HIRSCH HEINRICH Teil vier
Von
egalis
06.12.2020, 08:50
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egalis
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„Aber wo ist denn der Weihnachtsmann?“
Das Christkind musste jetzt schon wieder etwas lachen und erzählte, wie es gekommen sei, dass es nun mutterseelenallein im tiefsten Schwarzwald sitzen muss und was noch schlimmer ist: Den Kindern nicht die Weihnachtsgeschenke bringen kann.
Opa nahm noch ein Schlückchen von seinem roten Denkwasser und erzählte weiter, was dem Christkind passiert war:
Als der Weihnachtsmann das Christkind aus dem Himmel abholte und die von fleißigen Engelchen gepackten Päckchen in den mit sechs Rentieren bespannten Schlitten lud, merkte das Christkind gleich: Der Weihnachtsmann war nicht gut aufgelegt. Er schimpfte und brudelte vor sich hin und das Christkind dachte: ‚Na, das wird ja eine schöne Bescherung werden dieses Jahr.’
Warum der Weihnachtsmann so schlecht gelaunt war?
Die Frau vom Weihnachtsmann hatte vergessen, sein gewohntes Lieblingsessen vor der Abfahrt zu kochen, denn der Weihnachtsmann aß am liebsten Grießbrei mit Zimt und Zucker.
Seine Frau hatte ihm aber, anstatt der Leibspeise, nur ein paar Leberwurstbrote gestrichen. Und als sie ihn beim Abschiedskuss auch noch „ihr Niki-Niki-Nikiläuschen“ nannte, was er überhaupt nicht vertragen konnte, war der Weihnachtsmann echt sauer. Er schmiss die Päckchen nur so auf den Schlitten und das Christkind schaffte es gerade noch aufzusitzen und schon trieb er die Rentiere mit lauten Ho, ho, ho, an und ließ dazu noch seine lange Peitsche knallen, dass die Tiere wie Rennpferde davonflitzten. Das Christkind konnte sich kaum auf der Sitzbank festhalten und als der Weihnachtsmann direkt über dem Schwarzwald in eine gewagte Steilkurve lenkte, purzelte das Christkind, zusammen mit einem Teil der Pakete, aus dem Schlitten, ohne dass der Weihnachtsmann etwas merkte.
„Ja, so ärgerlich war er. Und da sitze ich nun“, beendete das Christkind seine Geschichte und sah sehr unglücklich aus. Die Tiere waren sich sofort einig: „Dem Christkind muss geholfen werden.“
Hirsch Heinrich legte sich in den Schnee und das Christkind und Eduard beluden Heinrich mit allen Päckchen, die in den Schnee gefallen waren. Klara und Sebastian schmückten indessen das Geweih von Heinrich und steckten auf jede der Hornspitzen eine brennende Kerze. Dann setzte sich das Christkind auf den Rücken von Heinrich, der sich nun vorsichtig aufstellte und gleich losgaloppierte.
Das Christkind wusste, dass der Weihnachtsmann als erstes die Kinder in einem kleinen Dorf unter den hohen Schwarzwaldbergen besuchen würde, und in der Gegend kannte sich Hirsch Heinrich bestens aus. Er machte seine größten Schritte und Eduard musste von Tapser zu Tapser springen, um überhaupt mitzukommen. Die beiden Eichhörnchen hüpften ausgelassen voraus und ließen kichernd ab und zu ein bisschen Schnee von den Bäumen auf Heinrich und das Christkind rieseln.
Der Weihnachtsmann war gerade am Anfang vom Dorf angekommen, wo er dem kleinen Lucas sein Weihnachtspäckchen abliefern sollte, aber da merkte er – oh Schreck – das Geschenk war weg und das Christkind dazu.
Gerade wollte er mit seinem Handy die 112 anrufen und die Polizei verständigen, als er von weitem den leuchtenden Heinrich kommen sah und – Halleluja! – auf ihm reitend, das Christkind.
Das war ein Erzählen, und alle redeten durcheinander, wobei man darüber fast den kleinen Lucas vergessen hätte. Der trippelte schon vor Neugier von einem Fuß auf den andern und seine Augen strahlten, als das Christkind ihm dann endlich doch sein Geschenk gab und ihm dazu die frohe Botschaft aus dem Himmel verkündete.
Der Weihnachtsmann lud nun sorgfältig die Pakete von Heinrichs Rücken in den Schlitten und Heinrich durfte ganz vorne, vor den Rentieren und mit seinem strahlenden Kerzengeweih, den Schlitten ziehen. Eduard, Klara und Sebastian setzten sich mit dem Christkind auf die Rückbank und kuschelten warm zusammen.
Der wildgewordene Weihnachtsmann fuhr aber jetzt ganz vorsichtig und rief Heinrich und den sechs Rentieren nur ganz leise sein „Ho, ho, ho“ zu.
Lenchen war auf Omas Schoß eingeschlafen. „Opa“, meinte sie, „jetzt ist Zeit für die Kinder ins Bett zu gehen. Außerdem wollen wir doch noch die duftenden Bratäpfel probieren!“
Ein kleiner Rest folgt noch