Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

3 4

HELLER NOVEMBER 4. Teil Text+Bild:elbondo

Von egalis Mittwoch 04.11.2020, 21:30

Was nur hatte sie verkehrt gemacht? Sie habe nicht seine Mentalität, hatte Walter ihr sein Trennungsvorhaben zu erklären versucht. Die Chemie zwischen ihnen stimme nicht... Welch ein Blödsinn. Das fiel ihm jetzt ein, nach mehr als dreißig Jahren des Zusammenseins?

Er hätte nie das erreicht, was er jetzt darstellte, hätte sie ihm nicht den Rücken freigehalten. Dann kam da plötzlich dieses junge Ding daher, im Miniröckchen, und er war ausgeflippt. Völlig durchgeknallt.
Sie spürte, wie die alte Bitterkeit wieder von ihr Besitz nehmen wollte. Nein, befahl sie sich, nicht hier und überhaupt nicht mehr. Ich bin frei und das ist gut so. Wirklich? - kam ihr der nächste Gedanke fragend in den Sinn. Willst du eigentlich immer allein bleiben, bist du davon wirklich überzeugt? Sie seufzte tief.
Naja, einen Gefährten zur Seite zu haben, wäre schon nicht schlecht. Sich mit jemandem austauschen zu können, zu spüren, dass man sich mochte, gebraucht wurde... Eine Schulter zum Anlehnen, anlehnen lassen. Ein Mann, der absolut ehrlich ist. Lügen hasst, wie sie es auch tat. Der Lust am Leben hat und doch nicht oberflächlich ist.
Du glaubst doch wohl nicht mehr an den Märchenprinzen, unkte sie mit sich selber. Deinen Vater hat es nur einmal gegeben.
So was gibt es nicht mehr. Oder hatten ihre Eltern den Kindern etwas vorgemacht? Sie war der Meinung: So müsse eine Ehe sein, wie die Eltern es vorlebten. Es hatte auch hier Höhen und Tiefen gegeben, aber die Harmonie hatte stets Oberhand. Und das hatte sie in ihre eigene Ehe einbringen wollen. Sie bedachte dabei nur nicht, dass Walter ganz anders aufgewachsen war.

Felizitas erinnerte sich der Zeit, wo sie sehr mit ihren Eltern gegrollt hatte. Das war anfangs ihrer Schulzeit, als sich ihre Mitschüler über ihren Namen mokiert und sie gehänselt hatten. Wie konnte man seine Tochter nur Felizitas Rose nennen? Ihre Mutter hatte gewünscht, dass sie so heißen sollte. Es gab damals eine Schriftstellerin, namens Felicitas Rose, die von der Mutter sehr verehrt wurde. Etliche der Bücher waren vorhanden. Und als Felizitas alt genug war um sie zu verstehen, hatte die Mutter ihr die zu lesen gegeben.

Die beiden verbliebenen Bücher „Der Tisch der Rasmussens“ und „Heideschulmeister Uwe Karstens“ standen nun bei ihr im Bücherbord. Besonders den Heideschulmeister hatte sie dann auch in ihr Herz geschlossen. Aber deshalb hatte man sie doch nicht nach der Schreiberin der Romane benennen müssen...
Seit der Zeit hieß Felizitas bei ihren Mitschülern und Freunden nur noch Felix. Das hatte sich bis heute gehalten. Irgendwie passte „Felix“ auch zu ihr. Eigentlich hatte sie damals mehr das Auftreten eines Jungen als eines Mädels gehabt. Sowieso wäre sie viel lieber ein Junge geworden. Hervorgerufen war dieses Begehren wohl auch von den Erzählungen ihres Vaters.

Besonders seine spätere Zeit bei der Marine hatte sie beeindruckt. Und damals schon spürte sie eine Sehnsucht in sich erwachen, die sie jedes Mal befiel, wenn sie von fremden Gegenden las oder hörte oder auf andere Weise Kunde davon bekam. Ganz schlimm wurde das Ziehen in ihr, wenn sie an Flughäfen Starts und Landungen beobachtete; wenn sie am Wasser war, wo Schiffe fuhren, egal ob Fluss oder Meer. Es genügte auch die Bahnhofsatmosphäre, wenn der Vater mit ihr und den Brüdern Lokomotiven anschauen ging.
Da auch der Vater von einem unüberwindlichen Fernweh gepackt war, hatten sie dadurch fast die gesamte Nordseeküste bereist, waren mit den Bäderschiffen auf die verschiedenen Inseln gefahren und auf diese Weise war Felix später auch auf dieser Insel gelandet. – "ihrer" Insel. –

Es ist gar nicht gut, wenn man so alleine durch die Gegend läuft, dachte sie. Die Gedanken haben viel zu viel Platz und nehmen einen ganz ein. Sie besann sich wieder auf ihren Spaziergang. Die Dünen zu ihrer Rechten wurden höher. Sie blieb stehen um sich zu orientieren. Ach ja, dort drüben war schon der FKK-Strand. Die Biegung hatte sie längst durchlaufen.
Die gesprengten Bunkerreste hatte sie schon eine Weile hinter sich gelassen. In ihre Gedanken versunken, hatte sie weder auf den Weg noch auf das Wetter geachtet. Filler war die ganze Zeit neben ihr hergetrottet. Als sie merkte, dass ihre Hauptperson lebhafter wurde, machte die Hündin auf sich aufmerksam. Sie sprang hoch und um Felizitas herum. Die klatschte in die Hände, was einer Aufforderung gleichkam und rannte los. Filler, zunächst einen Überraschungsmoment hinter ihr, umsprang sie dann mit ihren langen Hundebeinen und rannte davon. Felizitas zog natürlich den Kürzeren. Aber der Spurt hatte ihr gut getan.

„Wie gut, dass bei diesem Wetter keine Gäste hier sind, dass mir keiner zugeschaut hat“, sagte sie zu sich selber. Es mochte sicher ein eigenartiger Anblick sein, wie die ältere Frau mit ihrem Hund herumtollte. Sie lief eine Weile rückwärts, damit sie den Wind mal in den Rücken bekam und nicht immer von vorn, so dass es ihr die Tränen in die Augen trieb!
Nun wurde sie durch das gespannte Verhalten des Hundes aufmerksam und drehte sich um. Ach du liebe Zeit, da kam ihr wahrhaftig ein einzelner Mensch entgegen! Was hatte der hier in dieser unwirtlichen Jahreszeit, bei diesem Wetter zu suchen?
‚Vielleicht ist es ja auch in Inselfanatiker wie du’, beantwortete sie sich ihre Frage. Filler wäre am liebsten auf den Mann, ja es war einer, das konnte sie nun deutlich erkennen, losgestürmt. Ein scharfes Kommando hielt sie aber zurück. Mit hochgerecktem Kopf lief die Hündin witternd neben Felizitas her.

Ob das auch einer von den notorischen Fremdgängern ist? schoss es ihr durch den Kopf. Aber stell dir doch mal vor, es wäre dein Märchenprinz! raunte ihr innerliches Ich ihr zu. Gut, edel, treu, wahrhaftig, liebevoll; ganz so, wie du ihn dir vorstellst. Vielleicht hat er ja auch noch blonde Haare und blaue Augen, wäre also ganz dein Typ... Felizitas amüsierte sich über sich selber. So ein Quatsch. Als wenn ich noch einmal auf meinen Typen abfahre! Das hatte ich schon. Nie wieder! bekräftigte sie sich.

Der Fremde und sie waren sich nähergekommen. Aber immer noch waren sie weit genug voneinander entfernt, so dass Einzelheiten nicht zu erkennen waren. Ein Windstoß schlug ihr eines ihrer langen Schalenden ins Gesicht. Sie hielt es fest und widmete sich wieder der näherkommenden Erscheinung. Groß war er und wohl schlank. Flott sein langbeiniges Ausschreiten. Kein Wunder, wenn man den Wind im Rücken hat, dachte sie. Der Wind spielte mit den Haaren des Mannes. Nein, befand sie, der ist blond. Also abgehakt. Wenn der nicht bald zur Seite geht, überlegte sie, dann stoßen wir zusammen.
Glaub ja nicht, dass ich ausweiche...


Es kommt noch was


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > HELLER NOVEMBER 4. Teil Text+Bild:elbondo