Ich, Knödel, beim Tierarzt (4)
Von
tastifix
Montag 31.08.2020, 09:16
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tastifix
Montag 31.08.2020, 09:16
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Mittlerweile saß ich als einziger Hund noch im Raum. Mir schwante Böses. Wie ich es ja schon befürchtet hatte, öffnete sich prompt die Tür. Da trat nicht etwa eins der netten jungen Mädchen, die so toll streicheln konnten, herein, sondern leider Frau Dr. Pieks persönlich.
Ich hätte mich in meine Rute beißen mögen, so ärgerte ich mich dann über mich selber. Denn anstatt vor Angst zu knurren, fing ich tatsächlich schwach an zu wedeln.
"Ach, Knödelchen, du sitzt ja da wie ein Häufchen Elend!"
Und zu Frauchen:
"Ich gebe ihm unbedingt Recht: Ne Impfung ist wirklich etwas Furchtbares!"
"Stimmt!", dachte ich. "Du sagst es. Warum lässt du es dann nicht einfach sein?"
Mein Hundeherz machte einen winzigen hoffenden Sprung, den es aber sofort bitter bereuen sollte.
"Na, dann komm ´mal mit, du Süßer!", forderte mich nämlich Frau Dr. Pieks auf.
So ein Mist, die war ja genauso stur wie Frauchen.
Allerdings bot sich ein Bild für die Götter, denn mein sogenanntes Mitkommen bewies sich als reif fürs Menschentheater. Dort wäre ich garantiert der Lacherfolg gewesen. Frau Dr. Pieks griff sich die Leine und zog mich vorsichtig, aber unnachgiebig auf das dämliche Behandlungszimmer zu. Von hinten schob stöhnend Frauchen. Ich war eingekeilt, eine Gegenwehr also eigentlich zwecklos.
Doch einen Versuch war diese brenzlige Situation auf jeden Fall wert, fand ich. Also machte ich mich schwer wie ein nasser Sack und wog so wahrscheinlich fast soviel wie mein entfernter Verwandter, der Braunbär. Es war zum Donnerknurren: Zu meinem Pech waren die Ärztin und Frauchen plötzlich so stark wie drei von denen zusammen. Mehr auf dem Po rutschend als auf allen Vieren laufend landete ich unverschämt fix im Untersuchungszimmer. Dessen Anblick gab mir den Rest. An der einen Wand stand ein Schrank mit durchsichtigen Türen. Ahnungslos schielte ich da rein und erspähte einen eigenartigen langen Schlauch, der mir irgendwie bekannt vorkam. Richtig: Mit dessen Hilfe hatte die Ärztin sich mal früher mit meinem Herzen unterhalten.
"Bumm, bumm!", hatte es damals brav geantwortet, aber zu ihrer Enttäuschung keines meiner Geheimnisse verraten.
Äätsch, so leicht war ich denn doch nicht nicht zu überlisten gewesen. Eines musste ich ihr ja zugestehen: Sie hatte sich recht schnell damit abgefunden und die Abfuhr tapfer ertragen.
"Das Ding da ist also harmlos!", entschied ich.
Doch dann guckte ich aufs nächste Regalbrett und erstarrte vor Entsetzen. Da lagen kleine und große Spritzen mit ganz dünnen oder auch dicken Nadeln und sogar riesige Messer. Eines davon sah so gefährlich aus wie das aus Frauchens Küche. Jetzt gab es für mich keinerlei Zweifel mehr:
"Von wegen ´Impfung` - ich soll geschlachtet werden!!"
Für mich stand jetzt fest, dass mein letztes Stündlein geschlagen hatte. Doch verständlicherweise hatte ich etwas dagegen. Ich drehte fast durch vor Panik.
„Nicht mit mir!“, meckerte ich.
Der Hundehimmel sollte getrost noch ein bisschen warten.
"Wau-winsel, falls ich da überhaupt ´rein dürfte!"
Diesbezüglich kamen mir doch arge Bedenken. Zwar war ich als wahrer Engel durchs Leben getrabt, aber ob das wirklich engelig genug gewesen war ... ??
Noch aber hatte ich wichtigere Sorgen ...