Hermanns Kindheit
Von ehemaliges Mitglied 27.01.2019, 17:58
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Hermann wurde in einem kleinen Dorf in Oberschlesien geboren. Sein Vater hatte eigentlich als Hufschmied ein gutes Auskommen. Er war als "Nachzügler" der einzige Junge unter seinen 6 Schwestern. So hatte er eigentlich eine ziemlich unbeschwerte Kindheit. Die großen Schwestern fuhren ihn oft in einem altersschwachen Kinderwagen aus. Dabei ergab es sich, daß seine Schwester Herta nicht aufpasste. Als sie mit einer Freundin in deren Garten quatschte, wackelte Hermann so beherzt an seinem Wagen, daß er umkippte.
Er erschrak zwar , aber er schrie nicht. Vor seinem Gesicht drehte sich ein Rad des Kinderwagens . Das war eine Freude....er drehte es mit der Hand und.....stoppte es mit seiner Zunge. Immer und immer wieder..bis seine Schwester kam und ihn schnell in den Wagen steckte und heim fuhr. Das Erlebnis des verdreckten Rades an seiner Zunge muss ein prägendes gewesen sein.
So konnte man ihn oft beobachten, wie er heimlich zum Kohlenkasten schlich und an den Brikett leckte...dabei jauchste er vor Vergnügen. Die Mutter hat es bald aufgegeben ihn davon abzubringen. Als er 6 war kletterte er auf eine ziemlich große Birke...er gab sich Mühe. Hatte es schließlich gesehen, wie Nachbars Paul bis ganz nach oben gekrochen war und alle Kinder haben ihn dafür bewundert. Da könnte er auch. Er kletterte und zog sich bis zur Hälfte des Baumes hoch. Dann war er erschöpft und fand auch keine Äste mehr die sich für ihn eigneten. Also wieder runter...oh. Das war schwer und nachdem ein Ast abgebrochen war blieb er oben. Er schrie jämmerlich, aber keiner hörte ihn. Alle Kinder waren längst zu Hause. Nach etwa 2 Stunden wurde er am Abendbrottisch vermisst. Und eine seiner Schwestern erinnerte sich daran, daß sie ihn klettern sah. Schnell liefen Mutter und Schwester zu besagten Baum auf dem Hermann wimmernd saß. Sie gaben ihm gute Ratschläge und halfen ihm so runter. Auf Bäume zu klettern vermied er aber sein Leben lang.
Später ging er dann in eine Volksschule. Nun wir sagen mal, daß er sehr interessiert war..aber man muß auch gestehen, daß er nicht die hellste Kerze auf der Torte war. Sport machte er gern, mit Rechnen hatte er seine Schwierigkeiten. Der Lehrer mochte ihn weil er brav Gedichte und Lieder lernte.
Es war eine schwere Zeit und auch die Schmiede lief nicht mehr so gut. Der Vater ließ sich seine Arbeit oft in Naturalien bezahlen. Schnell erkannten die Bauern, daß sie den Arbeitspreis drücken konnten, wenn sie ihm eine Flasche Fusel gaben. So entwickelte sich Hermanns Vater zu einem rechten Trunkenbold. Immer öfter kam es, daß die Mutter den schweren Hammer schwang und auch Hermann musste helfen um die Familie durchzubringen. Einmal war er unaufmerksam . Als seine Mutter mit dem größten Hammer ausholte stand er zufällig hinter ihr...er bekam den Hammer auf die Schädeldecke....brutal.
Er lag in seinem Blut und wimmerte...die Mutter schrie die Mädchen an, daß sie das Pferd vor den Wagen spannen sollten und sie verband ihn notdürftig den Kopf. Schnell fuhren sie ins Krankenhaus. Er blieb über 3 Wochen im Kreiskrankenhaus und danach war er nicht mehr sooo rege, was sein Denkvermögen betraf.
Als der Krieg auch in seinem Dorf ankam, wurden alle wehrfähigen Männer zum Volkssturm gerufen. Von etwa 370 alten und jungen Männern wurden nur 7 aussortiert, weil man ihnen nicht das werfen einer Granate in Richtung Feind, oder die Nutzung eines Gewehrs zutraute. Hermann war dabei...sein Hammerschlag bewahrte ihn so vor einem aktiven Kriegseinsatz.
Und Hermann lernte daraus, daß keine Sache nur schlecht ist...jede hat auch eine gute Seite.