Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

6 6

HELLER NOVEMBER 2. Teil (c)Text+Bild:elbondo

Von egalis Mittwoch 04.11.2020, 00:27

...Das untere Ende der Hosenbeine schlug Falten über den Schuhen und hinten wurden damit die Planken gefegt...
„Entsetzlich. Wie gut, dass ich damit nichts mehr zu tun habe“. Flüchtig erinnerte sie sich an das Vergangene. Walter hatte auch einen Hang zu diesen Hängehosen und wurde deshalb jedes Mal von ihr gemahnt, sie 'richtig' anzuziehen. Aus und vorbei. Sie stieß scharf die Luft durch die Nase.

Neben sich hörte sie das typische Geräusch beim Essen einer Mohrrübe, sah zur Seite und bemerkte einen Mann in kurzer Entfernung, der genüsslich an einer knackigen Wurzel kaute. Sie blickte ihm geradewegs in die hellbraunen Augen. Blitzschnell registrierte sie: Schmales, kantiges Gesicht, schön geschwungene Augenbrauen; so dunkel wie sein welliges, jetzt vom Wind zerzaustes Haar. Etwas größer als sie. Und er trug einen ziemlich schwarzen Schnauzer unter der gebogenen Nase. Interessant, stellte sie bei sich fest. Ihr Blick glitt an ihm herunter. Hellblaue Jeans unter einem dunkelblauen Parka. Derbe Schuhe. Sie schaute wieder auf und wunderte sich über den dicken Kragen um seinen Hals, der so gar nicht zu dem Parka passen wollte. Als der Mann sich umdrehte, sah sie von der Mitte des Kragenwulstes einen Gurt, der zwischen den Schulterblättern herunter führte und dort mit einem Quergurt verbunden war, der vorne, in Magenhöhe, zu den beiden Wulst-Enden ging. An den Enden waren Bänder mit Knöpfen dran. Auf den Wülsten waren rechts und links reflektierende Zeichen angebracht. Es dämmerte ihr: Im Flugzeug wurden die Schwimmwesten an diesen Bändern zum Aufblasen gebracht, wenn man daran zog. Der Mann hatte eine Schwimmweste um! Hatte er so wenig Vertrauen in die Fähre? Ihr wurde ein bisschen seltsam zumute. Als er aber erst mit einem Fährenmann sprach und anschließend ein Funkgerät aus der Tasche holte und abhörte, was sich an einem für sie nicht feststellbaren Ort tat, reihte sie ihn ein in das Fährenpersonal oder doch zumindest als zu einem mit dem Wasser in Zusammenhang stehendem Beruf zugehörig.

Sie wandte sich ab und beobachtete nun vorüberfahrende Schiffe. Sah, wie langsam der Nebel aufstieg und ihre Gedanken liefen ihr voraus. Wann wäre sie wohl am Ziel? Gut, dass sie ihm keine Ankunftszeit genannt hatte, nur vage andeutete, dass sie wohl am späten Nachmittag oder am frühen Abend eintreffen würde. Sie freute sich auf das Wiedersehen. „Wie das alles so läuft im Leben", sann sie.
Sie träumte sich zurück in das vergangene Jahr, als sie sich getroffen hatten. Eigentlich hatte sie das ihrer Freundin Uschi zu verdanken.

Im Februar war es.
„Komm doch auf ein paar Tage rüber und spann aus, Felix", hatte Uschi gemeint. „Gunter ist für eine Zeitlang in Frankfurt und ich bin allein. Wir sind ungestört und können es uns so recht gemütlich machen. Bring Filler ruhig mit. Um diese Zeit ist hier nichts mehr los und sie kann sich mal wieder so richtig am Strand austoben.“ – Die Idee wäre gut, befand Felizitas Rose Grünau. Sie hatten einen Termin ausgemacht und so war sie zur Insel hinübergefahren, die große, graue irische Wolfshündin an ihrer Seite. Drei Jahre alt war Filler. Sie steckte noch voller Übermut und spielte gern mit ihrem Menschen. Viel Bewegung brauchte das Tier. Aber das kam der Neigung von Felizitas nur entgegen. Sie war selber gern draußen und lief manche Stunde mit dem Hund. Seit sich ihr Mann von ihr getrennt hatte, lebte sie allein und hatte nichts und niemand mehr zu versorgen. So konnte sie auch ungehindert die Haustür hinter sich abschließen und ein paar Tage zu ihrer Freundin fahren.

Über dreißig Jahre lang kannten Uschi und sie sich jetzt. Sie hatten sich kennen gelernt, als Felizitas auf der Insel in einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeitete. Über Klaas Vergau waren sie zusammengekommen und hatten sich angefreundet. Klaas war der jüngere Bruder von Uschi. Er half regelmäßig auf dem Hof bei der Pferdepflege und begleitete Felizitas bei den Ausritten mit Kurgästen. Auch in den Jahren nach Felizitas’ Inselzeit hatte die Freundschaft mit den Geschwistern Bestand. Und das Festland war nicht weit, so dass immer mal wieder Besuche hier und dort stattfanden. Uschi und Gunter waren zusammen mit Klaas Trauzeugen bei der Hochzeit gewesen. Sie waren auch Paten beim ersten Kind.

Uschi hatte viel von dem Auf und Ab in der Ehe von Felizitas und Walter mitbekommen. Sie freute sich mit der Freundin oder tröstete sie, wenn diese am Boden zerstört war. Umgekehrt war es ebenso. So wusste Uschi natürlich auch davon, dass Walter seine Frau betrogen hatte und dann schließlich vor vier Jahren verkündete, dass er sie verlassen wolle. Im Dunkel dieser Zeit gefangen dauerte es lange Zeit, bis Felizitas begriffen hatte, dass sie allein war und ein neuer Lebensabschnitt von ihr in Angriff genommen werden wollte. Mit Hilfe ihrer Freunde fand Felizitas schließlich zu sich zurück.

Etliche ihrer Bekannten hatten sich von ihr abgewandt und sich Walter und seiner Freundin angeschlossen, schließlich bekleidete er einen einflussreichen Posten und seine Bekanntschaft könnte sich als nützlich erweisen.

Fortsetzung ist in der Mache

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > HELLER NOVEMBER 2. Teil (c)Text+Bild:elbondo