Hopp, rauf aufs Podest! (2)
Von
tastifix
Samstag 12.10.2019, 07:00
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tastifix
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Schon von weitem hört er wütendes Gebell. Selbst der Chihuahua scheint außer sich zu sein. Softy, Bengel und Winzling Winzel haben sich gesträubten Nackenhaares und mit fletschenden Zähnen vor ihren Zweibeinern aufgebaut, die sich offensichtlich vor Angst fast in die Hose machen.
„Was ist los?“
„Die haben gespuckt und versucht, uns zu treten!“, meckert Bengel.
„Gemeiner geht’s nicht mehr!“, wütet Softy, rollt mit den Augen und zeigt ihrem Herrchen das beeindruckende Doggengebiss.
Ihr Leittier wie auch die anderen Chefs winden sich und versuchen verzweifelt, die Sicherheitsverwahrung an den Händen und Füßen loszuwerden, doch die sitzt fest wie angewachsen.
„Wie könnt Ihr nur ...?“, heulen sie.
„Groll, wir können noch viel mehr!“, blafft Pfiff zurück.
„Rrrwuff!“, bestätigt Bengel.
„K..Knurr!“, hängt Winzel an und bewundert sich deswegen selber.
Ohne sich von der menschlichen Möchtegern-Meuterei beeindrucken zu lassen, verteilt Pfiff das Sammelsurium aus dem Korb:
„Softy, du sprühst sie ein. Aber schön scheußlich bunt, verstanden?“
Die Dogge betrachtet die grün-lila-orange-pink farbenen Spraydosen. Ihre Sanftmut ist wie weggeblasen:
„Wird erledigt, Pfiff!“
Als erstes zielt sie mit Neongrün auf das Haupt ihres Besitzers, das sich in einen extra frischen Salatkopf verwandelt. Sein Gekreisch deswegen ignoriert sie. Den Bauch färbt sie pink und die Arme und Beine schmückt dann ein grelles Lila. Zum Abschluss lässt sie sich noch etwas extra Originelles einfallen: In Orange schreibt sie ihm in großer Schrift auf den Rücken:
„Frauchens Liebling!“
„Der Knaller überhaupt!!“, findet Softy.
Vor ihr steht ein extra außerirdischer Außerirdischer, der sich zudem gebärdet wie ein Wilder.
„Sieht wuffcool aus, Softy!“, lobt Pfiff.
Daraufhin kostümiert Softy auch die anderen Drei zu Wesen aus einer fremden Galaxie.
„Schick!“, wifft Winzel.
Die Vier amüsieren sich rudelführermäßig.
„Bengel, jetzt du!“, kommandiert Pfiff.
„Was denn?“, fragt der hoffnungsfroh.
„Lass deiner Fantasie freien Lauf. Guck mal hier die hübschen Lockenwickler!“
Bengel traut fast den Augen nicht:
„Meinst du wirklich, Pfiff?“
„Und ob!!“
„Das werdet ihr doch wohl nicht wagen?“, jammern die einstig so würdigen Herrchen unwürdig.
„Wieso nicht?“, argumentiert Winzel. „Was habt Ihr denn immer mit uns gemacht, na?“
„Los, Bengel: Viel Spaß!“
Kurz darauf sieht es auf den Köpfen der Zweibeiner aus wie auf den grellbunten Gemälden mancher moderner Maler. Bengel betrachtet stolz sein Werk.
„Wusste gar nicht, dass ich dafür so`n Talent habe!“
„Ist ja der reine Wahnsinn, Bengel!“, kläffen Softy, Winzel und vor allem auch Pfiff anerkennend.
„Und, was kann ich tun?“, meldet sich Winzel.
„Hier, nimm den Pinsel. Auf jedes rechte Bein malst du ´Ich hab ´nen Knall`! Okay?“
Heftig wedelnd vor Freude, dass ihm dies tatsächlich zugetraut wird, macht sich Winzel an die Arbeit. Durch die wüste Schimpferei ein paar Etagen über ihm lässt er sich nicht einschüchtern.
„Still gestanden!!“, knurrt Pfiff die vier Zweibeiner an, worauf die wie erstarrt sich nicht mehr von der Stelle rühren.
„Klappe halten!“, brüllt Bengel seinen Herrn an.
Dem fällt vor Schrecken der Unterkiefer runter.
„Na, geht doch!“, setzt der Dackel ungerührt nach.
Derweil hat Winzel auch das vierte Bein verschönert. Hechelnd plumpst er auf den Allerwertesten. Denn Malen ist anstrengend.
„Klasse!“
Die vier Hunde sind äußerst zufrieden mit sich.
„Es reicht jetzt doch, ooder??“, will Softy wissen.
„Denkste! Das Beste kommt erst noch", deutet Piff geheimnisvoll an.
Die Anderen bekommen lange Ohren.
„Wiiee? Was denn?“
„Abwarten!“, wedelt er.
Pfiff langt nochmals in den Korb und hält triumphierend eine Art Zahnpastatube hoch.
´Ist aber garantiert keine Zahnpasta!“, stellt Winzel erleichtert fest, denn er hat sich an die tägliche schmierige Prozedur zu Hause erinnert.
„Was willste denn damit?“, fragt Softy.
„Und auch noch so viel davon ... !?“, bellt Bengel verdutzt.
„Wir kleben sie fest!“, erklärt Piff.
„Wie … ??“
Die Anderen gucken ziemlich irritiert aus dem Fell.
„Die werden aufs Podest geleimt!“
„Wir sollen wirklich ... ?“
Je länger die Vier darüber nachdenken, umso mehr gefällt ihnen diese Vorstellung.
„Aber pappt es denn wirklich fest genug?“, zweifelt Bengel.
„Felsenfest!“, versichert der Schnauzer.
Dort vor ihnen stehen vier Podeste. Softy schnappt sich die Tube, rast zum ersten und kleistert es in aller Ruhe sorgfältig zu. Derweil stauchen die anderen Drei die menschlichen Vorgesetzten zusammen, die die Minuten der verminderten Aufmerksamkeit der Vierbeiner nutzen und versuchen, sich gegenseitig von der Leine zu befreien.
„Stillgestanden! Pfoten, ääh-knurr, Hände hoch!“
Wie auf Kommando fletschen Pfiff, Bengel und Winzel gleichzeitig die Zähne, wie auf Kommando erstarren darob ihre Herrchen und wimmern nur noch leise:
„Gn..Gnade!“
„Habt ihr gegen uns auch nicht walten lassen!“, grollt Bengel.
Inzwischen hat Softy ihre Arbeit beendet und Pfiff widmet sich dem zweiten Podest.
„Einmal hin, einmal her und rundherum, das ist nicht schwer!“, quietscht er dabei vergnügt.
Kurz darauf glänzen beide Podeste wie Speckschwarten.
„Beinahe noch zu elegant für die gemeinen Kerle!“, denkt Bengel, was ihn eher noch darin bestärkt, sich bei der Verzierung des dritten Podestes besonders viel Mühe zu geben. Er verstreicht dermaßen viel der grausigen Pampe, dass die an allen Seiten der Stufe herunter tropft.
„Na, wie gefällt es euch?“
„Hervorragend, Bengel!“, wuwuuhen die Anderen begeistert.
Als Letzter kommt Winzel an der Reihe. Weil er so winzig ist, dauert es ein wenig länger, aber dann hat auch er es geschafft.
„Grrr, fertig!“
Die vier Hunde bewundern noch kurz ihr Werk, reiben sich die Vorderpfoten - Pfiff spukt sogar in dieselbigen - und dann ist es soweit.
Dogge Softy als die Stärkste der Mannschaft nimmt das Leinenende zwischen die Zähne und schleift die laut jammernden Zweibeiner zu den Podesten. Ihr Geheul geht den hündischen Ohren gewaltig auf die Muschel.
„So nicht!“
Bengel flitzt zu einem Regal in der Nähe, erschnüffelt eine Rolle Klebeband und rast mit der zu seiner Truppe zurück. Winzel kapiert den Plan auffällig fix und knabbert mit seinen spitzen Zahndolchen solange an dem Band herum, bis er die Abdeckfolie abziehen kann. Dann schnappt sich Pfiff das Band, macht Männchen und klebt einem Herrchen nach dem anderen die Klageluke zu.
„Rmm!“, röcheln die so verschönten Zweibeiner nach Luft.
Mit ´Rmmm` aber können die Vierbeiner gut leben.
„Los, rauf mit euch!!“, probiert sich Bengel als Hundefeldwebel.
Es klappt sogar ausgesprochen gut. Herrchen Eins, Zwei, Drei und Vier stolpern gezwungenermaßen hoch auf die Podeste. Pfiffs Vorgesetzter, Herrchen Zwei will zwar noch noch zur Seite ausbüchsen, aber das wissen erstens die Leine, zweitens die Fußfesseln und drittens vor allem Winzels kneifende Zähne bestens zu verhindern. So nimmt auch Herrchen Zwei den ihm zuerkannten Platz ein. Der Klebeplan funktioniert ausgezeichnet. Selbst das die-Füße-nur-ein-wenig-Anheben erweist sich als unmöglich. Mucksmäuschenstill und völlig regungslos stehen ihre Zweibeiner dort.
„Passt auf, gleich wird es erst richtig interessant!“, raunt Pfiff.