Strahlentherapie, manchen genauso vorkamen, als würde ich mit einem Kamel Lambada tanzen wollen. So oft es ging, trainierte ich meine Sportlerchens weiter, nahm am Training für die Übungsleiter teil, fuhr mit ins Trainingslager, stand an der Bahn beim Sechstagerennen, walkte Kilometer um Kilometer, fuhr Rad und nahm Auszeiten an der Ostsee. Die Erwartungshaltung war eine andere: Brav liegen oder sitzen, erholen, ausruhen und das Bild des Krankseins, das in den Köpfen wie auch immer herumspukt, zu erfüllen. Nix da! Im Fatigue-koma war ich zwar mit jeder Chemogabe immer länger, doch dem, was mich überleben lassen sollte, unterwarf ich mich nur, wenn wirklich nichts mehr ging. Ich lag dann nach Möglichkeit im Garten auf einer Liege – wohl wissend, das geht wieder vorbei. Eine andere Wahl hatte ich ja auch nicht, also.
Ob das Kamel mit mir Lambada tanzen könnte, nur weil mir so sehr danach ist?
Ist ein sich so wiegendes Tier dann noch ein Kamel? Oder ist ein Kamel deswegen ein Kamel, weil es sich zum Affen macht und nach meiner Musik tanzt? Mach dir deinen eigenen Reim drauf. Mir flutschte dieser Buchtitel so in meinen Kopf und platzierte sich dort: »Mach, wat du willst, ick bin da und klebe hier fest.«
Es könnte eine ganz tolle Zirkusnummer werden, berühmt über den ganzen Erdenball hinweg: Das Lambada tanzende Kamel. Oder bin ich das Kamel mit Locken? Als ich ein Kind war, schimpfte meine Mutti nicht selten vor sich hin, wenn mir manches temperamentvoll oder tollpatschig danebenging. Dabei war für mich alles Banane, denn dem Affen Zucker geben, kann so herrlich sein. Immer mehr habe ich gelernt, mir diese Freiheit zu nehmen und darauf zu niesen, was andere meinen. Wir sollten diese scheinbar absurden Wünsche leben lassen und über sie schmunzeln und den einen oder anderen anstreben, denn wie so oft im Leben, ist der Weg schon das Ziel.
Soll- muss reichen. Danke euch, wenn ihr bis hier gelesen habt.