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Ghostrunner die Erste

Von Fiddigeigei Freitag 01.11.2019, 11:05 – geändert Freitag 01.11.2019, 11:08

Ghostrunner
Diesen Brief habe ich heute aus dem Anlass zum Feiertag der Allerheiligen ausgegraben.
Er mag euch bekannt vorkommen, deshalb verzeiht mir.
Edgar( getauft nach Edgar Allen Poe)

Lieber Freund,

wenn ich Dir heute von einem neuen Wohnort aus schreibe, geschieht dies mit viel innerer Unsicherheit und Lebensängsten.
Ich hatte Dir ja schon mitgeteilt, dass ich als Ruhesuchender und auch aus beruflichen Gründen in ein kleines Dorf gezogen war, welches weit ab vom Weltentrubel in einer einsamen Gegend liegt und für meine Arbeit eigentlich als ideal anzusehen ist
Alles in diesem gottverlassenen Ort dem Verfall preisgegeben zu sein. Das betrifft nicht nur die alten Katen, die sich um eine noch älteres morsches Kirchlein scharren, sondern auch die Menschen die in dieser Stille leben, oder gar gezwungen sind dort in dieser Einöde schließlich zu ihrem Ende zu verkommen.
Bei den Einwohner- es sind derer nicht sehr viele und nur alte- handelt es sich ausschließlich um Lebewesen, die es anscheinend aufgegeben haben, unbedingt dem normalen menschlichen Willen folgend, weiter existieren zu wollen.
Meine Kontakte zu ihnen bestehen lediglich in einem Kopfnicken, wenn man sich, was äußerst selten stattfindet, begegnet. Ansonsten herrscht Schweigen und eine Ansprache- ich habe dies mehrmals versucht- scheint unerwünscht zu sein.
Aber das kommt mir gerade recht und so und so lassen wir uns gegenseitig die Ruhe, die alle hier anstreben.
Einmal in der Woche erhält das Dorf Besuch von einem fahrenden Händler, der die Waren anbietet, die das tägliche Leben ermöglichen. Luxus gibt es nicht, aber die Dinge des täglichen Bedarfs wie man so treffend sagt, gibt es und die Häuschen verfügen alle über einen Garten, der zumindest im Sommer ein paar Vitamine liefert.
Sonntags sehe ich oft zu der morbiden Kirche hin. Von meinem Fenster zum Arbeitszimmer hinaus habe ich einen durch nichts im Wege stehenden ungestörten Blick auf dieses armselige Haus Gottes. Nun wohne ich bereits einige Monate hier, ich konnte jedoch noch nie einen Seelsorger sehen und selbst bei einer Beerdigung- eine solche fand in der letzten Zeit statt- sah ich nur einen Bestatter, der wahrscheinlich den Sarg anlieferte. Das Grab schaufelten die Übriggebliebenen selbst und versenkten den Toten auch in die Erde. An diesem Tag läutet das Glöcklein vom Kirchturm und ich erschrak darüber, wie der Glockenton die Stille brutal zu unterbrechen schien; die Glocke, welche ansonsten, niemand mit ihrem Klang störend, stumm im Turm hing und die ich zu diesem Anlass zum ersten Male hören konnte.
Ich hoffe ich konnte Dir die Situation in der ich noch vor kurzem lebte- und gerne lebte- ausführlich geschildert zu haben. Du wirst mich nun fragen, warum nun dieser Brief?
Aus unserer gemeinsam verbrachten Zeit weißt Du, dass ich wie Du auch gerne bei Nacht aus dem Haus gingen um zu laufen; zu laufen, wenn es andere nicht taten, wenn man sich ganz alleine und weltverloren vorkam. Der Genuss der Stille, die nur durch Geräusche der nächtlichen Natur, deinem eigenen Atem und dem gleichmäßigen Geräusch welche deine Laufschuhe verursachten, unermessliches tiefe Glücksgefühle auslöste.

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