Hermann im Kinderferienlager
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 16.01.2019, 17:39
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Diese Geschichte wurde mir von der Tochter Hermanns an einem lauschigen Abend bei einem Schoppen Wein erzählt...ich gebe sie nur wieder.
Hermann arbeitete in einer Gießerei. Die Arbeit war ziemlich schwer, aber sie machte ihm Spaß. Eines Tages kam sein Brigadier an und fragt wer sich als Helfer im Kinderferienlager melden würde. Sein Kumpel der Staubach schlug ihn vor...er hätte ja selbst 3 Kinder und wäre so dafür geeignet und Gott (Hermann war ziemlich gläubig)würde ihm schon helfen. So fuhr Hermann also 12 Tage in ein Betriebskinderferienlager in Salomonsborn, auch weil ihm der Ortsname gefiel.
Er war damals so etwa 43 Jahre alt und hat sich um seine eigenen Kinder praktisch nie gekümmert. Kindererziehung ist "Weibersache". Er passte nur auf, daß sie zum Gottesdienst und in den Religionsunterricht gingen. Er glaubte, daß das reicht und er im Ferienlager nen "Lenz schieben " könnte. Aber es wurde da nix draus.
Er bekam als "Neuling" die kleine Jungsgruppe. Die Zwerge staunten, was sie bei ihm alles durften.
Es gab damals einen Wettbewerb zwischen den Gruppen, wozu auch die Ordnung im Zimmer gehörte. Das erste mal den Papierkorb leeren, ordnete er nach 3 Tage an...es hatte wohl einer darin einen Harzer Stinkerkäse versenkt, der zu einer erheblichen Geruchsbelästigung führte. Betten machte jeder wie er konnte...nur waren die Jungs 9 Jahre alt und mussten zu Hause nie die Betten selbst machen. Nur einer konnte es und zeigte es den andern. Er durfte dafür auch das Bett von Hermann herrichten und wurde dafür mit einer Kugel Eis (war streng verboten) belobigt. Sie waren die letzten im Wettbewerb, was sie aber nicht störte und Hermann schon gar nicht.
Viele Dinge konnte er auch logistisch nicht verarbeiten. Die Kinder hatten jeder ca. 10 Mark als Taschengeld , welches er einsammeln sollte, damit sie es nicht verlieren. Das tat er auch, packte alles in sein Portemonnaie. Er schrieb sich aber nichts auf, meinte nur , wenn jemand Geld braucht sollte er es sich von ihm geben lassen. Das taten sie auch...ob sie dabei zuviel oder zuwenig "abhoben" ist nicht mehr bekannt.
Tagsüber ging Hermann mit der Gruppe wandern...er mochte einfach nicht mehr die Vorhaltungen des Lagerleiters hören. Dabei erfand er wunderbare Dinge. Einmal im Wald erklärte er, daß nun jeder sooo laut schreien kann wie er es schafft. Die Jungs waren begeistert..sie brüllten und schrieen...nun gut nach einer halben Stunde kamen die ersten zu Hermann und baten ihn für Ruhe zu sorgen..das Geschrei würde ihnen auf die Nerven gehen.
Wenn sie bei großer Hitze ins nächste Dorf wanderten jaulten alle bald, daß sie Durst haben. Wasser trinken war verboten und an Tee hat keiner gedacht. Hermann hatte auch dafür eine Lösung. Kurz vor dem Dorf war eine kleine Quelle die in einen Fluss mündete. Er rief ca. 1 km vorher ein Wettrennen bis zu dieser Quelle aus. Dort sollten alle warten. Er ermahnte nochmal alle, das Wasser trinken verboten sei...dann rannten sie los...Hermann ging gemütlich hinterher...als er ankam sassen alle mit hochroten Gesichtern im Gras und hatten keinen Durst mehr. Erstaunlich welche Wunder Gott mit Hermanns Hilfe vollbringen konnte.
Ein andermal wurde ein Fußballturnier gestartet...seine Jungs lehnten es aber ab, das Hermann, der gefühlte 130 kg auf die Waage brachte, mitspielte. Er wurde zum Fotografen ernannt und durfte die Niederlagen seiner Jungs dokumentieren.
Bei den anderen Helferinnen war Hermann (es gab nur noch einen Mann als Lagerleiter) nicht so beliebt, weil er so gottesfürchtig war. Sie dachten sich ständig andere Schabernacke aus. Mal juckte ihn sein Hemd, weil sie ihm Hagebutten darin verbaselt hatten, mal streuten sie ihm Salz in sein Feierabendbier. Er ärgerte sich zwar ein wenig darüber, aber schwieg eisern dazu . Am letzten Abend gab es eine große Abschlussdisko. Die Helferinnen haben am Abend ihre Koffer gepackt, da es am frühen Morgen zurück nach Hause ging.
Hermann schaute sich die Disko an und sah, daß alle 3 Helferinnen sich beim Tanz amüsierten. Da verließ er heimlich den Tanzsaal und ging in das Zimmer der jungen Damen. Damals war es nicht üblich seinen Koffer zu verschließen..das stellte er schnell fest. Zügig kippte er alle drei Koffer auf dem Boden aus und vergas nicht alles noch ein wenig durcheinander zu bringen. Dann ging er zurück zur Disko und setzte sich brav vor sein Bier.
Er konnte sich ein klitzekleines Grinsen nicht verkneifen, als er etwa 2 Stunden später einen spitzen Schrei aus dem Zimmer der Mädchen hörte....dann ging er zu Bett. Die Helferinnen hatten ne gute Stunde damit zu tun, ihre Slip und Shirts zu sortieren und die Koffer wieder zu packen.
Hermann wurde nie wieder dazu eingeladen als Helfer ins Ferienlager zu fahren...aber die Kinder seiner Gruppe lobten ihn zu Hause sehr.