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HIRSCH HEINRICH

Von egalis Freitag 04.12.2020, 19:03

Eine Weihnachtsgeschichte, von Opa Oskar geschrieben und bebildert von Elke Bontjer-Dobertin

Es war Winter geworden im Schwarzwald. Die dunkelgrünen Tannen hatten sich lustige weiße Kappen aus Schnee aufgesetzt und sahen gar nicht mehr so schwarz und grimmig ernst aus.
Patrick und Lenchen sind bei Oma und Opa zu Besuch. Im Zimmer ist es warm und das Holzfeuer brennt hell. Alle setzen sich um den Ofen. Es riecht herrlich nach Bratäpfeln, die Oma in der Küche schmurgeln lässt. Kerzen flackern und strahlen Gemütlichkeit aus. Das Schaf Bruno in seiner Ecke schlummert und träumt vom Frühling und saftigen Wiesen und määäht im Schlaf leise vor sich hin.
Oma hat Bruno auch ein rotes Weihnachtsband um den Hals geknüpft und darauf ist Bruno mächtig stolz.
Patrick rutscht mit seinem kleinen Stuhl dichter zu Opa hin und Klein Lenchen kuschelt sich auf dem Schoß von Oma und brabbelt dabei zufrieden: „Ladel, ladel, ladel, ladel“. Mehr ist bei Lenchen noch nicht programmiert, obwohl sie jetzt schon über ein blitzeblank weißes Zähnchen verfügt und seit neuestem zu ‚Papa’ sogar ‚Mama’ sagt. Lenchen ist aber auch noch sehr, sehr klein! Patrick lässt sich gerne Geschichten erzählen und es geht auch gar nicht mehr lange, bis er Opa bittet: „Opa, eine Geschichte, bitte eine Geschichte“.

Opa streicht sich über seinen Kopf und überlegt. Dazu nimmt er einen Schluck Rotwein, „das hilft“, sagt Opa – um die Gedanken im Kopf auf Trab zu bringen und dass es auch eine schöne Geschichte wird. Und Patrick meint dazu: „Gell, Opa, und damit sie auch recht lang und spannend ist.“ Und darauf muss sich Opa gleich noch einen Schluck genehmigen.
„Patrick, du erinnerst dich doch noch daran, als du uns im Sommer im Schwarzwald besucht hast. Damals haben wir doch den Hirsch in der Nähe vom Mummelsee besucht. Er war gewaltig groß, sein Geweih war, sagen wir, wie – na wie denn -? Aber mindestens so groooß wie ein Kronleuchter in einem Schloss und dazu hat er fürchterlich gebrüllt: Röööhr und noch lauter: Rööööööhr.“
Gottseidank konnte der Hirsch nicht aus dem Gehege. Wer weiß, was sonst hätte passieren können! „Ja, Opa“, sagt Patrick, „daran erinnere ich mich noch und ich bin mächtig erschrocken, als der Hirsch mich einfach so angebrüllt hat.“
Gut, meinte Opa, und von diesem Hirsch, nennen wir ihn einfach Heinrich, möchte ich dir jetzt eine Geschichte erzählen.

Es war bereits dunkel geworden im Tiergehege, als das Kaninchen Eduard zu seinem Freund Heinrich hoppelte um ihm etwas Schreckliches zu berichten. Eduard flüsterte seinem Freund zu, dass er zufällig gehört hätte, wie Oberförster Kleinmeier vor sich hingesagt hat: „Jetzt weiß ich, was ich meiner lieben Frau Klothilde zu Weihnachten schenke. Ich werde dem Hirsch Heinrich sein Geweih absägen und daraus einen Kronleuchter für unser Wohnzimmer basteln.“
Juhuuu, ist das nicht eine tolle Idee, dachte Oberförster Kleinmeier und schoss vor Freude mit seiner Flinte zweimal in die Luft, so dass die Eichhörnchen Klara und Sebastian glatt aus ihrem warmen Baumnest in der hohen Tanne sprangen um zu sehen, wer solchen Krach vollführte.

Fortsetzung folgt

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