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HIRSCH HEINRICH Teil 2

Von egalis Samstag 05.12.2020, 13:12

Heinrich war erschüttert, als er das hören musste!
Er hatte dem Oberförster doch nichts getan und sein lautes Brüllen war ja gar nicht soooo ernst gemeint. Fieberhaft überlegte er, wie er sein stolzes Geweih vor der Säge retten könnte. Wie sähe er auch aus, ohne das riesengroße Gehörn! Die Hirschdamen würden sich kugeln vor Lachen. ‚Hahahaaa, schaut euch nur den hornlosen Heinrich an!’ – Heinrich schämte sich jetzt schon. Daran mochte er gar nicht denken.

In der Zwischenzeit waren auch die Eichhörnchen zu Heinrich gehüpft, denn sie waren sehr neugierig und wollten auch wissen, warum der Oberförster Kleinmeier gleich zweimal geschossen hatte und ob er gar ein Tier getroffen hat.
Die Vier überlegten gemeinsam, was zu tun sei um das Geweih Heinrichs zu retten. Eins war sicher, Heinrich muss sofort fliehen. Aber wie?
Eduard, das schlaue Kaninchen, hatte die beste Idee:
„Heinrich durchbricht den Zaun an seiner schwächsten Stelle und flieht in den Schwarzwald, da wo er am dichtesten ist und der Oberförster ihn niemals finden kann.“
Und die Eichhörnchen Klara und Sebastian, die im Schwarzwald schon auf jeder Tanne herumgehüpft waren, um an die saftigsten Tannenzapfen zu kommen, was ihre bevorzugte Lieblingsspeise ist, wussten auch schon, wo.
Hirsch Heinrich stellte sich in seiner ganzen Größe auf, nahm einen Aaanlauf, brüllte dazu sein schauerlichstes ‚Rööööööööööhr’ und riss gleich beim ersten Versuch ein großes Stück aus dem Zaun heraus. Dann wartete er mit stolz geschwellter Brust, bis seine Freunde ihm durch die Lücke folgten.
Klara und Sebastian setzten sich ganz außen rechts und links auf Heinrichs Geweihspitzen und Eduard hoppelte hinterher.
Heinrich musste, gelenkt von den Eichhörnchen, durch tiefen Schnee traben und schnaufte dabei schwer, denn das war sehr anstrengend. In den Tapsern von Heinrich hoppelte Eduard, der sonst im hohen Schnee mit seinen kurzen Beinen glatt versunken wäre. Als sie eine lange, mühsame Strecke zurückgelegt hatten, sprangen Klara und Sebastian ab. „Hier bist du vor Oberförster Kleinmeier absolut sicher.“
Der Tann stand so dicht, dass man die Hand vor den Augen nicht sah und selbst der Mond oder die Sonne wären nicht zu sehen gewesen, selbst wenn sie noch so hell geleuchtet hätten.
Heinrich grunzte. Endlich konnte er sich zur Ruhe legen. Ermattet schloss er die Augen, klapperte kurz ein bisschen mit seinem Geweih und war auch schon eingeschlafen. Eduard kuschelte sich direkt vor die Schnauze von Heinrich, denn dort strömte bei jedem Atemzug, den Heinrich tat, eine warme Wolke heraus. Schloss die Augen und träumte von saftigen Mohrrüben.
Die Eichhörnchen waren gleich auf eine hohe Tanne geklettert, von wo aus sie die beste Aussicht hatten und außerdem an den Tannenzapfen knabbern konnten. Dann fielen auch ihnen die Äuglein zu. Dabei krallten sie sich an einem Ast fest, denn Eichhörnchen können überall schlafen, auch auf den höchsten Bäumen, ohne herunterzufallen.

Patrick dachte bei sich: ‚Wäre das toll, wenn ich wie ein Eichhörnchen wäre und das auch könnte. Mama und Papa haben schon Angst, wenn ich in mein Hochbett klettere und Oma und Opa machen vor Angst die Augen zu, wenn ich auf dem Spielplatz an Seilen hangele.’ Er seufzte ein bisschen.
Opa trank einen weiteren Schluck von seinem Rotwein, um die Gedanken neu anzuregen.
„Bitte, bitte, Opa, wie geht’s denn nun weiter? Erzähle doch, was passiert nun mit dem Hirsch Heinrich und seinen Freunden?“

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