Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

0 1

Ich, Knödel, beim Tierarzt (2)

Von tastifix 30.08.2020, 10:09

Frechheit hin und Unverschämtheit her, mir blieb nichts anderes übrig, als an der Leine kurz gehalten, neben ihr her zur S-Bahn zu traben. Dennoch versuchte ich diese doch mehr als überflüssige Reise noch ein wenig in die Länge zu ziehen. Noch nie vorher in meinem Leben begrüßte ich so begeistert die kleinen Grasflächen am Wegesrand, noch nie zuvor las ich so gründlich die Nachrichten meiner Artgenossen. Euch verrate ich es ja, aber haltet bitte dicht, denn Frauchen darf das auf keinen Fall wissen: Die Post war nämlich an diesem Tage gar nicht so dolle. Es war noch nicht einmal ein Brief eines heißen Weibchens dabei.
Als ich gerade ein- und dasselbe Grasbüschel zum dritten Male gründlich prüfte, kam auch schon der erwartete Anranzer:
"Knödelchen, jetzt reicht es aber. Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Komm jetzt, wir müssen weiter!"
Diese nicht so ganz nette Bemerkung kam unbezweifelbar von meinem Frauchen.
´Für überhaupt nicht blöd!`, seufzte ich.´Das ist ja gerade mein Problem!`

Geknickt gab ich die Schnüffelei auf. Aber ich hatte noch einen anderen Trick auf Lager. Vor mir den Bahnhof, streikte ich, plumpste auf meine vier Buchstaben und saß dort ganz lieb und ohne zu murren, aber eben unbeweglich.
"Ich gehe keinen Schritt mehr weiter, wauwuff!", gab ich meinem Leittier zu verstehen und machte ihr dann gnädig folgenden Vorschlag:
"Frauchen, wenn du da so unbedingt hin möchtest, dann will ich Dich nicht davon abhalten. Ich hab` eine tolle Idee: Geh` Du hin und lass Dich pieken. Ich warte hier auch ganz brav auf Dich!“
Insgeheim ergänzte ich:
´Es sei denn, es kommt eine Katze oder ein doofer fremder Rüde vorbei. Die gelten dann als mildernde Umstände bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung wegen hündischen Ungehorsams!"
Übrigens, Freunde: Dies habe ich besser für mich behalten. Sonst würde die ja nie alleine los gezogen sein!

Sie zog aber auch so nicht allein los, sondern wandte tatsächlich mir, ihrem vierbeinigen Liebling gegenüber, Gewalt an.
"Knödelchen, bei dir piept es. Kommst Du jetzt nicht sofort freiwillig mit, schleife ich Dich eben den ganzen Weg bis zur Praxis hinter mir her!"
Wuff, meine Ohren schlackerten. Ob sie zusätzlich noch rot geworden waren, konnte ich ja leider nicht sehen. Zerknirscht hopste ich an Frauchens Seite die Treppe zum Bahnsteig hoch. Oben muckste ich ein zweites Mal. Vielleicht gab sie ja doch noch nach?
"Knödel (diesmal ohne ´chen`, oh weh!), lass den Quatsch. Rein mit dir, aber fix!"
Diese Tonlage kannte ich. Da war wirklich nichts zu wollen und mein Schicksal besiegelt. Warum nur musste denn die brummende S-Bahn ausgerechnet heute pünktlich sein und dann auch noch so munter genau nach Fahrplan ihre Reise gen Langenfeld fortsetzen? Bestimmt mochte die keine anderen Hunde. Dämlicher Pseudo-Riesenköter!

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Ich, Knödel, beim Tierarzt (2)