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Hilfsangebote

Von Feierabend-Mitglied Freitag 13.07.2018, 17:28

Manche Menschen (vorwiegend die Herren der Schöpfung) behaupten ja, Frauen betrachten sich bei trauter Zweisamkeit im Schlafzimmer angelegentlich die Decken und Wände und stellen dann fest, dass sie dringend eines neuen Anstrichs bedürfen. Ich tu das gelegentlich auch, allerdings wegen des Fehlens eines männlichen Pendants nicht in trauter Zweisamkeit, sondern ohne jedes schlechte Gewissen allein.

Ich stellte also fest: Meine Wohnung braucht dringend neue Farbe. Ideal wäre ja eine professionell durchgeführte Renovierung, doch das Wissen um meinen Kontostand fegt diese Überlegung sofort wieder vom Tisch, ich meine natürlich von der Bettdecke.

Aber wozu hat man unter vielen Entbehrungen dafür gesorgt, dass der kleine Hosenmatz ein kräftiger erwachsener Mann wird, der handwerklich auch eigentlich ganz begabt ist? Und der zudem immer und für alles seine Hilfe angeboten hat?

Also rufe ich meinen Sohn an und bitte ihn, die Streicharbeiten zu übernehmen.
„Na klar, kein Problem, kannst ja schon mal alles besorgen, sobald ich Zeit habe, streiche ich dir die Wohnung. Könnten wir eigentlich Samstag machen“
Wenn ich mir etwas vornehme, wird nicht lange gefackelt. Ich begebe mich in den Baumarkt, und packe alles, was man so zum Malern braucht in den Wagen. Und natürlich lieber ein bisschen mehr, als zu wenig. Also alles ist bereit. Am Donnerstag erkundige ich mich vorsichtig, wie es denn so um das Zeitkontingent des Herrn Sohnes bestellt ist, wann er denn am Samstag anfangen will, und ich habe vorsichtshalber schon mal die Schränke ausgeräumt, damit wir dann zügig arbeiten können. Frau überlegt ja, was zu tun ist. „ Oh, das tut mir leid, kommendes Wochenende, geht ja gar nicht, ich wollte dich auch gerade anrufen“, und es folgt eine lange Erläuterung, warum nicht, und dass er ja ganz vergessen hatte, dass…. „Aber nächste Woche Freitag könnte ich anfangen, ich habe da nämlich frei.“

Gut, denke ich, ist ja nicht so schlimm, dann werde ich eben eine Woche aus gepackten Kisten leben, es gibt größere Katastrophen auf der Welt. Am Donnerstag kommt der Anruf: „Mum, es geht doch morgen nicht, ich muss jetzt doch arbeiten und wenn wir es nächste Woche machen, dann hätte ich auch noch einen Freund zum Helfen, und dann ginge es viel schneller, bitte sei nicht böse.“

Böse? Ich? Nein, ich bin doch nicht böse. Ich finde es geradezu verlockend eine weitere Woche über Kisten zu stolpern und im Chaos zu leben. Es erheitert mich geradezu. Und weil ich gerade so gut gelaunt bin, fange ich einfach mal an. Und siehe da, es klappt.

Am Sonntagabend bin ich mit Schlaf- und Wohnzimmer fertig. Auch mit mir, aber ich habe neue Farbe an den Decken und den Wänden und selbst die Schränke sind wieder eingeräumt.

Das Ganze ist über 10 Jahre her, ich bin zwischenzeitlich umgezogen und in meiner jetzigen Wohnung war vor einigen Monaten dringend ein Anstrich nötig.
Leider konnte ich den nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst machen, ich bin im knackigen Alter, sprich: Meine Gelenke machen sich bei solchen körperlichen Aktionen schmerzhaft und knackend bemerkbar.
Ich musste mich also gedulden, aber nach sage und schreibe 3 Monaten hat er es geschafft, zu renovieren. Zum Glück räumte ich die Schränke diesmal erst mit ihm zusammen aus, ich bin ja lernfähig.


Bild: Rainer Sturm, Pixelio.de

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