Ich, Knödel, beim Tierarzt ( 3)
Von
tastifix
30.08.2020, 17:55
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tastifix
30.08.2020, 17:55
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Kurz danach kamen wir schon in Langenfeld an. Kaum aus der Bahn gesprungen, setzte ich mich wieder trotzig hin. Bis auf einen wütenden Blick Frauchens brachte mir das gar nichts. Leute, die nahm mich tatsächlich im Nackenfell und führte mich ab wie einen Verbrecher. So im Würgegriff schämte ich mich vor den entgegen kommenden Zweibeinern fast zu Tode.Wie konnte sie nur … ? Winsel! Meine Ideen, was Streikmethoden anging, waren jetzt leider erschöpft. Ich, Herr Knödel von Emsdahl, gab klein bei und wurde damit zur Schande für die Chowchow/Eurasier-Familie der ganzen Welt: Parfum auf mein Haupt, jaul!
Beim Betreten der Praxis dann verwandelte ich mich vom großen Hund erst in eine Maus, dann im Wartezimmer in einen Floh und beim Gang ins Behandlungszimmer gar in eine Möchtegern - Mikrobe. Zu meinem Pech hatten die dort aber anscheinend schon Erfahrung mit ein paar anderen Mikroben ähnlicher und nicht ähnlicher Spezies. Jaulen und Winseln beeindruckte die anscheinend überhaupt nicht. Im Wartezimmer stellte ich entsetzt fest, dass ich den Vorhof zur Höhle des Tierarztlöwen mit solchen Kreaturen wie Kaninchen, Mäusen, miauenden Katzen und hündischen Jammerlappen (Hm, was war denn ich??) teilen musste. Meine Artgenossen ließen sich vom Verhalten her so einordnen:
Da waren zunächst mal die unverschämt Mutigen, die es sich sogar direkt neben der Tür zum Untersuchungsraum auf dem Boden bequem gemacht hatten und keinen einzigen Angstquietscher hören ließen.Woher nahmen die bloß ihren Mut? Ich bewunderte sie aus tiefstem Herzen. Meiner Meinung nach hatten sie sich deshalb mindestens einen Kauknochentapferkeitsorden erster Klasse verdient. Aber mich fragte da ja keiner!
Die zweite Gruppe war weitaus weniger kess, saß entweder zwischen Frauchens/Herrchens Beinen oder bei denen direkt auf dem Schoss. Diese ließen die reinen Beerdigungstrostreden vom Stapel. Es baute ihre Lieblinge denn etwas auf und endete von deren Seite aus mit Vollwäschen aus Dankbarkeit am laufenden Band.
Und dann waren da noch die extrem Ängstlichen, so Exemplare wie ich. Wir heulten, jaulten, winselten wie die Verrückten im Chor, durcheinander und ununterbrochen herum. Sämtliche Frauchen und Herrchen hätten sich allzu gern die Ohren zugehalten, boten aber stattdessen ihren schlotternden Lieblingen die dringend notwendige Seelenstütze. Andernfalls wäre so manch ein Wauwau vor lauter Zittern vom schützenden Schoss gefallen oder hätte sich gar schändlich vergessen, was ja eines der schlimmsten Vergehen gegen den Hundeknigge bedeutet hätte.
Ein paar von uns wie auch ich hatten uns trotz der Panik wenigstens noch soviel Grips bewahrt, uns unter die Stühle unserer Leittiere zu quetschen und darauf zu hoffen, dass Madame Pieks uns dort nicht entdeckte oder sich vielleicht sogar der Boden auftäte und uns Angsthasen barmherzig verschlucken würde ...
Es wurde furchtbar. Die Vierbeiner, die schon eher als ich dort gesessen hatten, wurden aufgerufen und kehrten auch nicht zurück.
´Besser nicht überlegen, weshalb die nicht wiederkommen!`, sagte ich mir ...