Ich backe Weihnachtsplätzchen
Von
tastifix
Dienstag 27.11.2018, 20:56
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tastifix
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Elf Monate habe ich mehr oder weniger erfolgreich eifrig für die vorweihnachtliche Kauf-Olympiade trainiert. Nun wird es ernst. Mit Argusaugen belauere ich die anderen Kunden, ob sie gar so frech sind, sich gleich mir an den verschiedenen Backzutaten, vor allem so wichtigen wie den Nüssen, zu bereichern. Sicherheitshalber fülle ich den Einkaufswagen mit allem, was nicht niet-und nagelfest ist. Die wütenden Blicke der Umstehenden ignoriere ich.
Erst daheim, als ich zwischen den Eiern, dem Mehl und den Nusstüten, die sich beinahe bis zur Decke türmen, fast ersticke, erwache ich aus dem Rauschzustand.
„Und die darfste alle verarbeiten ... “
Es lässt mich leicht an meinem Verstand zweifeln, aber zu spät. Zwecks besserer Übersicht errichte ich aus den Mehlpackungen Pisa-Türme, die Eier schichte ich zu Pyramiden auf und mit den Unmengen von Nußtüten baue ich einen edlen braunen Pseudo-Gartenzaun.
„Nur noch drei Wochen Zeit bis Weihnachten. Bis dahin muss ich es geschafft haben!“
Ich werde ziemlich nervös. Mit zitternden Händen greife ich mir die Eier und will sie in Eiweiß und Eigelb trennen. Anstatt gefälligst je zur Hälfte in die bereit gestellten Tassen zu fallen, glibbern sie über den Rand der Arbeitsplatte die Tischbeine hinunter und machen sich über die Bodenfliesen auf den Weg in die Diele. Dort aber liegt ein schöner Läufer und bei der Vorstellung, wie fies er nach dem Eier-Rendezvous aussehen wird, steigt Wut in mir hoch. So hechte ich mit einer Küchenrolle bewaffnet auf allen Vieren, dabei anti-vorweihnachtlich fluchend hinterdrein und versuche, der Schweinerei Frau zu werden. Alles klebt: Meine Hände und Arme, die Eier auf den Fliesen und denn letztendlich auch der Teppich, den sie weitaus erfolgreicher fest pappen als das beste dafür übliche Antirutsch-Polster.
Eine halbe Stunde später sind die Spuren des Malheurs endlich entfernt. Der Boden glänzt, der Läufer rutscht wieder munter hin und her und ich bin wieder frohen Mutes. Frohgemut wiege ich die restlichen Zutaten ab und trällere derweil lustig Adventslieder. Nichts läuft schief und die Eier-Boden-Schweinerei hab ich beinahe wieder vergessen. In einer Schüssel mit den Ausmaßen einer Babybadewanne mische ich die mir verbliebenen Eier mit dem Mehl und rühre anschließend mit dem Handrührgerät die Nüsse darunter.
Aber der zwischenzeitlich erkaufte Frieden ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Verzweifelt arbeitet sich das Handrührgerät auf höchster Stufe durch. Nur mit äußerster Kraftanstrengung vermag ich es noch festzuhalten. Der Teig wölbt sich immer höher und spritzt nach allen Seiten. Wenige Sekunden später trägt die Küche ringsum ein apartes Kleid. Auf den Bodenfliesen häufen sich regelrechte Teigberge, die ich vom Herd zum Kühlschrank und zurück mühsam stapfend überwinde.
„Braun-beige ist ja modern!“
Frustriert verdränge ich, dass es hier absolut nicht hin gehört. Dummerweise befiehlt das Backbuch, dass nun alles gründlich per Hand durchzukneten sei. Verdrossen krempele ich die Ärmel hoch und grabe die Finger in den Monsterteig. Dem behagt dies nicht und gehässig verkrustet er mir die Hände. Anscheinend reicht es als Rache dafür, ihn bezwingen zu wollen, noch nicht aus. Die Manschetten der Bluse verbünden sich mit ihm und rutschen dem
Knetberg entgegen nach unten. Ich streife sie zurück und trage prompt Teigmanschetten. Obwohl kurz darauf von unten bis oben verdreckt, knete ich weiter wie ein Weltmeister.
Dann endlich erwartet mich Erholung. Aufatmend lasse ich mich auf den Stuhl fallen und steche Plätzchen aus. Wie gemalt präsentieren sie sich, aber alles, was an überflüssigem Teig übrig bleibt, kleistert meine Hände zu. Bald kann ich die Finger kaum noch bewegen. Aufatmend lege ich dann das letzte Plätzchen aufs Backblech und betrachte zufrieden mein Werk.
„Geschafft!“
Da klingelt mein Handy. Sauer lange ich hinüber, will das Gespräch entgegen nehmen. Die verklebten Finger erwischen die Sperrtaste. Hastig wasche ich mir die Hände und widme mich anschließend wahrlich begeistert mindestens zehn Minuten lang der Aufgabe, das Telefon von seinem Teigkleid zu befreien ...