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Herkules beim Weihnachtsshopping

Von Feierabend-Mitglied 15.12.2019, 17:46

"Komm Großer, spring rein", das braucht Herrchen nicht zweimal sagen. Ich fahre gerne Auto. Aus den Heckfenstern des hohen Fahrzeugs genieße ich ganz gemütlich die tolle Sicht. Es ist ein EsJuWi, Erwins ganzer Stolz. Mit Elfis Auto fahre ich auch gerne, obwohl es niedriger und ziemlich eng darin für mich ist. Man fährt damit trotzdem viel entspannter. Dazu später mehr.

Jetzt geht´s in die City. Es ist Vorweihnachtszeit.
Bereits an der ersten Kreuzung:
"So ein Lahm-Arsch, der könnte längst fahren", schimpft Erwin.
"Wir haben Zeit", entgegnet seine Beifahrerin.
"Das ist egal, es geht um´s Prinzip", ist seine Antwort.

So geht es weiter. Auf den paar Kilometern bis zum Parkhaus haben wir es mit einem Vollpfosten, drei Trotteln und fünf Idioten zu tun. Das liegt heute über dem Durchschnitt. Macht wohl die besinnliche Adventszeit.

Die Fahrt mit dem kleinen Auto von Elfi wäre ruhiger, denn das zieht offensichtlich weniger ungeschickte Verkehrsteilnehmer an.

"Da ist eine Lücke", merkt Elfi.
"Die ist zu schmal."
"Du kannst mich vorher aussteigen lassen."
"Wenn ich sage, die ist zu schmal, dann ist das so. Möglich, dass die Nachbarn eine Macke in meine Türen schlagen beim Ein- oder Aussteigen!"

"Ach, was bist Du pingelig. Wir hätten mein Bärchen nehmen sollen, dann hätten wir längst einen Parkplatz."

Das Bärchen ist Frauchens Auto, ein kleiner Italiener. Herrchen mag keine Kosenamen für Autos, Er findet das kindisch. Ich finde, da liegt Erwin falsch. Tatsächlich heißt das Auto nämlich Panda und das i s t ein Bärchen!

"Hätte, hätte! Du weist doch, in das winzige Vehikel setze ich mich nur im Notfall."
"Notfall? Du meinst, wenn du trinken willst und ich soll fahren."

Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Müsst ihr euch beim Fahren immer streiten?

"Außerdem könnt ihr Frauen sowieso schlechter einparken, ihr braucht größere Lücken als wir."
"Dass ich nicht lache. Ich brauche keine Rückfahrkamera, so wie du in deiner SUV-Macho-Kiste!"
"Bei deinem Elefanten-Rollschuh kein Wunder. Und nun hör auf zu streiten."

Frauchen beißt die Lippen aufeinander. Sie will auch keinen weiteren Streit.
Gott sei Dank, sage ich da.

Nach vier Runden durch die Parkdecks und etlichen Flüchen, das Parkhaus sei viel zu eng gebaut, hat Herrchen einen würdigen Stellplatz gefunden.

Mich nehmen sie an die kurze Leine und los geht´s.

Wenig später betreten wir ein Textil-Kaufhaus. Ich gehe davon aus, der nächste Streit steht bevor.

"Für die Weihnachtsfeier mit unseren Freunden brauche ich ein neues Kleid."

Ich erinnere mich, der Satz kommt mir bekannt vor.

"Wieso? Genau dafür hast Du doch letztens bereits eins gekauft. Das ist doch noch gut. Es ist erst ein Jahr alt und kaum getragen."

Wo Erwin Recht hat, hat er Recht. Ich stimme ihm zu.

"Ich ziehe d a s nicht wieder zu Weihnachten an. Man könnte denken, ich hätte nur das eine."

"Ich ziehe meinen guten Anzug jedes mal an."

"Stimmt, seit vielen Jahren immer den selben und g u t ist was anderes. Du brauchst dringend einen neuen."

Oh je, Erwins Anzug wird jedes Jahr zum Streitthema. Zum Glück geht das Thema dieses Jahr unter. Elfi hat einige Kleider zur Auswahl gefunden und verschwindet für lange Zeit in einer der Umkleidekabinen.

Herrchen und ich warten auf den Sitzreihen vor den Kabinen. Irgend etwas ist anders als sonst. Sein übliches, betont gelangweiltes Gesicht ist zu einem zufriedenen Lächeln geworden. Außerdem streckt Herrchen seinen Kopf ständig Richtung Umkleide.
Meine Neugier ist geweckt. Ich sehe, einer der Vorhänge ist nicht richtig zugezogen. Ich tapse hin und schaue durch den breiten Spalt. Eine junge Frau steht mit dem Rücken zum Vorhang. Sie hält Kleider vor den Spiegel. Ihr Tanga-Höschen gibt den Blick auf ihre Backen frei. Diese schneeweißen Kugeln strahlen mein Herrchen offensichtlich bis zu seinem Sitzplatz an.

Hier ist Durchzug, stelle ich fest. Die Frau wird sich erkälten. Ich gebe ein kurzes WUFF von mir, erschrocken zieht das Mädel den Vorhang zu.
Ich gehe zurück und lege mich vor die Sitze.

"Du blöder Hund!!!" zischt Erwin mich wütend an. Die Lust in seinen Augen ist dem Zorn gewichen.
Ich hatte es doch gut gemeint, mit der hübschen Frau.

Später, mit Taschen bepackt, schlendern wir über den Weihnachtsmarkt.

"Toll, wir haben alles bekommen, was wir wollten und mein neues Kleid ist besonders chic."
"Das freut mich sehr", meint Erwin.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihn freut. Nun ist das Schlimmste für ihn vorbei und er kann den Ausflug genießen.

Gemütlich, mit gut gefüllten Bechern Glühwein, stehen Elfi und Erwin an einem hohen kleinen Tisch. Meine Leine ist an ein Tischbein gebunden.
Diese vielen Gerüche vom Weihnachtsmarkt, ich verspüre inzwischen großen Hunger. Ab und zu ein Frolic von den Beiden als Wegzehrung, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Nebenan am Würstchenstand herrscht reges Treiben. Plötzlich rutscht einem kleinen Jungen die Bratwurst aus dem Brötchen und rollt über den Boden. Blitzschnell springe ich darauf zu und SCHNAPP, mein größter Hunger ist gestillt. Hinter mir ein Aufschrei, ich drehe mich um, sehe wie der Tisch kippt. Beide Becher mit Glühwein fliegen mir entgegen. Und noch einmal, eine hervorragende Reaktion von mir: Ich weiche geschickt aus und meine Zunge schleckt die rote Pfütze schnell auf. Das war eine Meisterleistung. Man darf auch mal stolz sein, auf sich selbst!

"Pfui, Herkules, pfui," schreien meine beiden Begleiter wie aus einem Mund und ziehen an meiner Leine.
Was heißt hier pfui. so pfui kann Glühwein nicht sein, ihr habt dafür sogar gezahlt und angestanden.

"Entschuldigen Sie," wenden sich sich Elfi und Erwin an die Umstehenden, "unser Hund ist sonst immer so brav."

Nachdem der Tisch wieder steht und die Becher aufgehoben sind, sagt Elfie: "Komm´ Herkules, du bist heute unmöglich. Wir fahren nach Hause."

Frauchen ist die Lust vergangen und zerrt an meine Leine. Herrchen sieht das nicht so dramatisch, noch nicht.

Auf der Heimfahrt wird mir schwindelig, dann dreht sich mir der Magen um. Bratwurst und Glühwein kommen wieder hoch. Als wir zu Hause eintreffen, geht es mir nach und nach wieder besser.
Eigentlich fand ich den Tag nicht schlecht. Nur den Glühwein hätte ich besser gelassen.

Erwin ist wütend. Ich gehe ihm besser aus dem Weg. Das ist nicht schwer, denn er reinigt den Innenraum seines Autos. Das wird dauern, denn was Erwin macht, das macht er gründlich, wie ich!










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