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Ich, Knödel, beim Tierarzt (7)

Von tastifix Dienstag 01.09.2020, 17:42 – geändert Dienstag 01.09.2020, 18:45

Die Spritze kam näher und näher. Ich strampelte heftig und heftiger und es gelang mir tatsächlich, mich aus dem gemeinen Klammergriff der Zweibeinertruppe zu winden. Angst verleiht ungeahnte Kräfte, die ich dann prompt einsetzte. Bevor die entsetzte Mannschaft um mich herum überhaupt zufassen konnte, machte ich einen gewaltigen Hopser mit allen Vieren hoch in die Luft.
„Um Gotteswillen, Knödel!“, stöhnte Frauchen.

In ihrem Schrecken sah sie mich bestimmt schon zermatscht am Boden liegen. Die Anderen starrten nur entsetzt. Es hatte ihnen wohl die Sprache verschlagen. Triumphierend forschte ich aus luftiger Höhe in deren Gesichtern. Hm, die waren ja fast so weiß wie deren Kittel. Hatte ich die etwas mit meiner Aktion dermaßen beeindruckt?
„Wartet nur ab. Das war ja noch nicht alles!“, brummelte ich.
Anstatt im nächsten Augenblick als platter Flokati den Boden des Untersuchungszimmers zu schmücken, landete ich mit allen vier Pfoten wieder auf dem Tisch. Nein Freunde, ich war nicht etwa jener Kugelbaron, über den mir Frauchen mal die tollsten Geschichten erzählt hatte, sondern einfach nur sehr sportlich.

Sofort umklammerten sie mich wieder, diesmal noch fester. Ob die befürchteten, ich könnte dieses Kunststück wiederholen? Ich war gefangen und trotzdem nicht unzufrieden, denn die Spritze hing da immer noch in der Luft und nicht in meinem Allerwertesten. Dummerweise bedeutete es aber, dass ich die Prozedur immer noch nicht überstanden hatte. Wieder und wieder versuchte ich, nach hinten und auch vorne wegzurutschen. Vergeblich. Zweibeiner lernen anscheinend schnell und da hatten sie extra schnell dazugelernt. Also blieb es mir nur noch, ein grauenhaftes Heulen vom Stapel zu lassen. Vielleicht bekam ich sie damit k.o.?

Frauchen lief der Schweiß übers Gesicht, den Helferinnen ebenfalls und meine geliebte Ärztin wirkte total groggy. Sie waren eindeutig alle reif für eine Dusche. Wenigstens das hatte ich erreicht.
„Knödelchen, hör auf mit dem Quatsch. Ist doch längst vorbei“, redete Frauchen auf mich ein.
„Wauwuuh??“, stutzte ich.
Weil sie mich noch nie angelogen hatte, musste ich es ihr wohl glauben.
„Aber ich hab` doch überhaupt nichts gemerkt!“, jaulte ich kurz, dann schon sehr viel leiser.
Demnach durfte ich also weiterleben.

Als ich mich beruhigte hatte, schämte ich mich regelrecht, mich so angestellt zu haben. Das war eines Prinzen von Emsdahl wirklich nicht würdig gewesen. Die Ärztin lachte, die Helferinnen streichelten mich und Frauchen schmuste mit mir. Das eine junge Mädchen nahm mich ein zweites Mal auf den Arm. Diesmal hatte ich keine Angst. Vorsichtig setzte es mich auf den Boden. Zuerst wackelten mir die Beine noch ein wenig. Aber dann stellte ich mich schon wieder selbstbewusst hin und wedelte sogar etwas:
„Wauwuff!“
Das hieß soviel wie:
„Überstanden!!!“
Böse war ich ihnen übrigens nicht, war ja nicht nachtragend.

Frau Dr. Pieks vermerkte die Impfung in meinem Pass, ließ sich von Frauchen ein wenig Geld dafür schenken und wandte sich danach zu mir:
„Na, du Süßer, war es denn so schlimm?“
Um nichts in der Welt hätte ich zugegeben, dass dem nicht so gewesen war. Die Ärztin öffnete eine mir aus den Vorjahren sehr wohl im Gedächtnis gebliebenen Schublade und holte eine große Tüte mit leckeren Frolics heraus.
„Komm mal her. Für Dich zur Versöhnung!“, streichelte sie mir über den Kopf.
Ich guckte sie lieb an, nahm aber nichts.
„Wuffwuff!“, war meine nicht mehr so ganz schüchterne Antwort darauf.
„Typisch, Knödelchen! Er wäre ja auch nicht er, nähme er hier jetzt noch Leckerchen an! - Wissen Sie was? Ich geb` Ihnen ein paar davon mit. Vielleicht nimmt er sie ja draußen!“

Aufatmend verließ Frauchen mit mir die Praxis.
„Uff, Knödelchen, was Du da veranstaltet hast, war ja wahrlich Spitze!“
Geschmeichelt gab ich ihr recht, denn dem Ton nach zu urteilen, war es als großes Kompliment an mich gemeint. Oder vielleicht doch nicht ...?? Kaum draußen, setzte ich mich mit einem Super- Dackelblick vor mein Frauchen, legte den Teddykopf schief und hob die Pfote.
„Her mit den Leckerchen!“
Frau Dr. Pieks beobachtete uns von der Praxistür aus und lachte sich kaputt. Frauchen lachte mit.
Wieder bester Laune, marschierten Frauchen und ich nach Hause.

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