Hopp. rauf aufs Podest! (3)
Von
tastifix
13.10.2019, 00:25 – geändert 13.10.2019, 00:26
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tastifix
13.10.2019, 00:25 – geändert 13.10.2019, 00:26
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Und schon spazieren die ersten Messebesucher an dem kunterbunten Quartett vorbei, lachen sich kaputt und machen gehässige Bemerkungen. Aber es sind nicht etwa Menschen, die die Vier anstarren, sondern eine Riesenmeute von Vierbeinern aller Rassen und Nichtrassen.
„Die sehen aus wie Kasperlefiguren, hihi!“
„Wie bekloppt die wirken, mit diesen Drehdingern im Fell!“
„Geschieht denen ganz recht!!“, knurren einige.
„Oh: ´Frauchens Liebling`!! - Hat sie dich so untergebuttert?“
Mindestens eine halbe Stunde lang geht es so. Den vier Statuen werden allmählich die Beine lahm. Ihre Hunde ignorieren dies gelassen.
„Dauert ja nur noch ne halbe Stunde!“, tröstet Pfiff spöttisch.
Allein wütende Blicke treffen ihn, mehr ist ja nicht drin.
Doch es kommt noch schlimmer. Kurz darauf naht eine edle Pudeldame mit ihrem zahlreichen Nachwuchs, alle in vornehmes Silber gekleidet.
„Seht mal!“, spricht sie zu den Kleinen.
„Waulewau, quietsch! Was ist denn mit denen los, Mama?“
„Haben die mit ´nem Farbeimer gespielt und sind rein geplumpst?“
„Mama, will auch so ne Quietschpuppe!“
Die Pudelwelpen amüsieren sich pudelkringelig. Und dann entdeckt einer von ihnen, Plim mit Namen, die Fesseln und die Leine:
„Warum sind die denn angeleint?“
So etwas kennt er eigentlich nur von Hunden:
„Mama, waren die böse?“
„Keine Ahnung! Jedenfalls habe ich so etwas auch noch nie gesehen!“
Prompt sind Plims Geschwister neugierig.
„Vielleicht haben die ja ...“
„Oder die sind ...“
Wieder kommt dann Plim auf die dollste Idee:
„Ob die etwa dreist das Hundefutter weggefr ... ?“
„Plim!!!“
„Aber, falls doch ...“
„Menschen fressen nicht. Die essen!“, verbessert ihn sein älterer Bruder Plum.
„Stimmt gar nicht: Manche von denen fressen!“
Bevor ihre fantasiebegabten Kleinen vielleicht noch weitaus deftigere verbale Schnitzer von sich geben, sucht die ums Ansehen der guten Welpenkinderstube besorgte Pudeldame mit den Minis schleunigst das Weite.
Softy, Pfiff, Bengel und Winzel haben freudig erregt zugehört. Ihre Herrchen dagegen schäumen vor Wut. Wehrlos sind sie der Lächerlichkeit preisgegeben. Verzweifelt rucken sie auf den Podesten hin und her, doch der Kleber hält und all die Mühe ist vergebens. Immer bleicher werden die Vier um die Nasenspitzen. Längst nicht mehr stehen sie aufrecht wie Soldaten, sondern leicht vorgebeugt mit krummen Rücken vor Schwäche und schicken flehende Blicke zuerst zu der einst so sanften Softy, dann zu Pfiff.
Prüfend schaut die Dogge ihr Herrchen an:
´Schrecklich, wie groggy der aussieht! Und die anderen Drei ebenfalls!`
„Du, Pfiff! Sollen wir sie nicht so allmählich erlösen?“
Pfiff streift die menschlichen Jammerlappen mit einem verächtlichen Blick:
„Hm, Bengel, Winzel, was meint ihr?“
„Etwa jetzt schon ... !?“, blafft Bengel bengelig zurück.
„Ich mein`, dass Softy vielleicht doch Recht haben könnte ...“, meldet sich Winzel zögerlich zu Wort.
Verunsichert deshalb, ob sein ´Vielleicht` für die Ohren seines Herrchens eventuell wie eine Frechheit geklungen hat, guckt der Chihuahua sicherheitshalber in die entgegengesetzte Richtung.
„Eigentlich hätten sie es verdient, sich noch länger die Beine in den Bauch stehen zu müssen. Aber so fix und fertig, wie die aussehen, kippen sie uns gleich noch um und dann wäre unser Ruf als anständige Hunde endgültiug futsch!!“
„Oh je!“
„Daran habe ich ja noch gar nicht gedacht!“, gibt sich selbst Bengel erschrocken geschlagen.
Wenn er sich vorstellt, dass er sich unter Umständen im Jagdklub nicht mehr sehen lassen dürfte ...
„Mich würden meine hochadligen Verwandten keines ´Wuffs` mehr würdigen“, schließt sich Softy an.
„Und unter Garantie würd ich abends nie mehr mein Super-einschlaf-Leckerchen bekommen!“, winselt Winzel.
Das fehlt der kleinen Schleckerschnute noch gerade.
„Nun“, setzt Pfiff mit entschiedener Miene zu dem selbstverständlich noch entschiedeneren Entschlussbellen an, „wir sind uns also einig geworden, oder?“
Die drei Kumpanen wedeln Zustimmung. Winzel beisst in die Leine, an der die vier zweibeinigen Chefs hängen und kaut so lange auf ihr herum, bis sie reißt. Bengel holt den Schlüssel für die Fesseln herbei, übergibt ihn an Pfiff, der daraufhin die Arme und Beine ihrer Herrchen von dem schändlichem Schmuck befreit. Softy schleckt währenddessen ununterbrochen an den schmählichen Pinsel-Tatoos herum, bis die allmählich verblassen. Zum Schluss verschwindet sogar ´Frauchens Liebling`. Und als Größte der Vier schnappt sie sich einen in der Nähe stehenden Eimer, rennt zur Besucher-Toilette, deren Tür praktischerweise offen steht, macht vor dem Waschtisch Männchen, dreht mit der Pfote den Hahn auf und füllt den Eimer bis zum Rand mit dem heißem Nass.
„Uff, ist der jetzt schwer!“, stöhnt sie.
Zurück bei ihren Kameraden, stellt sie den Eimer vor Pfiff ab. Nun trabt Pfiff von Herrchen zu Herrchen und zieht jedem das Klebeband vom Mund ab. Streng schaut er die Zweibeiner an:
„Versprecht ihr, uns in Zukunft mit all diesem Mist in Ruhe zu lassen und uns wie normale Hunde zu behandeln, ohne Lockenwickler, Spray oder gar Trachtenlook?“
„Ja, alles was ihr wollt und noch viel mehr, wenn ihr uns nur endlich befreit!“, wimmern die im Chor.
„Ja, da wäre noch etwas", wufft Pfiff ungerührt dagegen an. „Keine Zeitung mehr auf den Po und erst recht keinen Klaps mit der Hand!"
„Bestimmt nicht. Nie mehr wieder!"
„Okay!"
Ohne dann das schrille Wehgeschrei der Zweibeiner zu beachten, schüttet er ihnen mit Schwung minutenlang das heiße Wasser über die Schuhe.
„Au! Seid ihr bekloppt?“
„Anders geht es leider nicht!“, erklärt Pfiff.
Dann sind Herrchen Eins, Zwei, Drei und Vier wieder frei. Vom langen Stehen steif geworden, steigen sie ungelenk von den Podesten herunter.
„Sicher ist sicher!“
Leise warnend knurrend hopst Bengel um sie herum:
„Nicht, dass die noch auf dumme Gedanken kommen!“
Aber da kann er völlig beruhigt sein. Nichts liegt denen ferner als dies. Schlapp und ohne einen jeden Widerspruch trotten die Vier brav wie die Hunde neben ihren Hunden her, die ganze lange Heimreise lang. Pfiff, Bengel, Winzel und vor allem Softy registrieren es hoch erfreut. Von nun an würde sich alles ändern ...
Sie behalten Recht damit, nur ganz anders, als sie es sich in ihrer hündischen Gutgläubigkeit so erträumt haben. Bereits am nächsten Morgen haben sich ihre Chefs von der Schmach erholt und beweisen den Tieren, wer letztendlich denn das Oberwasser hat. Die üblichen Streicheleinheiten und die zusätzlichen Leckerbissen fallen weg. Stattdessen gibt es ausschließlich äußerst strenge Kommandos und schon beim geringsten Fehlverhalten deftige Strafen.
„Aber sie haben doch versprochen ... !?"
Von dem gemeinen Vertrauensbruch ihrer Menschen bitterlich enttäuscht und den neuen Umständen schrecklich frustriert, wünschen sich Softy, Pfiff, Bengel und Winzel ständig sehnlicher die Zeit der Lockenwickler, des rosa Sprays und auch des Trachtenlooks zurück ...